Serie Tierwelten Heseperin Nancy Richter nimmt heimatlose Katzen auf

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Katzenpflegestellenverantwortliche Nancy Richter und Pflegekatze Hedwig. Foto: Reinhard FanslauKatzenpflegestellenverantwortliche Nancy Richter und Pflegekatze Hedwig. Foto: Reinhard Fanslau

Hesepe. Es ist kein Zuckerschlecken, aber eine Arbeit, die sie mit viel Herzblut macht. Das behauptet Nancy Richter, die sich in ihrer Freizeit für schutzbedürftige Katzen einsetzt. Die Heseperin ist seit fünf Jahren verantwortlich für eine Katzenpflegestelle, die zum Verein „Lichtblick aller Pfoten e. V.“ gehört.

Bis zum vergangenen Jahr hatten die Tierschützer mit Sitz in Ueffeln zwei Anlaufstellen für benachteiligte oder heimatlose Samtpfoten. Dann sind noch 2015 daraus kurzfristig fünf geworden. Diese befinden sich in Ueffeln, Hesepe, Achmer und Bramsche. Alle nehmen Katzen auf, die kein festes Zuhause haben oder dieses verloren haben. Dafür kann es viele Gründe geben. Einen davon nennt Nancy Richter: „Es gibt Menschen, die sich eine Katze anschaffen und dann nach einiger Zeit merken: Das ist doch nicht das Schmusetier, das ich mir gewünscht habe.“ Aussetzen ist übel, aber Quälen noch schlimmer. Aber auch das kommt leider ab und zu vor, auch in der Region. „Viele Leute sehen eine Katze als eine Sache an und behandeln sie leider auch so“, beklagt Nancy Richter. Ein besonders krasser Fall ist ihr in Erinnerung geblieben. Das war, als sie vor Jahren mit anderen Tierschützerinnen zusammen zwei Fellnasen aus einem Messie-Haushalt herausgeholt hat.

Unterschlupf in ehemaligem Stall

Wenn Katzen zu ihr kommen, erhalten sie als erstes Futter und eine medizinische Versorgung. Unterschlupf finden sie in einem ehemaligen Stallgebäude, das an das Wohnhaus angrenzt und mehrfach in der Woche gereinigt wird. Hier leben zeitweise bis zu acht Katzen gleichzeitig. Dass die Tiere nach draußen an die frische Luft gelangen können, ist der Katzenschützerin sehr wichtig. Daher gibt es auch eine Klappe, durch die die Katzen in ein Gehege laufen können.

„Das größte Problem ist die Kastration“, sagt Richter. Seit Januar 2014 gibt es zwar in Bramsche und Umgebung eine Kastrationspflicht für Katzen. Dennoch gebe es immer noch zu viele nicht-kastrierte Samtpfoten. Diese können theoretisch zwei Mal im Jahr jeweils zwei bis sechs Junge bekommen – ein weiterer Grund dafür, dass es jetzt fünf statt zwei Pflegestellen gibt.

Nicht-kastrierte Katzen lassen die Tierschützer selbstverständlich kastrieren, bevor sie diese an vertrauenswürdige Familien vermitteln. Das, andere Tierarztbesuche und das Futter kosten natürlich Geld. Daher sind Katzenpflegestellen dringend auf Spenden angewiesen. Zwar kommt es ihrer Erfahrung nach durchaus mal vor, dass Geldspenden eintreffen. Aber viel häufiger ist der Fall, dass Katzenfreunde Fressbares vorbeibringen. „Das kann Trockenfutter oder Nassfutter sein. Auch Katzenstreu können wir immer gut gebrauchen“, sagt Nancy Richter. Weil immer zu wenig von allem da ist, rufen die Lichtblicke-aller-Pfoten-Mitglieder regelmäßig zu Futter- und Katzenstreuspenden auf. Die Leute müssen eine Gebühr entrichten, wenn sie eine von den Pflegestellen entlassene Katze bei sich aufnehmen. Dieses Geld deckt nicht ansatzweise die anfallenden Kosten ab. Die Verantwortlichen der Katzenpflegestellen zahlen oft aus eigener Tasche drauf. Den Lohn für ihr Engagement bekommt sie, wenn sie wieder Mal eine Pflegekatze in einer Familie untergebracht hat. „Wir vermitteln aber nicht auf Biegen und Brechen. Nur an vertrauenswürdige Leute, denn eine Katze soll ein vollwertiges Familienmitglied werden.“ Auf ihre Vermittlungsquote von 100 Prozent ist Nancy Richter stolz. Dazu trägt auch bei, dass „Katzenbabys einen unglaublich hohen Niedlichkeitsfaktor haben.“

Welpen besonders pflegeintensiv

Gar nicht zu bezahlen ist der Zeit- und Arbeitsaufwand, den die Verantwortlichen der Katzenpflegestellen betrieben. Die Pflege der Welpen ist besonders intensiv. Diese wachsen nicht im Stallgebäude auf, sondern werden bei ihr im Haus mit der Flasche groß gezogen, berichtet Nancy Richter. In dieser Zeit kann es durchaus vorkommen, dass die Nächte für sie kurz werden und die Nachtruhe gestört ist, da sie wegen der Katzenwelpen alle drei Stunden aufstehen muss. Zum Glück sind es Schwester und Ehemann, die tatkräftig mithelfen. Ohne die Unterstützung ginge es auch nicht, denn: „Die Katzen fragen nicht, ob es mir gut geht oder ob ich krank bin“. Die Gemeinschaft im Verein ist gut, daher helfen bei Engpässen auch mal Mitglieder der anderen Pflegestellen mit. Dennoch sitzt ein längerer Urlaub mit der Familie seit Jahren nicht drin. „Höchstens mal ein Kurztrip“, sagt die voll berufstätige Heseperin, die außer den Pflegekindern noch fünf eigene Katzen, einen Hund (Collie-Mix) und mehrere Wasserschildkröten zu betreuen hat. Über die viele Arbeit und den Aufwand zu klagen, ist nicht ihr Ding: „Wir wissen alle, worauf wir uns eingelassen haben“, erklärt die junge Frau. Aber dennoch gibt es einen Punkt, der sie sehr ärgert: „Wir werden oft nicht für voll genommen in der Öffentlichkeit, bei dem, was wir tun. Unsere Arbeit wird von vielen Leuten als selbstverständlich hingenommen.“


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