Polizei führt Wut-Bürger ab Ärger um Blockaden und totes Tier im Bramscher Windpark

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Lappenstuhl. Mehrere Zwischenfälle rund um den Bau des Windparks Ahrensfeld haben in den vergangenen Wochen Strafanzeigen und Ermittlungsverfahren nach sich gezogen. Das hat die Bramscher Polizei bestätigt.

Dabei geht es unter anderem um den Vorwurf der Nötigung im Straßenverkehr, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Hausfriedensbruch, aber auch den Verdacht der illegalen Abfallentsorgung und eine Ordnungswidrigkeit wegen Personalienverweigerung. Für Gesprächsstoff sorgt zudem einmal mehr ein Leser-Kommentar des Bürgerinitiativen-Sprechers Wilfried Bergmann auf der Internetseite (www.noz.de) unserer Redaktion. Doch der Reihe nach…

Blockade eines Container-Transporters am 14. September: Zwei Mitglieder der kritischen Windpark-Bürgerinitaitive aus Epe/Malgarten und Lappenstuhl hinderten dabei am Abend gegen 20.30 Uhr einen Lkw an der Weiterfahrt durch das Ahrensfeld . Das Ehepaar – anscheinend Anwohner – stellte sich laut Polizeibericht zunächst gezielt mit einem Fahrrad, dann auch mit einem Auto „quer“ auf die Straße. Das Pärchen hegte offenbar die Vermutung, der Lkw-Fahrer wolle gesetzeswidrig Abfall entsorgen. Auch weil der Transporter mit einem Hinweisschild „A“ gekennzeichnet war. „Privatleute hin oder her, jeder hat das Recht, ein vermutliches Verbrechen zu verhindern“, schrieb hierzu später der Sprecher der Bürgerinitiative Wilfried Bergmann und versuchte damit indirekt, die Straßenblockade seiner Mitstreiter zu rechtfertigen. Und er nannte es seltsam, wenn „abends zwischen den Schwertransporten ein Lkw mit dem Kennzeichen ,A‘ für Abfall zum Standort der Windmühle AH05 fährt“.

Die Situation an der Straße Im Ahrensfeld eskalierte schließlich. Bei der Polizei gingen zuvor Anrufe beider Streitparteien ein. Ein Aktivist der Bürgerinitiative weigerte sich demnach hartnäckig, die eigenmächtige Lkw-Blockade aufzugeben und musste von den inzwischen vor Ort eingetroffenen Ordnungshütern abgeführt werden. Der Mann wurde mit auf das Polizeirevier genommen, weil er sich zudem dagegen sträubte, seine Personalien ordnungsgemäß zu Protokoll zu geben. Nahezu im gleichen Atemzug erstattete der Wut-Bürger Anzeige gegen den Container-Fahrer wegen des Verdachts auf illegale Abfallentsorgung.

Doch, ob es Letztere tatsächlich gegeben hat, erscheint fraglich. Denn der Lkw-Fahrer durchquerte mit seinem Transporter auf öffentlichen Straßen zwar das Gebiet Im Ahrensfeld, hatte mit einer Anlieferung auf der Windparkbaustelle aber nichts zu tun. Vielmehr soll der Mann auf der Rückfahrt gewesen sein, nachdem er zuvor eine große Menge Sägespäne nach Kalkriese transportiert und dort abgeladen hatte.

Gegen den Lkw-Blockierer aus den Reihen der kritischen Bürgerinitiative ermittelt die Polizei nun wegen Nötigung im Straßenverkehr und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Zudem droht ihm ein Bußgeld wegen sogenannter Personalienverweigerung.

Totes Tier am Windrad aufgebahrt: Der Vorwurf Hausfriedensbruch steht im Windpark Ahrensfeld unterdessen seit dem 26. September im Raum. Unbekannte hatten demnach – gut sichtbar – in unmittelbarer Nähe zur in Bau befindlichen Anlage AH05 im Materiallager ein totes Kaninchen auf eine Palette mit Zementsäcken abgelegt. Dessen Beine zeigten nach oben. Die Betreibergesellschaft des Windparks und Vertreter der beteiligten Baufirmen werteten dieses Aufbahren als gezielte Provokation und erstatteten umgehend Anzeige. „Das sollte offenbar eine Warnung sein und uns einschüchtern. So haben wir es zumindest aufgefasst“, sagt Jan Rathje von der Senvion GmbH.

Der Projektleiter der Firma, die die Windräder im Ahrensfeld bei Lappenstuhl errichtet, setzt jedoch auf die Auswertung von Videoaufnahmen. Denn die Baustelle wird entsprechend überwacht. Jedes einzelne Windrad kostet immerhin rund fünf Mio. Euro.

Für diese Video-Aufnahmen interessiert sich zudem auch der Bramscher Polizei, bestätigte ein Sprecher der Ordnungshüter auf Anfrage unserer Redaktion. Man habe den entsprechenden Film deshalb bereits bei den Windpark-Verantwortlichen bestellt.

Motorradfahrerin stoppt Lkw-Fahrzeuge: Die reibungslose Anlieferung von Bauteilen im Ahrensfeld soll in den vergangenen Wochen laut Betreibergesellschaft auch von einer unbekannten, blonden Motorradfahrerin gestört worden sein. Diese habe willkürlich Transporter angehalten und selbige zeitweise an der Weiterfahrt zur Windpark-Baustelle gehindert.Beispielsweise auch am 28. September. „Die Frau hat den Fahrern unterstellt, ohne eine gültige Genehmigung unterwegs zu sein. Aber, dieser Vorwurf war natürlich völliger Quatsch“, sagt Edda Dallmann von der Betreibergesellschaft. Wer die unbekannte Dame auf dem Motorrad sei, könne sie aber noch nicht abschließend sagen. „Wenn es aber einen konkreten Verdacht gibt, werden wir ihn natürlich sofort überprüfen lassen“, so Dallmann.

Auch Landkreis weist Kritik zurück

Bereits am Donnerstag hatte Windpark-Geschäftsführer Jürgen Westerhaus öffentlich zur Mäßigung aufgerufen. „Die von den Fahrern mitzuführenden Transportgenehmigungen können nur von Behördenseite kontrolliert werden. Privatleute sind zu einer Kontrolle nicht befugt“, sagte er gegenüber unserer Redaktion. Eine Ermahnung insbesondere in Richtung der örtlichen Bürgerinitiative .

Deren Sprecher Bergmann hatte zuletzt übrigens auch gegen den Landkreis Osnabrück ausgeteilt. Dieser verhalte sich gegenüber den Klägern gegen die Windpark-Genehmigungen merkwürdig, schrieb er wörtlich, „da er seit Anfang Mai bis heute unserer Rechtsanwältin keine Akteneinischt gewährt und auch kein Aktenzeichen erteilt hat“. Eine Behauptung, die Landkreis-Mitarbieter Jens Röwekamp nur den Kopf schütteln lässt: „Das ist so nicht richtig. Anfangs gab es zwar Irritationen. Aber Frau Dr. Engbers hat die Akten schon vor einiger Zeit in Kopie erhalten.“


Links und rechts der Landesstraße 78 bei Bramsche-Lappenstuhl entstehen momentan mehrere neue Windparks.

Die verschiedenen Betreibergesellschaften investieren hier in die Errichtung von 36 neuen Rädern – jedes einzelne in der Spitze ca. 200 Meter hoch – zwischen 185 und 200 Millionen Euro insgesamt. Alle fünf neuen Windparks liegen räumlich dicht beieinander.

Der Windpark Kalkriese mit seinen zwölf Rädern ist dabei inzwischen vollständig errichtet. Ebenso die vier Anlagen in Rieste-Wittenfelde. Die Parks Ahrensfeld und Wittefeld (insgesamt 13 Räder nahe Epe/Malgarten und Lappenstuhl) befinden sich in der Bauphase.

Der Windpark Im Bernhorn in Vörden (sieben Räder) ist konzipiert. Auch das offizielle Planverfahren der Gemeinde ist abgeschlossen. Wenn die offizielle Baugenehmigung durch den Landkreis Vechta erteilt worden ist, kann auch hier bald gebaut werden.

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