Interview mit Maria Stuckenberg „Bedarf an Ehrenamtlichen in Hesepe sehr groß“

Lädt zum Tag der offenen Tür ein: Netzwerkkoordinatorin Maria Stuckenberg. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeLädt zum Tag der offenen Tür ein: Netzwerkkoordinatorin Maria Stuckenberg. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

wek Hesepe. Die Arbeit der Freiwilligen in der LAB bleibt trotz rückläufiger Belegungszahlen enorm wichtig Das unterstreicht Koordinatorin Maria Stuckenberg aus Anlass des Tags der offenen Tür .des Netzwerks LAB am Freitag, 7. Oktober 2016.

Frau Stuckenberg, das Netzwerk LAB lädt am Freitag zum ersten großen Tag der offenen Tür ein . Wen möchten Sie dabei besonders ansprechen?

Ganz wichtig sind uns die Bürgerinnen und Bürger aus Hesepe, aus der direkten Nachbarschaft. Die Menschen dort haben eine unheimlich große Geduld bewiesen im letzten Jahr, als dieser große Ansturm an Flüchtlingen da war. Und viele, die eigentlich so dicht da dran wohnen, wissen vielleicht gar nicht, was da hinter dem Zaun passiert. Es ist dem Netzwerk ein großes Anliegen, diesen Menschen zu zeigen, was wir machen und wie man sich engagieren kann. Neben den Hesepern möchten wir aber natürlich alle Bramscher und die Menschen aus dem Umland ansprechen, um so vielleicht auch weitere Ehrenamtliche zu gewinnen.

Das Netzwerk ist 2015 zu Zeiten der massiven Überbelegung der LAB gegründet worden. Jetzt sind die Belegungszahlen auf wenige Hundert zurückgegangen. Bleibt die Arbeit der Ehrenamtlichen dennoch nötig?

Ja, auf jeden Fall. Als so viele Menschen da waren, ging es in erster Linie darum, schnell zu helfen, schnell mit Kleidung zu versorgen, schnell die Menschen unterzubringen. Jetzt kann man sich mehr Zeit nehmen, sich mit ihnen hinsetzen. Die Ehrenamtlichen, besonders auch aus der Begegnungsstätte, wo viel Sprachvermittlung stattfindet , spiegeln immer wieder zurück, dass jetzt der Bedarf eigentlich viel größer ist. Es kommen viel mehr Menschen rein, die ein großes Interesse haben, unsere Sprache kennen zu lernen. Auch wenn die Verweildauer jetzt vielleicht kürzer ist, ist es den Ehrenamtlichen doch sehr, sehr wichtig, den Flüchtlingen neben der Sprache einen guten Eindruck von unserem Land zu vermitteln.

Haben sich vor diesem Hintergrund die Anforderungen an Ehrenamtliche verändert?

Ja, schon. Es ist sicherlich ein Unterschied, ob ich in einer Notlage einfach nur schnell reagieren muss, oder ob ich mich Leute in Empfang nehme, die mich absolut nicht verstehen können und zu denen ich erst einen Zugang finden muss, um mit ihnen ins „Gespräch“ zu kommen. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Ehrenamtlichen auch die Möglichkeit haben, an Fortbildungen teilzunehmen. Glücklicherweise hat eine der Ehrenamtlichen schon einmal die Möglichkeit geschaffen, dass ein solcher Kurs „Sprachvermittlung für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit“ direkt hier in der LAB stattfinden konnte. Solche Fortbildungen sind sehr wichtig. Flüchtlingsarbeit ist eine sehr anstrengende Arbeit. Vielen fehlt dann die Kraft, über ihr Engagement hinaus noch Kurse wahrzunehmen. So einen Kurs zu besuchen, ist dann wie abends zum Sport zu gehen. Wenn man erst einmal den inneren Schweinehund überwunden hat, hat man nach der Veranstaltung ein sehr, sehr gutes Gefühl. Diese Kurse für Menschen in der Flüchtlingsarbeit bringen unheimlich viel. Sie bringen die Ehrenamtlichen weiter, sie helfen ihnen, zu sich selbst zu finden und ihre Kräfte einzuteilen.

Wie viele ehrenamtliche Helfer hat das Netzwerk zurzeit?

Im gesamten Netzwerk sind es etwa 150. Davon gehören allein schon ca. 70 Ehrenamtliche zum Pool der Kleiderkammer, die von der Diakonie betreut werden. In der Begegnungsstätte der LAB engagieren sich ca. 20 Leute regelmäßig. Die Übrigen verteilen sich auf die anderen Netzwerkpartner.

Wenn ich jetzt zum Tag der offenen Tür gehe und einen Bereich entdecke, in dem ich mich engagieren möchte. An wen wende ich mich da?

Sie können sich sicher jederzeit an mich wenden. Ich persönlich würde allerdings als Besucher am Tag der offenen Tür die Ehrenamtlichen der verschiedenen Gruppen ansprechen. Das ist der direkte Weg. Anke Hennig , die die Begegnungsstätte organisiert, wo auch Kaffee und Kuchen serviert werden, ist eigentlich immer vor Ort und dankbar für Kontakte.

Sie möchten beim Tag der offenen Tür auch darauf aufmerksam machen, dass das Netzwerk nach wie vor auf Spenden angewiesen ist?

Genau. Wir haben nach wie vor das Spendenkonto. Wir haben eine wunderschöne neue Website „ www.bramsche-hilft.de “, die auch von einer Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit gestaltet worden ist. Dort stehen alle Informationen über unser Spendenkonto. Wir brauchen halt weiterhin Gelder. Es gibt ein Spendengremium, das über die Verwendung der Gelder entscheidet. Im letzten Jahr ist zwar viel eingegangen, aber so langsam wird das Geld ja auch weniger. Die Arbeit hört aber nicht auf und es ist auch wichtig, die Ehrenamtlichen neben Arbeitsmaterialien auch mit Fortbildungen und anderen Aktionen bei der Stange zu halten, die Zusammenhalt und Freude bringen. Aber das kostet eben alles auch Geld.


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