BN-Serie: Angekommen Bernhard Leisenheimer: Aus den USA nach Rieste

Von Ilona Uphaus

Für Pater Bernhard Leisenheimer und seine Mitchristen spielt Licht in der Adventszeit eine große Rolle. Foto: Ilona UphausFür Pater Bernhard Leisenheimer und seine Mitchristen spielt Licht in der Adventszeit eine große Rolle. Foto: Ilona Uphaus

Rieste. Sie leben in Bramsche, Neuenkirchen-Vörden, Rieste. Manche seit Jahrzehnten, andere erst seit ein paar Monaten. Sie kommen aus Portugal, den Niederlanden oder Syrien, sind vor Krieg und Verfolgung geflohen oder haben Arbeit gesucht und manchmal auch die große Liebe gefunden. Die BN-Adventsserie „Angekommen“ beschreibt moderne Herbergssuchen: Heute: Pater Bernhard Leisenheimer OSC.

Ein kaum hörbarer Akzent und ein deutsch klingender Name - Pater Bernhard Leisenheimer ist gebürtiger US-Amerikaner mit deutschen Vorfahren. Er wohnt seit mehr als 40 Jahren in Deutschland und ist Kreuzbruder, d. h. er gehört zum Orden des Heiligen Kreuzes - Ordo sanctae crucis (OSC).

Der 67-Jährige lebt als Hausgeistlicher seit Anfang 2001 im Dominikanerinnen-Kloster Zum gekreuzigten Erlöser. Er kam nur einen Monat später als die Ordensschwestern nach Lage und fungiert als geistlicher Begleiter von Priestern und Ordensleuten. Bis zum Oktober dieses Jahres arbeitete er auch im Caritasverband. Mitglied der Diözesan-Kunstkommission ist er ebenfalls, denn er hat neben Theologie und Philosophie auch Kunst studiert.

Im mittleren Westen der USA, in Minnesota, ist der Pater 1949 geboren. Der Bundesstaat, in dem der Mississippi entspringt, ist fast so groß wie die alte Bundesrepublik. Viele Deutschstämmige leben dort , erzählt er, dessen Großvater 1854 auswanderte. Leisenheimers Vater war Automechaniker, der seine Frau in New York City kennenlernte. Als Ältester von 13 Kindern wuchs Bernhard Leisenheimer auf, was damals keine Ausnahme gewesen sei. Bereits in der Volksschulzeit bis zum 8. Schuljahr entstand in ihm der Wunsch, Priester zu werden, wie viele in seiner Verwandtschaft vor ihm. „Der Abstand zwischen Klerus und den Leuten war nicht so groß wie hier“, erklärt der Pater seine „große Vertrautheit“ mit dem katholischen Glauben. „Wir gingen mit dem Pastor zum Bolzplatz“, erzählt er. Der Besuch des Internats des Ordens der Kreuzbrüder war da folgerichtig.

Lehrer mit Leib und Seele

Das Noviziat sei eine „Prüfung auf Gegenseitigkeit“ gewesen, betont Leisenheimer. Mit der zeitlichen Profess – der vorläufigen Bindung - folgten weitere Studiengänge auf Lehramt. „Ich war immer mit Leib und Seele Lehrer“, berichtet der Pater, der damals erstmals erwirkt, Kunst studieren zu dürfen, an einer katholischen wie auch an lutherischen Universitäten. Gearbeitet habe er dann an einer Schule mit zum Teil schwer erziehbaren Kindern – Reich und Arm zusammen, Südamerikaner, Asiaten, Afrikaner – ein „Mikrokosmos“, bunt gemischt, „eine große Herausforderung“, die aber „sehr viel Spaß“ gemacht habe, so der Pater. Beim Tod des Bürgerrechtlers Martin Luther King habe seine Schule „noch in derselben Nacht“ beschlossen, sofort prozentual so viele schwarze Kinder aufzunehmen, wie es der Bevölkerungszahl entsprach. Das Schulgeld habe man „erbettelt“, erzählt er weiter.

Im Sommer 1974 wurde Bernhard Leisenheimer „für vier Jahre ausgeliehen“ in die deutsche Ordensprovinz und nach Ehrenstein im Westerwald versetzt, wo er unter anderem 12 Jahre als Novizenmeister wirkte. Aus verschiedenen Gründen verlängerte sich sein Aufenthalt in Deutschland, bis er 1981 zum Priester geweiht und „voll und ganz Mitglied der Europäischen Provinz“ wurde, ein Bezirk des Kreuzbrüder-Ordens, zu dem heute die Niederlande, Belgien und Deutschland gehören. 12 Jahre leitete er als Prior den Konvent. 1997 musste das Haus wegen Nachwuchsmangels geschlossen werden, so dass es Leisenheimer nach Ostfriesland verschlug.

800 Jahre alte Predigten

1989 sei für ihn übrigens „auch eine Wende“ gewesen. Er erwarb die deutsche Staatsbürgerschaft. „Das hätte ich aber spätestens jetzt getan“, sagt er im Hinblick auf das Ergebnis der jüngsten US-Wahl . Er nimmt kein Blatt vor den Mund. „Alles was die USA bedeutet, sind sie durch Flüchtlinge geworden“, stellt er fest. Der vielseitig interessierte Pater „genießt“ zurzeit die mehr als 800 Jahre alten Predigten des Zisterziensers Guerric von Igny, die er als erstaunlich modern empfinde.

Bernhard Leisenheimer meint, man solle im Advent „keine Idylle feiern“ und „Aldi &Co-Frömmigkeit“ zelebrieren, sondern herauskommen „aus dem üblichen Trott“. „Entscheidend ist, dass Gott in uns geboren wird“, betont er und freut sich, dass immer mehr Menschen den Weg zum Gottesdienst im Kloster finden.

Die Adventszeit mit vielen Gottesdiensten sei zwar anstrengend, er möchte sie aber nicht missen. Das Licht habe eine große Bedeutung in dieser Zeit. Bernhard Leisenheimer erzählt von der „Goldenen Messe“, die nur bei Kerzenschein stattfinde. Ein festliches Abendessen mit Beisammensein gebe es für die Ordensgemeinschaft am Heiligabend auch. Pute stehe dabei häufiger auf dem weihnachtlichen Speiseplan, seit er vor Jahren eine Pute zum Fest geschenkt bekam: deutscher Puter mit Wildreis aus Minnesota gefüllt, den seine Geschwister schickten.


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