BN-Serie: Trauer und Gedenken „Einfach mal reden“ im Bramscher Trauercafé

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Ein Bild, eine Kerze und ein Teelicht für jeden Verstorbenen - so wird der Tisch für das Trauercafé eingedeckt, von links Trauerbegleiterin Kerstin Kohne und Grit Beimdiek, die stellvertretende Vorsitzende des Hospizvereins. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeEin Bild, eine Kerze und ein Teelicht für jeden Verstorbenen - so wird der Tisch für das Trauercafé eingedeckt, von links Trauerbegleiterin Kerstin Kohne und Grit Beimdiek, die stellvertretende Vorsitzende des Hospizvereins. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. November - auch in Bramsche ist er der Monat des Gedenkens an die Verstorbenen und des Nachdenkens über den Umgang mit Tod und Trauer. In einer Themenwoche berichten wir unter anderem über Friedhöfe, den Wandel der Bestattungskultur oder Treffs für Trauernde. Teil 3: Einfach mal reden - Trauertreff und Trauercafé.

Im Gemeindehaus der St. Johannis-Kirchengemeinde in der Gartenstadt ist ein großer Tisch eingedeckt. In der Mitte eine große verzierte Kerze, ein Bild, das Aufbruch und Abschied zugleich symbolisiert, neben jedem Kaffeegedeck ein Teelicht. Jedes Licht steht für einen Menschen, den die Teilnehmer am Trauercafé „Wege“ vor Kurzem oder schon vor längerer Zeit durch den Tod verloren haben. „Zu Beginn des Treffens zünden die Teilnehmer das Teelicht an, zum Zeichen, dass die verstorbenen dabei und nicht vergessen sind. Dann sagt jeder, um wen er trauert“, erläutert Kerstin Kohne, die das Angebot des Bramscher Hospizvereins gemeinsam mit Tania Schmidt und Helga Wanning leitet. „Ich selbst zünde auch eine Kerze an“, fährt die gelernte Kinderkrankenschwester fort. „Mein Vater ist zwar schon vor 21 Jahren gestorben. Aber um ihn trauere ich immer noch“. Verlust ist keine Frage der Zeit. Wenn nach eineinhalb Stunden das Treffen vorbei ist, wird die Kerze ausgepustet. „Zum Zeichen, dass wir den Verstorbenen jetzt loslassen“, sagt Kohne.

Sterben aus der Tabuzone holen

Unter dem Dach des Bramscher Hospizvereins laden die drei ausgebildeten Trauerbegleiterinnen in regelmäßigen Abständen Menschen, die Nahestehende durch den Tod verloren haben, zum Gespräch ein. Vormittags ins Gemeindehaus St. Johannis oder abends ins Frieda-Lohr-Haus der Awo an der Moselstraße. „ Wir wollen das Sterben und den Tod aus der Tabuzone herausholen und Menschen einen Ort geben, wo sie trauern und einfach mal reden können“, meint Kohne. „Immer wieder berichten Trauernde, dass Bekannte die Straßenseite wechseln, wenn sie ihnen begegnen. Oder sie werden von ihrer Umgebung aufgefordert, sich endlich zusammenzureißen“. Im Trauercafé dürfen Emotionen ihren Raum haben. Auch die Wut, verlassen worden zu sein. „Viele Menschen denken, das darf nicht sein. Aber es ist normal“, sagt Kohne.

Trauerjahr und Witwen-Schwarz

Fünf Menschen haben sich zum ersten Trauercafé eingefunden. „Das ist sehr gut. Viel größer darf eine Gruppe auch nicht sein, wenn man wirklich miteinander sprechen will. Gruppen wie unsere haben ihre Berechtigung, weil in letzter Zeit so viele Strukturen weggebrochen sind“, erklärt die Wallenhorsterin. Die Familien werden kleiner. Wo früher noch Nachbarn den Sarg trugen, für einen Kranz sammelten und dann geschlossen zur Beerdigung kamen, „sind heute manchmal nur fünf Leute bei einer Beisetzung“ . Früher trug die Witwe ein Jahr lang schwarz als Zeichen der Trauer. „Das signalisierte auch nach außen:‘Hier braucht jemand noch eine Schonfrist‘ und gleichzeitig ‚Anschließend geht das Leben weiter‘“, sagt Kohne.

„Von Ende 30 bis über 70“

Altersmäßig sind die Gruppen gemischt - von Ende 30 bis über 70. „Kann ich da überhaupt kommen. Da sind ja sicher nur alte Leute“, erinnert sich Kohne an die Frage einer jungen Frau. „Sicher“ , hat die Trauerbegleiterin geantwortet. Junge Menschen haben ihren Partner verloren, Eltern ein Kind, Mütter hatten eine Fehlgeburt. Trauer ist keine Altersfrage. Genauwenig, wie es Fristen gibt, wielange getrauert werden kann. „Trauerarbeit kann Jahre dauern. Trauer hört nicht auf. Sie wandelt sich, damit man damit umgehen kann“, erklärt sie.

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür. Verlust und Leere werden an „solchen Tagen“ als besonders schmerzhaft empfunden, weiß Kohne. In ihrer Ausbildung haben die Trauerbegleiterinnen Rituale gelernt.. „Man kann vielleicht einen Ast vom Tannenbaum abschneiden und auf den Friedhof bringen“. Trauer kann viele Wege gehen. Der Name des Trauercafés ist Programm.


Das Trauercafé „Wege“ findet jeden dritten Dienstag im Monat von 10 bis 11.30 Uhr im Gemeindehaus St. Johannis in der Gartenstadt statt, der Trauertreff am Abend „Wege finden“ jeweils an jedem zweiten Dienstag in ungeraden Monaten von 19.30 bis 21 Uhr im Frieda-Lohr-Haus an der Moselstraße. Außerdem wird im Frühjahr und im Herbst unter dem Namen „Wege suchen“ ein geschlossener Trauerkreis über sechs Wochen angeboten, der sich ebenfalls im Frieda-Lohr-Haus 14-tägig von 18.30 bis 20 Uhr trifft. Kontakt: Kerstin Kohne, Tel. 05407/2583; Tanja Schmidt, Tel. 05407/2919.

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