zuletzt aktualisiert vor

Nordwestbahn entschuldigt sich „Menschenunwürdige Zustände“: Überfüllter Zug strandet in Bramsche

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Dicht gedrängt steht kurz vor Weihnachten eine Menschenmenge in der Nordwestbahn. Foto: Corinna HömerDicht gedrängt steht kurz vor Weihnachten eine Menschenmenge in der Nordwestbahn. Foto: Corinna Hömer

Osnabrück. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist am Samstag vor Weihnachten ein Zug der Nordwestbahn für eine halbe Stunde am Bahnhof in Bramsche gestrandet. Er war völlig überfüllt, sodass Fahrgäste den Schließmechanismus der Türen blockierten.

Dicht gedrängte Menschen, weinende Kinder, und ein Mann, der sich wegen Schwindelgefühlen übergeben musste: Die Schilderungen von Corinna Hömer klingen schaurig. Die 21-Jährige fuhr am Abend des 17. Dezembers mit ihrer Familie in der Nordwestbahn von Osnabrück in Richtung Oldenburg. Im Zug hätten „menschenunwürdige Zustände“ geherrscht.

Ein Zug fiel aus

Die Familie hatte zuvor den Osnabrücker Weihnachtsmarkt besucht. Da ein achtjähriger Junge dabei gewesen ist, wollte die Familie die Nordwestbahn um 22.04 Uhr vom Altstadt-Bahnhof aus zurück nach Bersenbrück nehmen. Der Zug fiel jedoch aus damals unbekannten Gründen aus. Daher musste die Familie wie andere Reisende auf den Zug um 22.56 Uhr warten.

Ein Problem: Dieser späte Zug mit drei Triebwagen wird in Bramsche geteilt: Zwei Triebwagen fahren Richtung Vechta, der hintere über Bersenbrück weiter nach Oldenburg. Bereits am Altstadt-Bahnhof sei abzusehen gewesen, dass der Triebwagen nach Oldenburg nicht genug Platz für alle Fahrgäste bieten würde. Nach Aufforderung der Mitarbeiter der DB Sicherheit seien die Fahrgäste dennoch enger zusammengerückt. „Dann drückten die Sicherheitsleute die übrigen Fahrgäste vom Bahnsteig in den Zug, sodass die Türen wortwörtlich vor den Nasen der letzten Fahrgäste schlossen“, sagt Hömer.

Einzelne flüchten aus Zug

Im Zug sei die Lage chaotisch gewesen: „Sitze wurden als Stehplätze genutzt, und Personen saßen auf ehemaligen Ticketautomaten. Die Menschen standen so eng aneinander, dass es nicht möglich war, sich um die eigene Achse zu drehen. Die Luft wurde knapp, die Temperatur stieg stark an. Und die Kinder hatten es aufgrund ihrer Körpergröße schwer, einwandfrei zu atmen.“ In Achmer seien schließlich diverse Personen ausgestiegen. „Sie fingen an zu weinen und flüchteten aus dem Zug“, so Hömer. (Weiterlesen: Überfüllter Zug bleibt im Mai in Achmer liegen)

In Bramsche hätten dann weitere Personen versucht, in den Triebwagen zu steigen, der nach Oldenburg fahren sollte. Der Zug sei jedoch schon zu voll gewesen, die Fahrgäste blockierten den Schließmechanismus der Türen – der Zug stand für gut eine halbe Stunde still. „Erst nach etwa 20 Minuten gab es eine Durchsage, dass für Reisende Richtung Oldenburg Taxis bereitstünden“, sagt Hömer. Jedoch habe es auch hier bei der Organisation Probleme gegeben. Am Ende sei die Familie nach insgesamt fast dreieinhalb Stunden statt der üblichen 27 Minuten in Bersenbrück angekommen. Hömer ärgert vor allem, dass ein weiterer Triebwagen für die Strecke Osnabrück–Oldenburg das Problem bereits gelöst hätte.

Polizei schätzt Lage als „unproblematisch“ ein

Auch die Polizei Bramsche kam zum Bahnhof. „Die Lage vor Ort war aber ruhig und unproblematisch“, sagt eine Beamtin. Die Bundespolizei sieht das ähnlich. „Ein Anrücken unsererseits war nicht erforderlich“, so ein Sprecher.

Die Nordwestbahn entschuldigt sich „für die unangenehme Fahrt und die Verzögerungen“. Laut dem Unternehmen „sind einige unglückliche Umstände zusammengekommen, die zu diesem Ergebnis geführt haben“. So sei der erste Zug wegen einer „technischen Störung“ kurzfristig ausgefallen. Aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens im Folgezug habe die Nordwestbahn für den Halt in Bramsche Taxis bestellt, damit einige Reisende den Zug verlassen können. „Wenn Fahrgäste die Taxikosten in diesem Fall spontan selbst übernommen haben, bitten wir sie, ihre Quittungen bei uns einzureichen – wir werden diese dann übernehmen“, versichert Maik Seete, Sprecher des Unternehmens. Zu den Zuständen im Zug könne er momentan keine Angaben machen, weil die an jenem Abend im Dienst befindlichen Mitarbeiter Urlaub hätten. (Weiterlesen: Nach dem Nothalt in Achmer im Mai weist die Nordwestbahn Vorwürfe zurück)

Ein vierter Triebwagen ist laut Nordwestbahn nicht möglich

Der Nordwestbahn sei darüber hinaus bewusst, dass bei Großveranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt mehr Menschen unterwegs sind als üblich. Das Unternehmen wolle bei kommenden Veranstaltungen dieser Art prüfen, inwiefern weitere Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden könnten. Jedoch gebe es einen Haken: „Einen vierten Triebwagen zur Verfügung zu stellen, ist leider generell nicht möglich. Neben technischen Rahmenbedingungen würde schon die Zuglänge die Länge der Bahnsteige überschreiten.“

Bereits im Mai gab es auf der Strecke Osnabrück–Oldenburg Probleme: Damals war zu Zeiten der Maiwoche ein überfüllter Zug der Nordwestbahn kurz hinter dem Bahnhof Achmer liegen geblieben. Der Zug war nach Auskunft der Polizei mit rund 500 Fahrgästen derartig überfüllt gewesen, dass Menschen gegen die Zugtüren gedrückt wurden. Auch damals funktionierte der Schließmechanismus der Türen nicht mehr richtig.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN