Treffen der Bürgermeister Bramsche in „Autobahn-Allianz“ gegen Stromtrasse

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Bürgermeister-Konferenz in Dinklage. In der hinteren Reihe von links die Bürgermeister Ansgar Brockmann, Heiner Pahlmann und Sebastian Hüdepohl. Foto: Heiner BeinkeBürgermeister-Konferenz in Dinklage. In der hinteren Reihe von links die Bürgermeister Ansgar Brockmann, Heiner Pahlmann und Sebastian Hüdepohl. Foto: Heiner Beinke

Dinklage. Eine „Autobahn-Allianz“ der Bürgermeister von elf Kommunen hat sich am Donnerstag in einer Pressekonferenz gegen Versuche gewehrt, die geplante 380-KV-Stromtrasse doch wieder entlang der Autobahn zu führen, obwohl diese Variante in einer Voruntersuchung teilweise schon verworfen worden war. Mit dabei waren auch die Bürgermeister von Bramsche, Rieste und Neuenkirchen-Vörden.

165000 Einwohner

Die elf Bürgermeister aus vier Landkreises repräsentierten zusammen 165000 Einwohner, betonte als Gastgeber Frank Bittner. Die Pläne gefährdeten „die vitalen Interessen“ der Kommunen. Er kritisierte die Versuche „von anderen Seiten“, Belastungen auf andere abzuwälzen. Die Notwendigkeit der Stromtrasse stehe außer Frage, aber die Streckenführung müsse in einem „fairen, sachlichen und transparenten Verfahren“ festgelegt und nicht nach dem St. Florians-Prinzip verschoben werden.

Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann kritisierte, dass Vertreter einiger Kommunen „hinter den Kulissen alles tun“, um die Trasse vom eigenen Gebiet fernzuhalten. Im eigens eingerichteten Dialogforum unter Beteiligung des Landkreises werde dann so getan, als sei alles „supertransparent“. Er plädierte dafür, die Diskussion tatsächlich in diesem Forum zu belassen und Entscheidungen offen und fair zu fällen. Die Samtgemeinden Bersenbrück und Artland haben in Resolutionen gefordert, den Trassenverlauf entlang der A1 bis Hesepe zu prüfen , wie es auch verschiedene Initiativen fordern . Auf den Einwand, auch die Autobahn-Bürgermeisterrunde bedeute ein Ausscheren aus dem Dialogforum meinte Pahlmann, die Konferenz sei lediglich „eine Reaktion“ auf die Vorstöße der Nachbarkommunen. Das Dialogforum werde fortgesetzt und die Stadt Bramsche habe nicht vor, aus dieser Runde auszuscheren.

Noch im November hatten Vertreter des Netzbetreibers Amprion den Bramscher Stadtrat davon informiert, dass Bramsche durch die Stromtrasse „ nur am Rande“ berührt werde. Nun wird eine Variante diskutiert, bei der die Trasse quer durch Bramsche verläuft. Dabei seien diese Strecken schon „in der Vorprüfung durchgefallen“, betonte Ansgar Brockmann als Bürgermeister von Neuenkirchen-Vörden. Der jetzt diskutierte Vorschlage durchschneide das Gebiet seiner Gemeinde komplett. Auch für die neuen Überlegungen, ob denn Merzen überhaupt Endpunkt der Trasse sein müsse, zeigte Brockmann kein Verständnis. Dafür gebe es „ganz viele Argumente“. Der als Alternative ins Spiel gebrachte ehemalige Flugplatz Wittenfelde scheide jedenfalls aus: Die 215 Hektar große Fläche sei Bundeseigentum und werde aus Naturschutzgründen nicht abgegeben.

Einfache Bewertung

Eigentlich sei die Bewertung der verschiedenen Trassen eine einfache Sache, fand Brockmann. Es gebe überall Raumwiderstände, die einer Trasse Minuspunkte einbrächten. Am Ende müssten diese Punkte nur summiert werden und die Strecke mit den wenigsten Minuspunkten werde gebaut. Brockmann hielt es für sehr unwahrscheinlich, dass das dann die gut 20 Kilometer längere Autobahnstrecke bis Hesepe sein werde: „Die kürzeste Trasse wird das Rennen machen“, war er sicher. Einig waren sich alle in der Runde, dass das federführende Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) das Verfahren straffer führen müsse.

Eine Stromtrassenführung durch den Niedersachsenpark hielt Riestes Bürgermeister Sebastian Hüdepohl für undenkbar. Die Hallen der dortigen Betriebe seien bis zu 40 Meter hoch, er könne sich nicht vorstellen, wie sich da eine Höchstspannungsleitung durchschlängeln sollte. Im Niedersachsenpark sollen auch noch weitere Arbeitsplätze geschaffen werden, was schwierig werde, wenn eine Stromleitung Ansiedlungspläne zunichtemache.

Dieses Problem haben auch die anderen Kommunen entlang der Autobahn, wie Tobias Averbeck als Bürgermeister der Gemeinde Bakum betonte. Er gab außerdem zu bedenken, dass die Trasse mehrfach die Autobahn kreuzen solle. Das bedeute dann in der Bauphase und für Wartungsarbeiten „Vollsperrung der Autobahn. Da wissen wir ja alle, was das heißt“.


Vier mögliche Trassenverläufe von Cloppenburg bis Merzen sind in der Diskussion: Die Korridore A, B und C würden dabei den Altkreis Bersenbrück von Norden nach Süden zerschneiden.

Das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Oldenburg legte inzwischen fest, dass die Variante D entlang der Autobahn 1 ebenfalls zu untersuchen sei. Diese Möglichkeit war zunächst vom zuständigen Netzbetreiber Amprion verworfen worden. Der Trassenkorridor D unterteilt sich wiederum in die drei Varianten D1, D2 und D3. Für eine umfassende Prüfung durch den Netzbetreiber Amprion – er ist mit dem Leitungsbau beauftragt – kommt jedoch bisher nur Korridor D3 infrage. Dieser verläuft von Cloppenburg bis Bakum und ab da entlang der Autobahn 1 bis Holdorf. Von dort zieht sich die Trasse vorbei an Gehrde, Bersenbrück, Alfhausen und Ueffeln bis nach Merzen.

Die Möglichkeiten D1 und D2 würden hingegen den Weg entlang der Autobahn1 weiter südlich bis auf Höhe Hesepe führen. Die Trasse könnte von hier nach Westen schwenken. „Berührt“ durch diese Pläne wären neben der Stadt Bramsche auch die Gemeinden Rieste und Neuenkirchen-Vörden.

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