Bramscher Wirtschaft im Porträt Bramscher Taxiunternehmen Warning Familiensache

Von Christoph Lützenkirchen

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Familienunternehmen: Ralf Warning, seine Frau Kerstin (mit Brille) und seine Schwester Ute Gausmann, Foto: Christoph LützenkirchenFamilienunternehmen: Ralf Warning, seine Frau Kerstin (mit Brille) und seine Schwester Ute Gausmann, Foto: Christoph Lützenkirchen

Bramsche. In unserer BN-Serie „Der Rote Faden - Bramscher Wirtschaft im Porträt“ stellen wir Unternehmer aus der Region vor. Heute geht es um den Taxiunternehmer Ralf Warning.

Was tut eigentlich ein Taxifahrer? Er sitzt im Auto und fährt in der Gegend herum? Dass auch. Doch wer mit Ralf Warning spricht, erkennt schnell: Das Fahren passiert eher nebenbei. Der 46-jährige Eper ist Chef des Bramscher Taxiunternehmens Warning. Keine Frage, ein Taxifahrer sollte sein Fahrzeug beherrschen. Auf Dauer werden aber nur die Fahrer glücklich in der Branche, die gut mit Menschen umgehen können.

Einstieg mit 22

Ralf Warning hat das früh gelernt, er war erst 22 Jahre alt, als er 1992 in das elterliche Unternehmen einstieg. „Ich hatte zunächst eine Ausbildung als Tischler gemacht und anschließend in einem Dammer Möbelwerk gearbeitet“, erzählt er. Seine Eltern Wilma und Reinhold Warning bewirtschafteten bis 1988 den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb an der Malgartener Straße. Dann entschlossen sie sich, die Landwirtschaft aufzugeben. Reinhold Warning begann für die Bramscher Firma Kotte Taxi zu fahren. Schon zwei Jahre später, am 1. Januar 1990, übernahm er die beiden Taxen seines Arbeitgebers und machte sich selbstständig.

Sowohl Reinhold Warning, als auch seine Frau Wilma machten die für das Gewerbe erforderliche Fach- und Sachkundeprüfung; beide erwarben einen Taxischein. Die ganze Familie zog mit, beide Schwestern von Ralf Warning fuhren für das neu gegründete Unternehmen und der spätere Chef kümmerte sich von Anfang an um die Pflege der Fahrzeuge. Für ihn war schnell klar, dass er das elterliche Unternehmen später gern übernehmen würde. Die Schwestern hatten daran kein Interesse. „Mich hat es von Anfang an gereizt, Unternehmer zu werden“, sagt Ralf Warning.

Unter der Woche waren die Taxen von morgens sechs bis abends halb elf im Einsatz, am Wochenende liefen sie rund um die Uhr. In Bramsche habe es damals wohl 15 Kneipen und Diskotheken gegeben, erinnert sich Warning, da hatten die Taxifahrer gut zu tun. Dennoch trennte sich Ende 1992 auch das Bramscher Busunternehmen Beckermann von seiner Taxisparte. Familie Warning übernahm vier Taxen und zwei Fahrer. Mittlerweile waren sieben Fahrzeuge für das junge Unternehmen im Einsatz. Abwechselnd mit Kollegen war Ralf Warning von Beginn an auch nachts unterwegs. Das sei anfangs schon ungewohnt gewesen, erzählt er: „Ich musste erst den richtigen Umgang mit den Leuten lernen. Zum Beispiel, dass man mit Betrunkenen besser nicht diskutiert, sondern ihnen nach dem Munde redet, um sie nicht unnötig aggressiv zu machen.“ Gar nicht so einfach sei es auch, Menschen nach Hause zu bringen, die sich ins Taxi setzen und sofort einschlafen; oder Leute die nicht mehr wissen wo sie wohnen.

Fluchtgeschichten

Der Arbeitsalltag eines Taxifahrers ist durch vielfältige Erlebnisse mit sehr unterschiedlichen Menschen geprägt. Manchmal wird es auf den oft kurzen Fahrten überraschend persönlich. „Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Fahrgäste mir gleich noch erzählen, wie viel Geld sie auf dem Konto haben“, sagt Wilma Warning lächelnd. Ihr Sohn erinnert sich an einige besondere Begebenheiten. Zum Beispiel an die Araber, die in Bramsche mit einem Taxi aus Belgien gestrandet waren. „Die hatten ein ganzes Bündel Banknoten dabei, bezahlten in bar und begannen mit der größten Selbstverständlichkeit im Auto zu essen“, erzählt er. Im letzten Jahr war er häufig zur Landesaufnahmestelle in Hesepe unterwegs. So bekam er manche Fluchtgeschichte zu hören, und erlebte verängstigte und traumatisierte Kinder. Das sei bedrückend gewesen, so Warning. Genauso wie das Schicksal einer Frau, die er zusammen mit ihren drei, in Decken gehüllten, Kindern zu einem Frauenhaus gefahren hat. Die meisten Kunden, die zu Ralf Warning und seinen Mitarbeitern ins Taxi steigen, kennt der 46-jährige aber schon länger und persönlich. „Wir fahren oft für Stammkunden“, sagt er: „Mit denen hat man viele schöne Erlebnisse im Alltag.“

Schattenseiten

Doch der Taxiunternehmer will auch die Schattenseite seines Gewerbes nicht verschweigen. In der nunmehr über 25-jährigen Geschichte des Unternehmens hatte die Familie Warning manchen Schicksalsschlag zu verkraften. Am Pfingstsonntag des Jahres 1995 wurde einer ihrer Fahrer ermordet. Danach war die Verunsicherung der Mitarbeiter groß, manch einer wollte erst einmal nicht mehr fahren. „Am schlimmsten war die Zeit, die verging, bis der Täter endlich gefasst wurde“, erinnert sich Wilma Warning. Im Jahr 2005 wurde eine Fahrerin des Unternehmens bedroht. Einen Überfall auf einen Fahrer gab es 2014. Zwar hätten die Fahrzeuge alle Alarmvorrichtungen, sagt Ralf Warning: „Letztlich kann man sich aber nicht vor solchen Dingen schützen.“

Auch geschäftlich gab es Rückschläge. So führte die Gesundheitsreform im Jahre 2004 zu einem dramatischen Einbruch des Geschäfts. Auf einen Schlag gab es viel weniger Krankenfahrten. Der Familienbetrieb verkleinerte die Fahrzeugflotte auf vier Taxen. „Solche Entscheidungen haben wir über all die Jahre immer gemeinsam getroffen“, so Warning: „Mein Vater war dabei immer der ruhende Pol. Er fehlt uns.“ Reinhold Warning ist Anfang Juli verstorben.

Veränderungen

Im Geschäft mit den Taxen gibt es immer wieder starke Veränderungen . Darauf muss Ralf Warning als Geschäftsführer die unternehmerisch richtigen Antworten finden. Sein kaufmännisches Wissen hat er sich über die Jahre selbst angeeignet. Seine Mutter Wilma, die ihn trotz ihrer 73 Jahre weiterhin in der Geschäftsführung unterstützt, ist gelernte Industriekauffrau. Sie zeichnet für die Buchführung verantwortlich. Warnings ältere Schwester Ute Gausmann arbeitet sich zurzeit in den Bereich ein. Die Arbeit der aktuell 17 Fahrer des Unternehmens koordiniert Ralf Warning unter anderem mithilfe einer Smartphone App. „Ich mache immer einen Wochenplan“, erklärt er: „Dabei orientiere ich mich an den Veranstaltungen, die auf dem Programm stehen.“ Neben dem üblichen Taxigeschäft übernimmt er auch Kurierfahrten und bringt Kunden mitten in der Nacht zum Flughafen.

Wenig Freizeit

Ralf Warning ist mit Überzeugung Unternehmer, schönreden will er seinen Arbeitsalltag aber nicht. Ihm bleibe wenig Freizeit, sagt er, pro Jahr mache er vielleicht eine Woche Urlaub. „Wir können den Laden nicht einfach für drei Wochen zu machen“, so Warning. Für Notfälle liegt sein Telefon auch nachts neben dem Bett. Warning will immer erreichbar sein. Für die Zukunft wünscht er sich, dass sich das Unternehmen weiter erfolgreich entwickelt. Und er würde sich gern wieder mehr Urlaub gönnen. Diesbezüglich ruhen seine Hoffnungen auf dem verstärkten Engagement seiner Schwester Ute im Familienunternehmen. Über Fragen der Unternehmensnachfolge macht-Ralf Warning sich noch keine Gedanken. Schmunzelnd erzählt er, dass sein Sohn Jannis seit seiner Kindheit ein Eisenbahnfan sei. „Er hat einen Führerschein, fährt aber lieber mit der Bahn.“


Das Bramscher Taxiunternehmen Warning wurde 1990 durch Wilma und Reinhold Warning gegründet. Seit 2001 firmiert das Unternehmen als GmbH. Ralf Warning, Sohn von Wilma und Reinhold, teilt sich seitdem die Aufgaben in der Geschäftsführung mit seiner Mutter. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 16 Fahrer und eine Fahrerin im Alter zwischen 20 und 65 Jahren in Teilzeit. Hinzu kommen Ralf Warning, seine Frau Kerstin und seine Schwester Ute Gausmann als Fahrer aus der Familie. Im Hauptberuf sind die Fahrer unter anderem Busfahrer, Schlosser oder Arbeiter. Teilweise beziehen sie auch schon Rente. Zur Fahrzeugflotte gehören drei Autos vom Typ Mercedes-Benz B-Klasse, ein Mercedes Citan, zwei VW Caddy und ein VW-Sharan. „Alle unsere Fahrzeuge sind weiß und nicht mit Werbung beklebt“, betont Ralf Warning. Elfenbeinfarbene Autos ließen sich schlecht weiterverkaufen. Die Taxen laufen bei Warning zwischen 250.000 und 300.000 Kilometer, bevor sie außer Dienst gehen. Die jährliche Fahrleistung liegt bei 60 bis 70.000 Kilometern. Seinen Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen zu je etwa 50 Prozent mit Krankenfahrten und Barzahlern. Firmenstandort ist der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb der Familie an der Malgartener Straße.

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