Zweistellige Millionen-Summe Heytex will ab Ende Januar Heyform-Hallen in Engter nutzen


Bramsche. Die vom abwanderungswilligen Nachbarn und Automobilzulieferer Heyform zum Jahresende erworbenen Hallen und Gebäude in Engter will die Heytex GmbH ab Ende Januar 2017 für sich nutzen. Das hat Geschäftsführer Heribert Decher im Bilanzgespräch mit unserer Redaktion betont. Zudem werde sein Unternehmen in Erweiterungen des Standortes Bramsche „einen zweistelligen Millionenbetrag investieren“.

Angeschafft werde bei den Experten für beschichtete, kalandrierte und laminierte Textilien beispielsweise eine neue, moderne Streichmaschine, die im kommenden Jahr aufgebaut und in Betrieb genommen werden soll. Errichtet wird sie in den bisherigen Heytex-Hallen, so Decher.

In den zusätzlichen, von Heyform erworbenen Hallen sollen dagegen Büros, Sozialräume und eine Kantine eingerichtet werden. Ferner entsteht dort ein Schau- und Versandbereich. „ Das entlastet die etwas angespannte Platzsituation in den momentanen Räumen “, unterstreicht der Heytex-Geschäftsführer. Durch den Zukauf des Heyform-Geländes verdoppele sich nicht nur die Grundfläche seines Unternehmens, „sondern auch etwa die des umbauten Raumes“.

Umsatz im Jahr 2015: Mehr als 100 Millionen Euro

Die Millionen-Vorhaben in Engter, die unlängst vom Beirat der Heytex-Gruppe abgesegnet wurden, sieht Decher als „ein Bekenntis zum Standort“. Nachdem vor Jahren vor allem in Köpfe investiert worden sei, gehe es nun um Kapaziätserweiterungen. Dennoch suche der Hersteller Technischer Textilien weiterhin auch Fach- und Führungskräfte. Hier gebe es noch einige unbesetzte Stellen. Auch mit Blick auf Tätigkeiten in der Weberei oder in Maschinenberufen stellt Decher fest: „Jeder hat die Möglichkeit, sich zu bewerben.“ Aktuell liege die Heytex-Beschäftigtenzahl – inklusive einiger Leiharbeitskräfte – weltweit bei mehr als 450 , davon über 250 am Hauptsitz an der Landesstraße 78 in Engter. Der Umsatz der Unternehmensgruppe habe im vergangenen Jahr „bei etwas mehr als 100 Millionen Euro gelegen“, verdeutlicht der Manager.

Spürbar positiv sei auch die Bilanz an den beiden Auslandsstandorten in China und den USA. „Wir wollen unsere Marktpräsenz dort verbreitern“, kündigt Decher mit Blick auf Asien an. Neben der klassischen Herstellung von Werbebannern sollen auch Technische Textilien als zweites Standbein („unsere industrielle Anbindung“) noch stärker etabliert werden. Letzteres gelte auch für den US-Markt, wo Heytex über die im Januar 2015 übernommene Bondcote Corporation in Pulaski/Virginia bislang u.a. nennenswert an der Herstellung von Militärzelten beteiligt ist. Die Abhängigkeit von Aufträgen des Staates und öffentlichen Geldern sei folglich aber groß, gibt Decher zu. Als wahrscheinlich darf deshalb gelten, dass sich die Heytex-Gruppe in den Vereinigten Staaten mit ihren Produkten künftig noch breiter aufstellen will.

Problem Stromnetz – Verbesserung bei schnellem Internet

Die Mitarbeiter in Engter pflegen unterdessen einen gezielten Austausch mit ihren Kollegen in China, den USA und dem sächsischen Neugersdorf. „Es gibt länderübergreifende Meetings von Führungskräften. Auch Abteilungen aller vier Standorte tauschen sich regelmäig untereinander aus“, erläutert Decher. Das bringe das Gesamtunternehmen vorwärts. Es gelte, voneinander zu lernen.

Mit Blick auf den Betrieb in Engter wünscht sich der Geschäftsführer unterdessen ein verbessertes Infrastrukturangebot. Beim Stromnetz gebe es, so Decher, „nur eine Hauptleitung, die gerade bei Gewittern äußerst anfällig ist. Wünschenswert wären zwei unabhängige Hauptleitungen.“ Maschinenausfälle bei Unwettern würden augenblicklich sofort dazu führen, dass „unser Material unbrauchbar wird“. Problematisch sei zudem das Mobilfunknetz, sagt Decher. Heytex habe schon während seiner Bauphase in Bramsche Telekom-D1-Repeater im Werk angebracht, „um wenigstens in diesem Netz eine Verbindung zu haben“. Immerhin hoffen die Spezialisten für Technische Textilien, ab November von einer etwas schnelleren Internetanbindung – einem ebenfalls wichtigen Standortfaktor – profitieren zu können.


Die Heytex Bramsche GmbH ist an vier Produktionsstandorten aktiv: Bramsche-Engter (Hauptsitz), Neugersdorf (Oberlausitz), Pulaski/Virginia (USA) und Zhangjiagang (China). Zudem gibt es Vertriebsniederlassungen in Los Angeles (USA), São Paulo (Brasilien) und Hongkong. Hauptabsatzmarkt ist Europa. Davon etwa ein Drittel in Deutschland. Das Unternehmen aus der Branche Spezialchemie stellt beschichtete, kalandrierte und laminierte Textilien her. Vor allem in den Produktkategorien Druckmedien – für Werbeindustrie und Messebau – sowie technische Textilien. Im Markt gilt die Qualität der Heytex-Arbeit als hochwertig. In Europa gilt das Unternehmen als führend. Mit einem Investment von 6,5 Mio. Euro sind Ende 2012 die Deutsche Beteiligungs AG und der von ihr verwaltete Private Equity Fond DBAG FuV mehrheitlich in die Heytex GmbH eingestiegen. Ursprünglich wurde die Firma vor mehr als 100 Jahren als Segeltuchweberei unter dem Namen Julius Heywinkel GmbH in Osnabrück gegründet.

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