Dutzende Kaninchen und Katzen Tierisches Chaos am Penterknapp in Bramsche

Von Björn Dieckmann


Pente. Am Penterknapp in Bramsche herrscht tierisches Chaos - und das im wahrsten Sinne: Rund um das aufgegebene Hotel-Restaurant streunen Dutzende Hauskaninchen und Katzen umher. Versorgt werden sie mittlerweile vom Tierschutzverein „Lichtblick aller Pfoten“.

Tamara und Christa Bergmann leben an der Straße zwischen Pente und Achmer. Als sie vor einigen Wochen feststellten, dass immer mal wieder tote Kaninchen – offenbar überfahren von Autos und Lkw - auf der Fahrbahn lagen, machten sie sich auf die Suche, wo die Tiere hergekommen waren. Fündig wurden die Bergmanns beim ehemaligen Hotel-Restaurant Penterknapp, das seit Ende Juni geschlossen ist.

Unzählige Kaninchen

Schon als sie zum rückwärtigen Teil des Gebäudes hinaufgingen, sahen sie auf dem Schotterweg und dem angrenzenden Feld unzählige Kaninchen, auch Katzen streunten umher. „Ein unglaublicher Anblick, so viele Tiere auf einmal habe ich noch nie gesehen“, schildern Tamara und Christa Bergmann ihren ersten Eindruck. Sie riefen sofort den Tierschutzverein „Lichtblick aller Pfoten“ herbei.

Dessen Mitglieder kümmern sich seitdem um die Tiere und bringen allabendlich Futter und Wasser vorbei. „Wir wissen gar nicht genau, wieviele es sind“, sagt Nancy Richter . Die Hauskaninchen seien aus einem eigentlich umzäunten Auslauf davongelaufen. „Das Tor ist weg, die kamen ganz einfach da raus“, so Richter. Der Boden sei zudem so unterhöhlt, „dass wir vermuten, dass sich da noch weitere Tiere versteckt halten“, ergänzt Julia Brinkmann.

Katzen auch im Gebäude?

Auch bei der Anzahl der Katzen sind sich die „Lichtblick“-Aktiven nicht sicher. „Am Anfang haben wir ungefähr ein Dutzend ausmachen können“, berichtet Brinkmann. Durch ein vergittertes, aber offenstehendes Kellerfenster könnten aber weitere Tiere im Gebäude Unterschlupf gefunden haben. „Katzen mit Jungtieren, die sind natürlich sehr scheu“, meint Brinkmann. Wie es im Haus aussieht, können Brinkmann und Richter nur vermuten: „Wenn sich tatsächlich Tiere drinnen befinden, koten und urinieren sie dort natürlich auch und schleppen Ungeziefer ein“. Keine schöne Vorstellung. Ebenso unappetitlich war, was der „Lichtblick“-Verein bei seiner ersten Begehung in einem Holzschuppen vorfand: „Da lagen lauter tote Küken, offenbar als Futter für die Katzen, und Knochenreste. Außerdem war eine Fläche Katzenstreu ausgelegt, aber bereits ziemlich verdreckt“, schildert Nancy Richter.

Ernüchterndes Gespräch

Fünf Katzen konnte „Lichtblick“ mittlerweile in Obhut nehmen. Vier weitere wurden vermutlich von der ehemaligen „Penterknapp“-Betreiberin abgeholt. „Wir haben sie einmal hier angetroffen spätabends. Da sagte sie, ihr gehörten nur vier Katzen. Für die anderen fühlte sie sich nicht verantwortlich“, erzählt Richter. Und weiter: „Dass die Kaninchen aus dem Gehege entkommen sind, läge daran, dass jemand die Pforte gestohlen habe“, so Richter, die anfügt: „Offensichtlich ist die Halterin aber nie auf die Idee gekommen, diese Umzäunung wieder zu schließen“. Seit dieser Begegnung habe man die Frau nicht mehr angetroffen. „Sie hatte noch versprochen, hier einen Zettel mit den Kontaktdaten des Eigentümers von Haus und Grundstück zu hinterlassen. Aber das ist auch nicht passiert“, betont Julia Brinkmann.

Auf eigene Kosten

Beim Verein „Lichtblick aller Pfoten“ weiß man nun allmählich nicht mehr weiter. „Wir können uns hier nicht dauerhaft kümmern. Nicht nur aus zeitlichen Gründen, sondern auch aus finanziellen: Wir bezahlen das Futter für die Tiere hier aus eigener Tasche“, betont Richter. „Wir können die Katzen aber auch nicht aufnehmen, weil die Pflegestellen alle schon belegt sind“. Die Kaninchen müssten eigentlich „alle erstmal in Quarantäne. Eines ist schon an Myxomatose, der Kaninchenseuche, verstorben“, so Richter. Es sei nicht auszuschließen, dass die Krankheit auch bei anderen Tieren ausbricht. Wenn das aber nicht der Fall sei, „dann werden wir im nächsten Frühjahr hier schon hunderte Kaninchen haben – selbst wenn einige nicht den Winter überleben würden. Die vermehren sich ja bekanntlich sehr schnell“, erklärt Brinkmann weiter.

Allein gelassen

Die Tierschützerinnen fühlen sich allein gelassen: „Wir haben den Veterinärdienst des Landkreises Osnabrück verständigt. Der sieht aber keinen Handlungsbedarf“, berichtet Brinkmann – was der Landkreis auf unsere Anfrage hin bestätigt: Den Tieren gehe es augenscheinlich gut, außerdem stehe ihnen Futter und Wasser zur Verfügung. Wem das Grundstück überhaupt gehört, weiß man bei „Lichtblick aller Pfoten“ nicht. Und die ehemaligen Betreiber des Hotel-Restaurants „haben es offenbar aufgegeben, sich hier um irgendetwas zu kümmern“, schließt Richter. Auch für unsere Redaktion waren sie bislang nicht zu erreichen.


Kontakt zu „Lichtblick aller Pfoten“: Corinna Hinterding, Tel. 05465/2031348, www.lichtblickallerpfoten.de

0 Kommentare