Archäologische Funde in Baugebiet Bramsche schon eher besiedelt als angenommen?

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Bramsche. Ist der Bramscher Raum schon eher besiedelt worden als bislang angenommen? Bodenfunde im neuen Baugebiet Stapelberger Weg in Hesepe legen diese Vermutung nahe.

Nachdem die Erschließungsarbeiten für das neue Baugebiet in Hesepe umittelbar an Bramsche angrenzend kürzlich begonnen hatten, wurde Axel Friedrichs tätig. Der Archäologe vom Fachdienst Archäologische Denkmalpflege für Stadt und Landkreis Osnabrück schaute sich nach den ersten Baggerarbeiten das Bodenprofil an. „Routinemäßig werden wir eingebunden bei der Ausweisung von Baugebieten, damit mögliche archäologisch wertvolle Stücke nicht übersehen werden und dadurch verloren gehen“, erklärt der Fachmann.

Überraschende Funde

Dass er in Hesepe fündig würde, „damit habe ich hier – ehrlich gesagt – nicht unbedingt gerechnet“, gibt Friedrichs zu. Doch entdeckte er zunächst etwas, das dem Laien wohl nicht aufgefallen wäre: „Hier ist Plaggenesch aufgetragen worden“, erläutert Friedrichs, der selbst in Bramsche lebt. Diese Plaggenesche seien einst durch eine spezielle Bewirtschaftung zur Bodenverbesserung entstanden, so Friedrichs. Um nährstoffarme Böden nutzbar zu machen, wurden sie regelmäßig mit Gras- und Heide-Oberboden gedüngt.

Keramik und Grunbenhaus

Das Interesse des Archäologen war geweckt: Denn die Plaggeneschböden wirken durch die Aufhöhung der Geländeoberfläche oft wie ein Schutz über Kulturschichten aus früheren Zeiten. Und so wurde auch Axel Friedrichs schnell fündig: Er grub mehrere Keramikscherben aus dem Boden und fand zudem Hinweise auf Reste eines Grubenhauses – „das waren Gebäude, die früher zumindest teilweise in den Boden eingetieft waren, bis zu eineinhalb Meter“, berichtet Friedrichs. Das alles deute darauf hin, dass es bereits „im vierten, fünften, sechsten Jahrhundert“, wie Friedrichs schätzt, an dieser Stelle eine Besiedelung gegeben habe.

„Wir haben lange gedacht, diese Gegend sei zu dieser Zeit noch unbesiedelt gewesen. Erst in letzter Zeit finden wir Belege, dass hier zu dieser Zeit doch schon Menschen sesshaft wurden“, erklärt Friedrichs weiter. Die Dorfbildung Bramsches sei bislang in die Zeit Karls des Großen (768 bis 814) taxiert worden. „Es ist nun aber auch möglich, dass das schon deutlich vorher passierte“, meint der Archäologe.

Erschließung stellenweise gestoppt

Um diese Vermutungen weiter zu erhärten, sind die Erschließungsarbeiten in einem Teil des Baugebiets Stapelberger Weg zunächst gestoppt worden. „Eine Fachfirma aus Vechta wird in Abstimmung mit den Archäologen weitere Untersuchungen vornehmen“, so Hartmut Greife, der Leitende Baudirektor der Stadt Bramsche. Diese Arbeiten würden bereits am Donnerstag beginnen, „den Auftrag mussten wir sehr zügig vergeben“, berichtet Greife weiter. Die Kosten in Höhe von 92000 Euro habe die Stadt zu tragen. Rund zwei Monate könnten die Untersuchungen in Anspruch nehmen. „Das trifft uns natürlich in einer Phase, in der wir wegen der Erschließung und der Vergabe der Grundstücke unter einem gewissen Zeitdruck stehen“, meint Greife. Dennoch nehme die Stadtverwaltung nicht nur ihre gesetzliche Pflicht wahr, die archäologischen Untersuchungen einzuleiten. Denn: „Wir sind selber sehr gespannt, welche Erkenntnisse es am Ende geben wird“.

In dem nicht betroffenen Teil des Baugebiets laufen die Erschließungsarbeiten derweil weiter. „Dadurch hoffen wir, dass es keine größeren Verzögerungen geben wird“, führt Greife aus. Dass auch dieser Bereich noch archäologisch untersucht werden muss, schließt derweil Fachmann Axel Friedrichs aus: „Wir haben jetzt einen Bereich abgesteckt, in dem die Grenzen des Plaggenesch-Auftrags klar zu erkennen sind.“


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