BN-Serie: Trauer und Gedenken Kommunal oder kirchlich: Bramsches Friedhöfe

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Bramsche. November - auch in Bramsche ist er der Monat des Gedenkens an die Verstorbenen und des Nachdenkens über den Umgang mit Tod und Trauer. In einer Themenwoche berichten wir unter anderem über Friedhöfe, den Wandel der Bestattungskultur oder Treffs für Trauernde. Teil 1. Die Stadt Bramsche und ihre Friedhöfe.

In Deutschland besteht Bestattungspflicht. Ob nun konventionelle Erdbestattung, Feuerbestattung oder nach den speziellen Riten anderer Glaubensgemeinschaften - niemand darf die lieben Verstorbenen auf seinem privaten Grund und Boden zur letzten Ruhe betten. Acht Friedhöfe hält Bramsche bereit, oder neun, nimmt man das kommerzielle Angebot des Friedwaldes in Achmer dazu. Vier Evangelische sind darunter, zwei Katholische und zwei Städtische. Die beiden evangelischen Stadtgemeinden St. Martin und St. Johannis „teilen sich“ den zentralen Friedhof an der Osnabrücker Straße, wie St. Martin-Pastorin Stephanie Seger und ihr Kollege Markus Unterderweide aus der Gartenstadt mit einem Augenzwinkern versichern. Direkt an der Stadtgrenze, am Stapelberger Weg, findet sich der Friedhof der evangelischen Heseper Christus-Kirchengemeinde. Im Alten Dorf in Engter liegt, wie der Straßenname nahe legt, absolut zentral der evangelische Friedhof für das Kirchspiel Engter und auch St. Marien Ueffeln, ebenfalls evangelisch, verfügt eine eigene letzte Ruhestätte. Die Friedhöfe St. Martinus und Malgarten gehören mittlerweile beide zur katholischen St. Martinusgemeinde. Achmer und Sögeln sind „städtisch“.

Ohne bleibende Spuren

Auch wenn die Christen in Bramsche eine deutliche Mehrheit bilden, wünscht sich doch nicht jeder eine Bestattung auf kirchlichem Grund oder mit kirchlichem Segen, mancher möchte keinerlei sichtbare Spuren hinterlassen. Auf dem kommunalen Friedhof hinter dem Sportplatz in Achmer hält die Stadt Bramsche ein anonymes Gräberfeld vor. Nicht einmal die nächsten Angehörigen wissen hier, wo die Urne des Verstorbenen genau bestattet ist, erklärt Ina Böck-Scheider, die bei der Stadt Bramsche das Friedhofswesen betreut. Der Wunsch nach Anonymität wird respektiert, aber sowohl die Pastoren der verschiedenen Kirchengemeinden als auch Trauerbegleiterin Kerstin Kohne vom Hospizverein warnen: Vielen Menschen sei nicht bewusst, wie notwendig ein konkreter Ort sei, den man immer wieder besuchen könne, um zu trauern oder Abschied zu nehmen. Anders ist das schon bei Urnenfeldern, wie sie mittlerweile auf vielen Friedhöfen, unter anderem in Engter, an der Osnabrücker Straße oder auch in Achmer angeboten werden. Überschaubar in der Fläche, mit Stelen oder Platten, auf denen die Namen eingraviert sind, bieten sie Möglichkeiten, zu ruhen und ein wenig innezuhalten.

Zu klein zum Leben

Würdig Abschied nehmen soll nicht nur nach einem langen gemeinsamen Leben möglich sein. Deshalb wurde in Achmer in der Nähe der Kindergräber ein eigenes, für die trauernden Eltern kostenfreies, Sternenkinder-Grabfeld eingerichtet, wo Fehl- und Frühgeborene, dei nicht überlebt haben, bestattet werden können. Auch an der Osnabrücker Straße besteht diese Möglichkeit. Zwar konnten diese Kinder auch früher schon in einem Familiengrab beigesetzt werden, die Regel war das allerdings nicht. In Niedersachsen gibt es keine Bestattungspflicht für Kinder unter 500 Gramm, allerdings ein Recht der Eltern, dass diese auch einklagen können. Ansonsten kamen die Kinder, die zu klein zum Leben waren, in die Pathologie und wurden bestenfalls alle halbe Jahre in einem Sammelgrab beigesetzt.

Trend zur Urnenbestattung

Auch in Bramsche lässt sich in jüngster Zeit ein deutlicher Trend zur Urnenbeisetzung feststellen. Ansonsten finden sich auf städtischen wie konfessionellen Friedhöfen noch alle klassischen Bestattungsformen - Einzel-, Mehrfach- oder Rehengrabstellen. Wenn die Liegezeiten in größeren Bereichen abgelaufen sind, wird umgestaltet. „Wir versuchen, schon immer etwas mit dem Trend zu gehen“, sagt Ina Böck-Scheider zu den kommunalen Ruhestätten. So wurde in Achmer ein Garten der Trauer angeleg t - „ein Schritt in die richtige Richtung“, findet Böck-Scheider.

Die Auswahl obliegt dann den Angehörigen. Aber auch sogenannte Ordnungsamtsbestattung müssten würdevoll ablaufen, findet Böck-Scheider. Menschen versterben auf der Durchreise, sind wohnungslos, die Angehörigen können die Bestattung nicht bezahlen oder der Verstorbene war ganz allein. „Wenn wir von solchen Fällen erfahren, gehen wir mit“, sagt Pastorin Andrea Wolters aus Hesepe. Das sei eine Frage der Würde „in Zeiten zerfallender Familienstrukturen“.

Wer auf einem der städtischen Friedhöfe bestattet werden möchte, sollte aus Bramsche oder einem Ortsteil kommen oder zumindest einen Bezug dazu haben, sagt Böck-Scheider. Die kirchlichen Friedhöfe sind von der Konzeption her, in erster Linie für Angehörige der jeweiligen Konfession gedacht, so streng gehandhabt wie in früheren Jahren wird dies allerdings nicht mehr.


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