„Schlatsburg“ als Kulturzentrum Islamische Gemeinde kauft Bramscher Gasthof


Bramsche. Die alteingesessene türkisch-islamische Gemeinde Bramsche e.V. hat den leer stehenden Gasthof „Schlatsburg“ gekauft. Hier soll ein offenes Kulturzentrum als Begegnungsstätte für alle Bramscher entstehen.

Einig waren sich Werner Schütte als Besitzer der traditionsreichen Gaststätte und Ahmet Irmak als Vorsitzender der Gemeinde schon länger. Aber erst in dieser Woche kam die Genehmigung der Nutzungsänderung durch den Landkreis Osnabrück. Damit war der Handel perfekt. „Das Geld ist überwiesen“, sagte Irmak am Freitag beim Ortstermin, zu dem neben Werner Schütte auch sein Cousin Hans-Georg Klußmann gekommen war. Als Nachbar der „Schlatsburg“ ist Klußmann für die neuen Besitzer eine wertvolle Hilfe bei allen Fragen, die die Immobilie betreffen.

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„Jeder kann kommen“

„Wir wollen da keine Moschee mit Minarett und sonst etwas bauen“, stellte der Gemeindevorsitzende gleich klar. Natürlich werde es einen Gebetsraum geben, aber im Mittelpunkt solle die Begegnung stehen. „Das ist ganz offen, da kann jeder kommen“. Im Frühjahr ist ein großer Tag der offenen Tür geplant, mit dem die Gemeinde ihr neues Zuhause allen Bramschern vorstellen will. Der Begriff Moschee sei nur in sofern zutreffend, als damit jede Art von Gebetsraum gemeint ist.

1982 wurde der Verein gegründet, der lange Zeit Räume am ehemaligen „K+K“-Standort an der Maschstraße (heute Telepoint) genutzt hatte. Als das alte Gebäude abgerissen wurde, begann eine schwierige Zeit für die Gemeinde, die vorübergehend am Lutterplatz unterkam und zuletzt Räume im alten Schulgebäude an der Jägerstraße genutzt hatte.

„Wir sind seit 14 Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Haus, das wir kaufen können“, erzählt Ahmet Irmak. Der Bramscher Wirtschaftsförderer Klaus Sandhaus vermittelte schließlich den Kontakt zu Schütte und dessen Maklerin Heike Tschörtner. Als sich eine Einigung abzeichnete, informierte Irmak die Mitglieder. „Wir brauchen 40 Prozent Eigenkapital für den Kredit“, erläutert der Vorsitzende. Das Geld brachten allein die Mitglieder zusammen. „Wir haben niemanden, von dem wir etwas bekommen“, stellt Irmak klar.

Für Verkäufer Werner Schütte wäre eigentlich ein Gastronom erste Wahl gewesen, der die 150-jährige Tradition des Gasthofs „Schlatsburg“ weiterführt. „Aber was soll man machen, wenn niemand will“, verweist Schütte auf die mangelnde Nachfrage. „Dass viele Bramscher darauf gehofft haben, dass ein gastronomischer Betrieb weitergeführt wird, ist uns bewusst gewesen“, schrieb Maklerin Heike Tschörtner zur Übergabe. „Es hat sich aber trotz umfangreicher Termine und Gespräche mit Gastronomen aus dem Umland keiner der Bewerber der Aufgabe stellen wollen oder können“. Dennoch könne Bramsche sich freuen, ist sich Tschörtner sicher: „Die vielen in Bramsche tief verwurzelten Gemeindemitglieder werden aus dem Besitz Bramscher Allee 111 eine Begegnungsstätte machen, die jedem Interessierten einen Einblick erlaubt“.

Im Moment ist die Gemeinde noch damit beschäftigt, sich im neuen Domizil einzurichten. Für Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer werde es hier ausreichend Platz geben, freut sich Irmak. Größere bauliche Veränderungen sind vorläufig nicht geplant: „Dazu fehlt uns allein schon das Geld“, meint der Vorsitzende. Nach langen Jahren der Provisorien bietet der ehemalige Gasthof auch so schon mehr als genug Entfaltungsmöglichkeiten.


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