BN-Adventsserie: Angekommen Engländer wird zum Bramscher aus Überzeugung

Bramsche hat sich toll entwickelt, findet Paul Barron. Foto: Heiner BeinkeBramsche hat sich toll entwickelt, findet Paul Barron. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Sie leben in Bramsche, Neuenkirchen-Vörden, Rieste. Manche seit Jahrzehnten, andere erst seit ein paar Monaten. Sie sind geflohen oder haben Arbeit gesucht und manchmal auch die große Liebe gefunden. Die BN-Adventsserie „Angekommen“ beschreibt moderne Herbergssuchen. Heute: Paul Barron aus England.

Einem Zufall ist es zu verdanken, dass Paul Barron in Bramsche gelandet ist. Oder, genauer, der Hartnäckigkeit eines Architekten. Barron suchte damals ein Baugrundstück und war nach eigenen Worten „total auf Osnabrück fixiert“. Doch der Architekt pries ihn immer wieder ein Grundstück in Bramsche an der Neißestraße an. „Der ließ nicht locker, obwohl ich eigentlich auf keinen Fall nach Bramsche wollte“, erinnert sich der Engländer. Insbesondere die Innenstadt dort fand er furchtbar: „Alles grau, und dann auch noch die Bundesstraße mitten im Ort“, erinnert an die Zeit vor dem Bau der Umgehungsstraße. Doch schließlich willigte er ein und nahm das Grundstück in Augenschein. „Ziemlich idyllisch“, fand er und schlug schließlich ein. „Ich habe es nie bereut“ sagt er heute, fast 40 Jahre später. Da ist aus Paul Barron ein Bramscher aus Überzeugung geworden.

Mit 15 Abschied vom Elternhaus

Geboren in einem Fischerdörfchen in Sommerset und aufgewachsen in Devon, beschließt der 15-jährige Paul Barron, dem Elternhaus und einer schwierigen Kindheit den Rücken zu kehren und die große, weite Welt kennenzulernen - als Soldat in der britischen Armee. Über Münster und Bahrein landet er schließlich 1970 bei der Rheinarmee in Osnabrück . Er bekommt eine kaufmännische Ausbildung, kauft sich vom weiteren Militärdienst in Uniform frei und arbeitet bei der britischen Verwaltungsbehörde in Osnabrück.

Kasernen als Leidenschaft

Ein Jahr dort Erfahrungen sammeln „und dann losziehen, die Millionen einzusammeln“, das sei der Plan gewesen, erzählt Barron mit britischem Sinn für Humor. Doch immer wieder seien Beförderungen und reizvolle Aufgaben dazwischen gekommen. Und so blieb er bei der Behörde bis zu deren Auflösung beim Abzug der Armee. Der verschaffte ihm die letzte große berufliche Aufgabe seiner Laufbahn: die Konversion , die Übertragung der ehemals britischen Kasernengebäude an die Stadt Osnabrück und die Umwandlung in zivile Nutzungen. Im August 2015 wird Paul Barron pensioniert. Die Kasernen sind seine Leidenschaft geblieben .

Engagement in Politik und Vereinen

In seinem Wohnort Bramsche verfolgt er aufmerksam das kommunalpolitische Geschehen. Anfang der 80er Jahre arbeitet er mit im CDU-Landesfachausschuss Sicherheit. Nicht nur deshalb beeindruckt ihn in Bramsche die politische Arbeit von Günter Kemp und Hermann Schnuck für die CDU: „Die haben sich richtig reingekniet“. Aus dem Mutterland der Demokratie hat er die Erkenntnis verinnerlicht, dass es nie gut ist, wenn eine Partei über Jahrzehnte die Mehrheit hat. „Das passiert jeder Partei, dass sie dann selbstherrlich wird“, ist er überzeugt. Er selbst engagiert sich von 2001 bis 2006 im Bramscher Ortsrat .

Über seine drei Kinder entstehen weitere Kontakte und Aufgaben. So engagiert sich Barron über Jahre im Förderkreis Schachjugend, der er zusammen mit Jörg Stock und Joachim Dadaniak aus der Traufe hebt. „Da waren wir jedes Wochenende quer durch Deutschland unterwegs“, erinnert sich. Hinter den vielen Erfolgen steht harte, ehrenamtliche Arbeit: „Diese Jugendarbeit lohnt sich sehr, sie fordert aber auch viel Kraft“, lautet sein Fazit. Auch im Gesamtvorstand des TuS Bramsche und im Schulelternrat des Gymnasiums engagiert er sich.

Heute ist Paul Barron geschieden und lebt in der Bramscher Innenstadt. Die findet er überhaupt nicht mehr hässlich, im Gegenteil: „Bramsche hat sich ganz toll entwickelt, die Innenstadt kann man gar nicht mehr vergleichen mit der von 1979“, findet er. Seine Kinder hätten sich hier „höchstwahrscheinlich besser als in Osnabrück“ entwickeln können. Jedenfalls scheint Bramsche auch ihnen zu gefallen, denn sein jüngster Sohn Patrick und seine Tochter Vanessa leben ebenfalls hier. Eine bewusste Entscheidung sei das, sehr zur Freude ihres Vaters, der inzwischen auch Großvater ist. Er sei „leidenschaftliche Babysitter“, sagt Paul Barron, der keinen Moment überlegen muss: „Bramsche ist definitiv meine Heimat geworden“.


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