„Prinzen“, Ro 80 und Co. Oldtimerfreunde treffen sich in Kalkriese

Von Yne Sommer


120 Oldtimerfans aus ganz Deutschland trafen sich am Wochenende, 13. und 14. August 2016, auf dem Campingplatz Waldwinkel in Kalkriese. Der Verein NSU-Prinz-Interessengemeinschaft hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Die NSU-Freunde organisieren diese Treffen regelmäßig , auch nach Italien geht es einmal im Jahr. Dann werden die alten Schätzchen aus Neckarsulm auf Anhänger verladen oder die stolzen Besitzer reisen sogar direkt in ihren Oldtimern an. Zu jedem Wagen gibt es eine Geschichte und bei solchen Treffen werden die Erlebnisse geteilt. Bei einem Bier oder einem Gläschen Sekt berichten die Teilnehmer in netter Runde von ihren neuesten Errungenschaften oder fachsimpeln über die verschiedenen Modelle.

Mit Martinshorn und Blaulicht

Claus Kynast ist 1. Vorsitzender der IG. Er ist mit seinem NSU Prinz ,Typ 110, aus Minden nach Kalkriese gekommen. Der ehemalige Polizist hat das betagte Schätzchen vor zwei Jahren als Zivilwagen gekauft und dann standesgemäß originalgetreu als Polizeiwagen restauriert. „Von denen wurden damals nur 31 Stück gebaut, Originalmodelle gibt es gar nicht mehr“, erzählt er. Sie wurden zur Verkehrsüberwachung und im Streifendienst eingesetzt und sollten in den 60er-Jahren eigentlich den Käfer als Dienstfahrzeug der Polizei ablösen. Komplett ausgerüstet mit Martinshorn und Blaulicht ging es dann am Samstag zur großen Ausfahrt durch das Osnabrücker Land, über Ibbenbüren und nach Melle . „Eigentlich muss das Blaulicht abgedeckt oder demontiert werden, aber ich denke, bei einer solchen Ausfahrt drücken meine ehemaligen Kollegen schon mal ein Auge zu“, schmunzelte Kynast.

Gilch und sein 15-jähriger Sohn Valentin aus Hildesheim sind mit dem Auto des Jahres 1968 gekommen: ein 1976´er NSU Ro 80. Dieser Wagen war seinerzeit ein Meilenstein der Automobilbautechnik. Ausgerüstet mit einem Wankelmotor mit stattlichen 115 PS, einer strömungsgünstigen Karosserie und zahlreichen anderen technischen Neuerungen wurde er, insbesondere für Audi, stilprägend für das Automobildesign der 80´er-Jahre. „Das Besondere an diesem Motor“, so erzählt Gilch, „ist, dass er immer leiser wird, je höher die Drehzahl ist“.

„Nie mehr laufen, Qickly kaufen“

An der Ausfahrt nahmen auch zahlreiche Mopeds des seinerzeit weltgrößten Zweiradherstellers teil. Darunter auch so schöne Modelle wie die Quickly-Cavallino von Andreas Maier aus Heilbronn. Das wunderschön restaurierte Motorrad mit italienischem Flair meisterte die ca. 80 Kilometer lange Strecke genauso problemlos wie ihre kleineren Quickly-Schwestern aus verschiedenen Baureihen; getreu dem Mottos: „Nie mehr laufen, Quickly kaufen“.

Erstes Serienfahrzeug mit Wankelmotor

Neben den vielen verschiedenen „Prinzen“ aus allen Baureihen, darunter einige getunte Exemplare aus der TT-Reihe, gab es auch inzwischen selten gewordene Exemplare zu bewundern. Das zweisitzige Cabriolet NSU Wankel-Spider beispielsweise war das weltweit erste Serienfahrzeug mit Wankelmotor und wurde oft scherzhaft als Frauen-NSU betitelt. Ein weiterer Exot war der nur 121-mal gebaute Sportwagen Thurner-RS auf Basis des NSU-Prinz 1200C. Ausgestattet mit einer Fiberglas/GFK-Karosserie und Flügeltüren war er einer der Hingucker dieses Treffens.

Die schon erwähnten TT´s, oft zu erkennen an der (zur Belüftung der luftgekühlten Motoren) offenen Motorhaube und den darunter zu erblickenden Doppel-Weber-Vergasern, waren in verschiedenen Versionen zahlreich vertreten. Sei es als Selbstumbau zum zweisitzigen Speedster oder in der Rennversion TTS, die auch heute noch erfolgreich an Rennen wie zum Beispiel dem Bergrennen in Borgloh teilnimmt.

Bei dem Treffen waren auch mehrere Händler vertreten, die die NSU-Enthusiasten mit den selten gewordenen Ersatz- und Tuningteilen versorgten, sei es als Originalteil oder in Kleinserien sorgfältig angefertigte Nachbauten.

Auch viele Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, um sich in nostalgischer Stimmung noch einmal ihre eigenen ersten Autos in Erinnerung zu rufen und im Original zu betrachten anzusehen.


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