Vor dem Landgericht Osnabrück Prozess gegen Drogendealer aus Bramsche und Merzen

Fünf Männer aus Bramsche und Merzen müssen sich vor dem Landgericht Osnabrück verantworten, weil sie Dorgen geschmuggelt und verkauft haben sollen. Symbolfoto: Michael GründelFünf Männer aus Bramsche und Merzen müssen sich vor dem Landgericht Osnabrück verantworten, weil sie Dorgen geschmuggelt und verkauft haben sollen. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Eine Gruppe von fünf Männern aus Bramsche und Merzen muss sich derzeit wegen des Vorwurfs, bandenmäßig mit Marihuana gehandelt zu haben, vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Zum Prozessauftakt zeigten sich die Angeklagten weitgehend geständig.

Laut Anklage soll die Bande zwischen dem 18. September 2015 und dem 7. Juni 2016 aktiv gewesen sein. Als Organisatoren der Drogengeschäfte gelten der Staatsanwaltschaft zufolge ein 27 Jahre alter Mann aus Bramsche sowie ein 33 Jahre alter Mann aus Merzen. Sie sollen die Kontakte zu den Lieferanten des Marihuanas in den Niederlanden und den Abnehmern der Droge in Deutschland gepflegt haben.

Einem 28-Jährigen Bramscher wirft die Anklagebehörde vor, seine Wohnungen als so genannte „Bunkerwohnungen“ zur Verfügung gestellt zu haben. In einem weiteren Fall soll ein gleichaltriger Mitangeklagter ebenfalls seine Wohnung zur Zwischenlagerung und Portionierung der Droge zur Verfügung gestellt haben.

Da die beiden Organisatoren eine Zeit lang über keinen Führerschein verfügten, soll im Januar dieses Jahres dann ein 26-jähriger, ebenfalls in Bramsche lebender Mann, als Fahrer angeheuert worden sein. Ihm wird zur Last gelegt, die Weichdroge an der Grenze in Empfang genommen und zu den Abnehmern gebracht zu haben.

Zwei Hauptangeklagte

Insgesamt werden dem 27-Jährigen vier, dem 33-Jährigen Merzener drei Straftaten zur Last gelegt. Ebenfalls für drei Taten soll der Mann verantwortlich sein, der seine Wohnungen als Zwischenlager zur Verfügung stellte. Den beiden übrigen Angeklagten rechnet die Staatsanwaltschaft jeweils eine Straftat zu. Alle Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft.

Bereits im Vorfeld der Verhandlung hatte es Verständigungsgespräche zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft gegeben. Den Vorschlag des Gerichts, bei umfassenden und glaubhaften Geständnissen zu Freiheitsstrafen zwischen fünf Jahren und drei Monaten bis maximal fünf Jahren und neun Monaten beziehungsweise sechseinhalb bis sieben Jahren für die beiden Hauptangeklagten zu kommen, und für die übrigen Angeklagten Strafen zwischen einem Jahr und neun Monaten bis maximal dreieinhalb Jahren festzusetzen, hatten die Verteidiger zugestimmt. Lediglich der Anwalt des mutmaßlichen Fahrers lehnte den Deal für seinen Mandanten ab. Schließlich scheiterte die Verständigung an der Staatsanwältin: „Die Vorstellungen liegen so weit entfernt, dass ich nicht zustimmen kann.“ Sie hatte sich für die beiden mutmaßlichen Organisatoren der Drogengeschäfte Haftstrafen zwischen neun und zehn Jahren, für die übrigen Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb und fünf Jahren vorgestellt.

Weitgehend geständig

Trotz des gescheiterten Deals zeigten sich die fünf Angeklagten weitgehend geständig. Die Anwälte der Hauptangeklagten erklärten, die beiden Männer hätten eine „Einkaufsgemeinschaft“ gebildet, um auf diese Weise einen besseren Preis für das Marihuana bei den niederländischen Dealern angeboten zu bekommen. Davon abgesehen hätten die Männer aber unterschiedliche Abnehmer für die Droge gehabt. So räumte der 27-Jährige etwa ein, gemeinsam mit dem 33-Jährigen am 30. Januar an der Grenze zu den Niederlanden 1,5 Kilogramm der Weichdroge bestellt und bezahlt zu haben. Diese sei dann einen Tag später von einem Kurier in die Wohnung des 28-jährigen Mitangeklagten geliefert worden. Ein anderes Drogengeschäft, bei dem Mitte Mai 6,8 Kilogramm Marihuana bestellt und geliefert worden seien, sei nach ähnlichem Muster abgelaufen. Zur Auslieferung der Droge an die Kunden sei es nicht mehr gekommen. „Er ist selber drogenabhängig und wollte mit dem Geld seinen eigenen Konsum finanzieren, aber auch Geld verdienen“, erklärte sein Anwalt.

Selbst drogenabhängig

Auch der 33-Jährige zeigte sich geständig. Sein Mandant konsumiere seit Jahren Kokain, sagte dessen Verteidiger. Das in seinem Keller gefundene Kokain sei für den Eigenkonsum bestimmt gewesen. 364 Gramm Heroin, die ebenfalls sichergestellt worden waren, habe sein Mandant weiterverkaufen wollen. Damit hätten die Mitangeklagten aber nichts zu tun. Beide Verteidiger signalisierten, dass die Männer Langzeittherapien anstrebten, um ihre Drogenabhängigkeit in den Griff zu bekommen.

„Ihm ist bewusst, dass er sich als Bunkerhalter zur Verfügung gestellt hat“, erklärte der Anwalt des 28-Jährigen. Dafür, dass er seine Wohnung als Zwischenlager nutzen ließ und das Marihuana aufteilte und verpackte, habe der Mann jeweils 100 Gramm Marihuana als Belohnung bekommen. „Er hatte in keiner Weise Einfluss auf Menge und Preis.“

Eine ähnliche Motivationslage machte auch der Verteidiger des zweiten Mannes, der seine Wohnung für die Drogengeschäfte zur Verfügung gestellt hatte, geltend. „Er ist davon ausgegangen, dass er günstiger an ein bisschen Gras kommt.“ Der Mann habe nur zur Deckung seines Eigenbedarfs gehandelt; auch er strebe eine Therapie an, „weil er den Konsum nicht im Griff hat“.

Sein Mandant habe nicht gewusst, wieviel Drogen eingekauft worden seien, erklärte der Anwalt des Mannes, der in einem Fall die beiden mutmaßlichen Organisatoren an die niederländische Grenze gefahren hatte. Er sei von dem 27-Jährigen, einem langjährigen Freund, gebeten worden, ihn zu fahren. „Es war ihm klar, dass man dort holländische Dealer treffen wollte.“ Auch habe sein Mandant später anderthalb Kilogramm Marihuana an verschiedenen Abnehmer an einem Sportplatz in Bramsche übergeben. Aus dem angeklagten Vorfall werde man aber wohl kein bandenmäßiges Handeln konstruieren können, so der Verteidiger.

Der Prozess wird fortgesetzt am 8. November 2016.

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