Interview mit Ulrike Keppeler-Hood Bramscherin macht Wahlkampf für Hillary Clinton

Von Heiner Beinke


Bramsche. Beim Besuch in der alten Heimat verrät die gebürtige Bramscherin Ulrike Keppeler-Hood im Interview, warum sie seit 41 Jahren in den USA lebt und warum sie Wahlkampf für Hillary Clinton macht, obwohl sie sie nicht wählen darf.

Frau Keppeler-Hood, was führt sie mal wieder nach Bramsche?

Wir haben Grundstücksangelegenheiten in der Familie zu regeln. Ich habe aber auch noch viele Freunde hier, auch wenn ich seit 41 Jahren in den USA lebe. Zuletzt war ich davor 2014 hier.

Und Deutsch sprechen Sie immer noch ohne amerikanischen Akzent. Üben Sie zuhause?

Meine älteste Tochter spricht auch deutsch. Ich habe aber Probleme mit der Grammatik und der Satzstellung. Da muss ich schon öfter überlegen. Ich bin auch noch deutsche Staatsbürgerin, das habe ich meinem Vater zuliebe nie aufgegeben.

Damit dürfen Sie in den USA auch nicht den Präsidenten wählen. Trotzdem engagieren Sie sich in Ihrer Heimatstadt Charlotte im Wahlkampf für die Demokraten und Hillary Clinton. Warum?

Die demokratischen Frauen in Charlotte haben mich angesprochen. Die hoffen auch immer noch, dass ich die amerikanische Staatsbürgerschaft annehme. Vielleicht mache ich das auch noch mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Ich bin doch schon sehr amerikanisch. Das ist ein tolles Land mit sehr vielen sehr unterschiedlichen Regionen und Einflüssen. Aber ich bin eben auch noch die Tuchmachertochter aus Bramsche.

Was spricht aus Ihrer Sicht für Hillary Clinton?

Sie ist als Außenministerin auf allen Ebenen sehr erfolgreich gewesen. Da hat sie bewiesen, dass sie die richtige Frau für dieses Amt ist. Und Donald Trump macht mir Angst. Wenn der redet, erinnert er mich manchmal an jemanden, den wir in Deutschland am liebsten vergessen würden. Wir sind in den USA ein Mischmasch von Immigranten. Und da so eine Mauer bauen zu wollen, die die Mexikaner auch noch für Herrn Trump bezahlen sollen, das ist das Letzte.

Hat Hillary Clinton ein Glaubwürdigkeitsproblem?

Crooked Hillary, das ist auch so ein Schlagwort von Donald Trump. Der Mann ist ja voller Schlagwörter. Hillary Clinton hat eine doppelte Front gegen sich: Einmal als Frau, dann steht sie für die Clinton-Dynastie, die die Republikaner erbittert bekämpfen. Ich glaube, Hillary Clinton hat sich nichts vorzuwerfen, sie hat sich in vielen Arenen bewährt. Viele Menschen haben die Nase voll von der Zerrissenheit im politischen System. Ich hoffe, dass bei der Wahl die kühleren Köpfe gewinnen und dass diese Hetze, die Herr Trump betreibt, keinen Anklang beim Publikum findet.

Viele Deutsche sind fassungslos, wie häufig in den USA Schwarze bei Polizeieinsätzen getötet werden. Wie erklären Sie sich das?

Das ist ein heikles Thema, aber für mich nicht überraschend. Ich habe zweirassige Kinder und sehr viel mit Minderheiten zu tun. Meine Kinder haben schwarze, weiße und grüne Freunde aus allen Regionen, da ist das nicht so ausgeprägt. Aber es gibt einen institutionalisierten Rassismus, der sich in verschiedenen Formen ausdrückt. Da gibt es Brutalitäten und Ausschreitungen. Dadurch, dass die Polizisten mit Bodycams ausgestattet sind, wird das jetzt dokumentiert. Das ist eine Sache, die nur durch offene Diskussion beseitigt werden kann. Ein anderer Grund sind die vielen Waffen, die wir haben. Diese verständliche Angst der Polizisten, dass jemand eine Waffe haben könnte, ist ein häufiger Grund für die Vorfälle. Wichtig ist auch Aufklärungsarbeit in den problematischen Gemeinden, damit die Bürger die Polizisten mehr als Partner und nicht als Gegner sehen.