Gemeinsamer Bürgermeister-Appell 380-kV-Stromtrasse: Jetzt geht es auch um Bramsche

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In der Debatte um eine zusätzliche, neue Stromtrasse kämpfen die Beteiligten nun mit härteren Bandagen. Foto: Marcus AlwesIn der Debatte um eine zusätzliche, neue Stromtrasse kämpfen die Beteiligten nun mit härteren Bandagen. Foto: Marcus Alwes

Bramsche. Entlang der Autobahn1 bis Hesepe? Auf dem ehemaligen Flugplatz Wittefeld? Oder im Niedersachsenpark? Auch in und um Bramsche schlägt der geplante Bau einer 380-kV-Höchstspannungsleitung und eines großen Umspannwerkes zunehmend höhere Wellen.

Außerdem verschärft sich im Ringen um den Verlauf einer neuen, zusätzlichen Stromtrasse bzw. den Standort des Mega-Trafos die Tonlage. In einer gemeinsamen Erklärung beispielsweise zeigen sich hochrangige Vertreter der Kommunen Bramsche, Rieste und Neuenkirchen-Vörden mehr als nur irritiert über eine gemeinsame Resolution der Samtgemeinden Bersenbrück und Artland sowie über ein tendenziell ähnliches Schreiben der Kreisverwaltung in Osnabrück.

Kritik an Baier-Vorgehen

„Die Stadt Bramsche und die Gemeinden Neuenkirchen-Vörden und Rieste appellieren an alle Beteiligten, sich an bisherige Absprachen zu halten und nicht zu versuchen, im laufenden Raumordnungsverfahren Lasten einseitig zu verteilen“, heißt es in der von Heiner Pahlmann, Hartmut Greife, Ansgar Brockmann und Sebastian Hüdepohl verfassten Stellungnahme. Die bisherige Gesprächsgrundlage von Kommunen, Ämtern und Bürgerinitiativen sieht das Quartett bedroht. „Ein solches Verhalten entzieht beispielsweise einem Runden Tisch, wie er zur Thematik des geplanten Umspannwerkes in Merzen eingerichtet wurde, komplett die Grundlage“, kritisieren sie mit Blick auf Bersenbrücks Verwaltungschef Horst Baier und dessen Mitstreiter.

Pahlmann: „Befremdlich“

Die Samtgemeinden Artland und Bersenbrück sowie die Bürgerinitiative „Bürger gegen 380 kV “ aus Gehrde hatten sich zuletzt öffentlich dafür starkgemacht, die bisher verworfene Prüfung eines möglichen Trassenverlaufs für die geplante 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung entlang der Autobahn1 (bis Hesepe) doch noch anzugehen. Ebenfalls waren unlängst aus den Reihen von Bürgerinitiativen im Nordkreis der ehemalige Flugplatz bei Vörden oder das Industrie- und Gewerbegebiet Niedersachsenpark als Umspannwerk-Standorte ins Gespräch gebracht worden. Vorschläge, die bisher als nicht realisierbar galten.

Die Reaktion aus Neuenkirchen-Vörden und Rieste darauf fällt entsprechend aus. „Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sowie der Stadt Bramsche nehmen dieses Vorgehen mit Erstaunen und Befremden zur Kenntnis“, heißt es aus der Gruppe um Heiner Pahlmann. Stattdessen fordert der Bürgermeister der Tuchmacherstadt „Sachlichkeit und Transparenz auf Grundlage der gemeinsamen Erklärung zur Arbeit im Dialogforum ,Runder Tisch‘ zur Umspannanlage im Raum Merzen.“ Und, so Pahlmann weiter: „Für die Planung einer 380-kV-Leitung von Conneforde über Cloppenburg nach Merzen ist vom Amt für regionale Landesentwicklung mit den sogenannten Trassenvarianten A, B, C und D3 ein sachlicher und räumlicher Untersuchungsrahmen festgelegt worden, der auf den im Gesetz definierten Endpunkt ,Merzen‘ ausgerichtet worden ist.“ Andere Varianten seien dagegen nicht ohne Grund bereits vom Amt für regionale Landesentwicklung, ArL, verworfen worden. „Aufgrund der bereits vorhandenen Wohn- und Gewerbeentwicklungen sowie naturschutzfachlicher Gegebenheiten kamen die Varianten D1 und D2 nicht für eine vertiefte Planung infrage“, sagt Neuenkirchen-Vördens Bürgermeister Ansgar Brockmann: „Dieser Sachverhalt war bereits im Sommer 2015 bekannt. Warum die genannten Stellen jetzt diesen Aktionismus betreiben, ist nicht nachzuvollziehen und entbehrt auch jeder sachlichen Grundlage.“

ArL soll neutral sein

Der Bramscher Pahlmann sieht im Verlauf der weiteren Gespräche auch die anderen Ämter und Verwaltungen in einer besonderen Verantwortung . Stünden Trassenalternativen und Standorte für eine Umspannanlage „aus nachvollziehbaren Gründen nicht zur Verfügung“, seien alle Verfahrensbeteiligten „an diese Entscheidungen gebunden“. Die Stadt Bramsche und die Gemeinden Neuenkirchen-Vörden und Rieste erwarten zudem vom Amt für regionale Landesentwicklung eine strikte Neutralität, so Pahlmann, wie sie bei der Auftaktveranstaltung in Oldenburg bereits im Jahre 2015 zugesichert worden sei.


Vier mögliche Trassenverläufe

Vier mögliche Trassenverläufe von Cloppenburg bis Merzen sind in der Diskussion: Die Korridore A, B und C würden dabei den Altkreis Bersenbrück von Norden nach Süden zerschneiden.

Das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) in Oldenburg legte inzwischen fest, dass die Variante D entlang der Autobahn 1 ebenfalls zu untersuchen sei. Diese Möglichkeit war zunächst vom zuständigen Netzbetreiber Amprion verworfen worden. Der Trassenkorridor D unterteilt sich wiederum in die drei Varianten D1, D2 und D3. Für eine umfassende Prüfung durch den Netzbetreiber Amprion – er ist mit dem Leitungsbau beauftragt – kommt jedoch bisher nur Korridor D3 infrage. Dieser verläuft von Cloppenburg bis Bakum und ab da entlang der Autobahn 1 bis Holdorf. Von dort zieht sich die Trasse vorbei an Gehrde, Bersenbrück, Alfhausen und Ueffeln bis nach Merzen.

Die Möglichkeiten D1 und D2 würden hingegen den Weg entlang der Autobahn1 weiter südlich bis auf Höhe Hesepe führen. Die Trasse könnte von hier nach Westen schwenken. „Berührt“ durch diese Pläne wären neben der Stadt Bramsche auch die Gemeinden Rieste und Neuenkirchen-Vörden.

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