IG-Metall-Bevollmächtigter im Interview Soldanski: „Heyform-Führung muss die Hosen runterlassen“

Von Marcus Alwes

Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft: Stephan Soldanski. Foto: IG MetallErster Bevollmächtigter der Gewerkschaft: Stephan Soldanski. Foto: IG Metall

Bramsche. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall in der Region Osnabrück, Stephan Soldanski, hat den bei der Heyform Bramsche GmbH eingesetzten Sachwalter Lucas F. Flöther und die Geschäftsführung um Klaus-Magnus Junginger aufgefordert, „im Sinne der Mitarbeiter schnell für Klarheit zu sorgen“.

Im Interview mit unserer Redaktion verlangte der IG-Metall-Vertreter von der Unternehmensspitze, „zu sagen, ob und wie es angesichts vieler Fragezeichen weitergeht“. Der Automobilzulieferer Heyform hatte am Mittwoch, 30. November, beim Amtsgericht in Bersenbrück Insolvenz angemeldet .

Herr Soldanski, vor 24 Stunden haben Sie geäußert, Sie seien von diesem Insolvenzantrag überrascht und irritiert. Gilt das auch jetzt noch?

Soldanski: Ja, denn die entscheidenden Fragen sind ja noch nicht beantwortet. Warum lässt die Mutter – die Beteiligungsgesellschaft Dubag – ihre Tochter Heyform kurz vor Abschluss eines Konsolidierungsprozesses so fallen? Was wird nun aus den vorbereiteten Verlagerungen des einen Unternehmensteiles nach Rumänien und des anderen nach Bissendorf? Gibt es überhaupt ein „Weiter“ für die Heyform GmbH? Und welches Ziel verfolgt die Dubag eigentlich?

Sie haben uns berichtet, die Stimmung bei den rund 250 Heyform-Beschäftigten – Festangestellte und Leiharbeitskräfte – sei absolut im Keller. Wie wollen Sie diese wieder aufrichten?

Um hier eines gleich am Anfang glasklar zu sagen: Wir stehen an der Seite der Beschäftigten, wir kämpfen für deren Interessen. Diese sind zum Beispiel bei Heyform unlängst im Interessenausgleich und im Sozialplan sowie der Vereinbarung über eine Transfergesellschaft ausgehandelt und verbindlich festgeschrieben worden. Aber wir sind nicht diejenigen, die nun an erster Stelle für Klarheit sorgen müssen. Da sind stattdessen der eingesetzte Sachwalter Lucas F. Flöther und die Geschäftsführung um Klaus-Magnus Junginger gefordert. Eher heute als morgen müssen diese im Sinne der Mitarbeiter schnell für Klarheit sorgen. Die Beschäftigten wollen Antworten. Wie geht es mit den Gehältern und dem Insolvenzausfallgeld weiter? Wo wird künftig wie gearbeitet? Und wem gehört hier bei Heyform eigentlich noch was?

Haben Sie den Eindruck, dass die Belegschaft der Geschäftsführung noch vertraut?

Im Moment? Deutliche Antwort: Nein. Ich verstehe jeden Mitarbeiter, der nach den vergangenen Tagen Frust hat. Wir hatten einen Sozialplan, der zwar nicht zu Jubelsprüngen Anlass bot. Aber es gab immerhin eine schriftliche Vereinbarung. Ich kann der Unternehmensspitze und dem Sachwalter nur empfehlen, die Beschäftigten in den kommenden Monaten mitzunehmen und ihnen nicht auch noch die Chance auf eine Neuorientierung – zum Beispiel in einer Transfergesellschaft – zu nehmen. Sollte es anders kommen, wäre das eine Sauerei.

Die Volksseele unter den Beschäftigten kocht. Ihre offenbar auch…

Ja. Nach diesem Insolvenzantrag muss die Geschäftsführung – bildlich gesprochen – die Hosen runterlassen. Und sie soll nicht versuchen, die Belegschaft und die Gewerkschaft für dumm zu verkaufen. Die Beschäftigten haben ein moralisches Recht darauf, zum Beispiel zu erfahren, wo das Geld aus den Hallenverkäufen und aus den Maschinenverkäufen geblieben ist. Übrigens sind die Arbeitnehmer generell auch Gläubiger eines Unternehmens. Und ein Sachwalter hat die Interessen aller Gläubiger zu wahren. Also, bitte! Wir fordern die Heyform-Geschäftsführung auf, die noch bestehenden Chancen auf Beschäftigung zu nutzen. Hier in unserer Region. Zum Beispiel durch einen Teilerhalt der Produktion in neuen Räumen. So wie geplant in Bissendorf im „alten“ Solarlux-Komplex.

Sehen Sie denn dort genügend Arbeit?

Für einen Teil zumindest. So war es ja auch vereinbart. Aufträge für vorhandene und zukünftige Fertigung könnte man von dort bestens bedienen. Wenn die Geschäftsführung und die Dubag das aber nicht wollen, dann sollen sie es hier und jetzt klar sagen – und keine Gebilde aufbauen.

Sie sind ein erfahrener Gewerkschafter. Haben Sie eine vergleichbar schwierige Situation in einem Unternehmen rund um einen Insolvenzantrag schon einmal erlebt?

Vielleicht bei Karmann in Osnabrück. Aber das war auf eine andere Art und Weise komplex. Mit Blick auf Heyform muss ich sagen. In dieser Form und mit diesen unzähligen Fragezeichen ist das auch neu für mich.