„Frage des Schulfriedens“ Streit im Bramscher Ausschuss um Elternbefragung

Lernen unter einem Dach - das soll auch in Bramsche Ziel der Oberschule sein. BN-Symbolfoto: Daniel Bockwoldt/dpaLernen unter einem Dach - das soll auch in Bramsche Ziel der Oberschule sein. BN-Symbolfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

Bramsche. Kann eine neue Oberschule für Bramsche schulzweigbezogen an den Start gehen oder nicht, und wenn nein, wie wird dann dem Elternwillen Rechnung getragen. Diese Frage dominierte weite Teile der Debatte im Schulausschuss, an deren Ende schließlich ein Votum pro Oberschule und kontra Elternbefragung stand.

Anlass der Kontroverse waren ein Antrag der Grünen-Ratsfraktion auf eine Elternbefragung zur Oberschule und ein Kurzreferat der zuständigen Dezernentin aus der Landesschulbehörde, Martina Westerkamp. Grundprinzip einer Oberschule seien Durchlässigkeit und gemeinsames Lernen bei gleichzeitiger leistungsgebundener Differenzierung. Schüler müssten bei einem Wechsel zwischen den Stufen nicht mehr die Schule verlassen, der Makel des „Abgeschultwerdens“ bleibe ihnen erspart. Ansonsten könnten an einer Oberschule alle Abschlüsse des Sek-1-Bereichs erworben werden, genau wie an Haupt- und Realschule. Der Erlass über die Einrichtung einer solchen „Schule unter einem Dach“ biete viel Spielraum. Oberschulen könnten „schulzweigbezogen geführt werden“, wie in Bramsche von der Verwaltung angeregt, oder aber jahrgangsbezogen. Dabei werde erst nach einer gewissen Zeit gemeinsamen Unterrichts leistungsbezogen differenziert. Die Entscheidung hierüber liege allerdings nicht bei der Poiitik, sondern allein bei der Schule, beziehungsweise bei der Planungsgruppe, die das Konzept für eine neue Schule erarbeiten müsse. Schulzweigbezogen werde ihrer Erfahrung nach in erster Linie in Schulen mit eigener Oberstufe gearbeitet.

Dagmar Völkmann (CDU) gab zu bedenken, die Schülerzahlen in Bramsche könnten für die vorgeschlagene schulzweigbezogene Oberschule nicht ausreichen.“ Bei 63 Realschülern und vielleicht zwölf Hauptschülern - wie soll das dann gehen ?“ Wenn in der Eingangsphase jahrgangsbezogen angemeldet werde, entscheide später die Schule über die Einstufung der Kinder. Die Eltern seien dann außen vor .Ihre Fraktionskollegin Imke Märkl spitzte zu: „Der Elternwille gilt nur am allerersten Tag. Ab dem zweiten Tag haben die Eltern nichts mehr zu sagen.“

Westerkamp räumte ein, es sei „sicher nicht sinnvoll“, eine kleine und zwei Riesenklassen“ zu bilden. Es werde nach pädagogischen Gesichtspunkten entschieden, „aber sicher nicht am zweiten Tag“.

Dieter Sieksmeyer (Grüne) zeigte sich erstaunt über die Auskünfte aus der Landesschulbehörde. „Man hatte die Vorstellung, dass man sein Kind gleich für den Realschul- oder den Hauptschulzweig anmelden kann und „jetzt erfahre ich, dass das gar nicht geht“, sagte er unter Beifall aus dem Publikum. Um so wichtiger sei die von den Grünen beantragte Elternbefragung. An den Stadtelternrat gewandt, der sich mit großer Mehrheit pro Oberschule positioniert hatte, äußerte er die Vermutung, die Entscheidung sei in Unkenntnis der Faktenlage gefallen. Sieksmeyer kritisierte außerdem, dass dem Stadtelternrat der Antrag der Grünen nicht vorgelegen habe. Im Rathaus sei das mit einer „internen Kommunikationspanne“ begründet worden.

Den Vorschlag von Annegret Christ-Schneider (SPD), den Antrag auf eine Elternbefragung zurückzuziehen, um eine Entscheidung nicht noch weiter hinauszuzögern, lehnte Sieksmeyer ab: Er erwarte „von den Verantwortlichen in Bramsche genau das, was der Landkreis zur IGS auch gemacht ha t“. Das sei „eine Frage des schulpolitischen Friedens“ in Bramsche. Sieksmeyer weiter: „Wollen wir denn mit Einstimmenmehrheit in Bramsche das Ende der Realschule beschließen?

Elternvertreterin Daniela Heise-Görtemöller wies darauf hin, das Thema Elternbefragung sei im STER ausführlich diskutiert worden, „auch ohne den Antrag“. Christ-Schneider forderte, das Votum des Stadtelternrats als das der gewählten Vertreter der Elternschaft zu respektieren. „Wenn wir jetzt nicht entscheiden, werden die Schülerzahlen weiter einbrechen“ prognostizierte sie. Die Sozialdemoraten hätten bereits in der Gründungsphase der IGS eine Oberschule gefordert. Anträge zur Prüfung der Sachlage und das Angebot eines Arbeitskreises zur Schulstruktur seien bei CDU, FDP und Grünen allerdings immer auf Ablehnung gestoßen.

Hauptschulleiterin Sandra Castrup hatte zuvor mit den Worten „Jedes Jahr, was wir warten macht alle noch unsicherer“ vehement auf eine schnelle Entscheidung gedrängt. „Haupt- und Realschule fahren gute Konzepte. Wir sollten erhalten, was an guter Arbeit da ist und aus beiden Schulen eine gute Schule für alle machen“.

„Wir brauchen Gewissheit“, sagte auch Schulleiterin Barbara Otte-Becker von der Realschule, fügte aber hinzu: „Wir sind nicht vom Aussterben bedroht. Wir gehen von einer stabilen Dreizügigkeit aus“.


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