Der Meister des Ungesagten Volles Haus bei Piet Klocke im Bramscher Universum

Von Holger Schulze

Ein Meister unvorhersehbarer Pointen und strukturbefreiter Kreativität: Piet Klocke im Bramscher Universum. Foto: Holger SchulzeEin Meister unvorhersehbarer Pointen und strukturbefreiter Kreativität: Piet Klocke im Bramscher Universum. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Ein paar dazu gestellte Stühle im Gang waren am Dienstabend nötig, als Piet Klocke im Universum auftrat. Der Komiker verhalf dem Kino Universum zu einem vollen Haus. „Kühe grasen nicht, sie sprechen mit der Erde“ hieß sein Programm.

Piet Klocke fing an, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Kurze Sätze. Eingesparte Satzenden. Ein paar gewollte Versprecher. Auch gestelzte Phrasen mit etlichen Fremdworten vorneweg und einem dann lapidaren Satzende gehörten dazu. Piet Klocke wusste bei seinem zweiten Auftritt in Bramsche schnell das Publikum zu erheitern.

Der Komödiant bot zunächst den Seminarleiter, der „B-Zensuren“ verteilte oder auch nicht. Sein eigentliches Programm bestand darin, Auszüge aus seinen Büchern zu verlesen.

„Ich fang mal an, Frauen.“ Dann eine Kunstpause. Schon solche Satzanfänge lösten bereits Lacher beim Publikum aus. „Die armen Wesen mit dem Schlitz. Feuchtes brennt bekanntlich nicht gut. Die Frauen kann man nicht trockenlegen“. Was sich wie eine eher trockene Zotenansammlung schlichterer Qualität liest, wurde im Zusammenspiel mit der Mimik sowie der Vortragscharakteristik des Unterhalters schließlich doch zu Reizsätzen für die Lachmuskulatur.

Ein weiterer Auszug aus der Lesung von Piet Klocke gefällig? „Dieses Buch, das hat mich gewundert, hat einen Titel und ist in 12 Ländern bereits verboten. Inhalt: Selbstmord bei Tieren“.

Der Meister des Ungesagten

Der Entertainer ist ein Meister der Wortverdrehungen, des Ungesagten, des Verschluckten, ein Philosoph der Belanglosigkeiten. Onlinebanking und Tschernobyl, sie haben bei Piet Klocke locker in einem Halbsatz Platz.

Piet Klocke scheute keinerlei Aneinanderreihung von Absurditäten. Filmegucken auf Youtube und „Wlancholische Rhapsodie“. Der„viermalige Doppelklick auf diese Brasilianerin“. „Silikon Valley“ gefolgt von einem Praktikum bei Lagerfeld. Totalüberwachung durch die amerikanische Firma „Doubleclick“ oder die „tote Hose aufgrund lediglich drei verbliebener Synapsen“, es gab genügend Beispiele für den sprunghaften Humor des Entertainers.

Sinnbefreite Kreativität

„Die Zusammenhänge überblicken Sie sowieso nicht. Aber wie diese Einfälle konstruiert sind, das ist schon ganz schön“. Mit eben dieser Feststellung definierte Piet Klocke mal kurz im Nebensatz die Zugangsmöglichkeit zum Sinngehalt seiner Vorstellung.

Wie man von einem Schweizer Extremharfinist, gefolgt vom Thema „Echsenverfolgung“, zur Einfühlungsvermögenssteuer für Männer.gelangen kann, ohne dass dies als Schwachsinn empfunden, sondern aus Unterhaltung erlebt wird, das ist das erfolgsbegründende Betriebsgeheimnis von Piet Klocke. Seine ab und zu ellenlangen Wortgebilde zeugen mehr von sinnbefreiter Kreativität, anstelle sich an dem Bemühen um Nachvollziehbarkeit oder gar einem schlüssigen roten Gesamtfaden des Gesagten abzuarbeiten.

Piet Klocke ist ein Intellektueller, der sich nicht primär der Notwendigkeit unterordnet, von seinem Publikum detailliert verstanden zu werden. Die Verknüpfungsfähigkeit von Nonsens mit einer den zweiten Blick erfordernden Klugheit, das ist die Kunst, mit der Piet Klocke unterhält.

Monologe in Halbsätzen

Er benötigt keine Geschichten, deren Mittelteil sich aus dem Anfang ergibt und das Ende eine Folge des Davorgewesenen darstellt. Die Inhalte seiner Vorstellung beschreiben zu wollen kommt dem Versuch nahe, ein Mosaik anhand einer Auswahl von Einzelteilen interpretieren zu wollen, noch bevor diese zusammengefügt sind.

Ein professioneller Improvisator von Halbsätzen und Monologen saß da am Dienstabend auf der Bühne. Seine Systematik bestand aus scheinbarer Willkür, aus gewolltem Durcheinander, auch aus Worthülsen gepaart mit Scharfsinnigkeiten.

Insgesamt war es eine Vorstellung ohne jede Chance, auch nur eine einzige Pointe vorherzusehen. Die jedoch gab es umso reichlicher.