Tango Nuevo mit dem Ensemble 87 Extra-Applaus beim Kornmühlen-Konzert in Bramsche

Die sechs jungen Musiker versprühten in der Kornmühle genau die Leidenschaft, die man mit dem Tango Astor Piazzollas verbindet. Foto: Sascha KnapekDie sechs jungen Musiker versprühten in der Kornmühle genau die Leidenschaft, die man mit dem Tango Astor Piazzollas verbindet. Foto: Sascha Knapek

Bramsche. In der ausverkauften Kornmühle des Bramscher Tuchmacher-Museums begeisterte das Ensemble 87 mit Tango-Nuevo-Klängen, die gerade wegen der instrumentalen Zusammensetzung der auftretenden Formation besonders waren. Ein Akkordeon, ein Klavier und vier Saxofone verliehen dem an musikalischen Stimmungen reichen Abend eine ganz spezielle Atmosphäre.

Den Fokus legten Sergey Markin (Klavier), Krisztián Palágy (Akkordeon) und das aus den vier Saxofonisten Benjamin Reichel, Lukas Stappenbeck, Adrian Durm und Anže Rupnik bestehende Xenon-Quartett auf den Begründer des Tango Nuevo, Astor Piazzolla. Der Argentinier (1921-1992) entwickelte den klassischen Tango durch die Zuhilfenahme populärmusikalischer Einflüsse weiter und tauchte beim Konzert des Kölner Sextetts diverse Male auf.

Piazzollas Vierjahreszeiten

Gerade die Eckpfeiler des Programms, Piazzollas Vierjahreszeiten, fungierten dabei als musikalische Orientierungspunkte, anhand derer sich ein eindrucksvoller Stimmungsbogen entfalten konnte. Ein Höhepunkt war dabei Astor Piazzollas „Adiós Nonino“, das dieser für die Beerdigung seines Vaters geschrieben hatte und das die sechs Musiker mit der nötigen Portion Melancholie vortrugen.

Die vielen Gesichter des Tango Nuevo kamen außerdem bei Piazzollas „Contrabajisimo“ hervorragend zur Geltung. Das einleitende Kontrabasssolo übernahm hierbei Saxofonist Benjamin Reichel. Ein origineller Einfall, der sich durch das zwischen tobender Leidenschaft und zerbrechlicher Trübsal hin- und herpendelnde Stück zog. Eine Komposition und eine Darbietung, die alles abdeckt, was den Tango Nuevo ausmachen kann.

Jeder auch Solist

Jeder der sechs Musiker kam im Verlauf des Abends auch als Solist zur Geltung. Während Sergey Markin am Klavier ein Stück von Alberto Ginastera zum Besten gab, widmete sich das Xenon-Quartett – selbstverständlich – dem Tango-Nuevo-Großmeister Astor Piazzolla. Bei „Four, for Tango“ der vier Saxofonisten war der Titel ebenso Programm wie bei Krisztián Palágys Interpretation einer aus der Feder von Vladimir Zubitsky stammenden Piazzolla-Hommage.

Der unbeschwerte Spaß und die mit Körpereinsatz vorgetragenen Leidenschaft, die der Mann am Akkordeon – und eben nicht am Piazzolla-Bandoneon – versprühte, übertrugen sich in Sekundenschnelle auf das begeisterte Kornmühlen-Publikum. Dafür erntete Palágy, wie seine Mitstreiter bei deren Soloeinlagen, verdienten Extra-Applaus.


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