Geschichten von Sabine Meyer Ein märchenhaft schöner Abend in Lappenstuhl

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Gebannt hörten die Zuschauer in der Thomaskapelle den Geschichten von Sabine Meyer zu. Foto: Reinhard FanslauGebannt hörten die Zuschauer in der Thomaskapelle den Geschichten von Sabine Meyer zu. Foto: Reinhard Fanslau

Lappenstuhl. Zwei rundum niveauvolle und vergnügliche Stunden bereitete am Freitagabend Sabine Meyer den rund 50 Gästen in der Thomaskapelle. Die Künstlerin vom Erzähltheater Osnabrück trug eigene Geschichten und Märchen aus aller Welt vor. Das Motto des Abends lautete „Vom Himmel, der Erde und den Dingen dazwischen.“

„Es ist ein wundervoller Ort hier. Ich liebe es, wenn ich den Leuten nah bin und in die Augen sehen kann“, sagte Sabine Meyer in der Pause. Die einzigartige, familiäre Atmosphäre in der geschichtsbeladenen Holzkirche spornte die erfahrene Erzähltheaterdarstellerin an diesem Abend zu einer überragenden schauspielerischen und erzählerischen Leistung an. Der Funke zwischen Künstlerin und Publikum sprang von der ersten Geschichte an über. Die Zuschauer lauschten gebannt und vertieften sich in andere Welten. Mehr kann eine Künstlerin nicht wollen und ein Veranstalter sich nicht wünschen.

Eher unbekannte Geschichten

Das erreichte die Künstlerin auch mit der Auswahl ihrer Märchen. So wählte sie zum Beispiel nicht etwa abgenudelte Klassiker der Gebrüder Grimm, sondern eine eher unbekannte Geschichte wie „Die Lebenszeit“ der wohl bekanntesten deutschen Märchenschreiber. Darin geht es darum, dass Gott die Welt erschafft und überlegt, wie viel Lebenszeit er den Lebewesen zuteilen soll. Esel, Affe und Hund sind mit den ihnen zugedachten 30 Jahren nicht zufrieden, weil es aus ihrer Sicht eine zu lange Zeit ist. Alle wollen weniger, nur der Mensch will mehr, als er an der Reihe ist.

Musik als I-Tüpfelchen

Wunderschön die Geschichte des kleinen vorlauten Sonnenstrahls, der aus dem Rucksack der Sonne auf einmal verschwunden ist, der aber dringend für den morgendlichen Sonnenaufgang benötigt wird. Begeistert waren die Gäste auch von der Geschichte über den Rosengarten des Kaisers von China oder vom Märchen über die schönen Äpfel in Frau Holles Garten. Das I-Tüpfelchen an diesem Abend waren die Zwischenmusiken von Organist Sven Streich-Bruning, mit dem Meyer an diesem Abend zum ersten Mal zusammenarbeitete.

Spontan reagiert

Die ganzen zwei Stunden sprach Sabine Meyer ihre Texte auswendig, ohne ein einziges Mal auf ein Blatt Papier zu schauen oder gar die Hilfe einer Souffleuse zu benötigen. Und obwohl sie seit 10 Jahren professionell Märchen erzählt und absolut textsicher ist, wirkt es immer keinesfalls routiniert, sondern stets frisch und engagiert . Dabei reagierte die Vortragende an einer Stelle absolut spontan und cool, als sich ein nicht abgestellter Navigator aus den Zuschauerreihen meldete und forderte: „Biegen Sie jetzt rechts ab in die Kalkrieser Straße.“ Andere Künstler wären verärgert und irritiert gewesen. Aber Sabine griff Meyer das auf und band es in ihren Text ein, als ob es dazugehörte.

„Märchen können nur leben, wenn sie weitererzählt werden“, forderte die Künstlerin am Ende ihres Auftritts die Zuschauer in der Thomaskapelle auf und wünschte gleichzeitig eine märchenhafte Nacht. (Weiterlesen: Thomaskapelle Lappenstuhls kultureller Treffpunkt )


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