BN-Serie Wirtschaft im Porträt Schleptruper Tischlerei Holtze ist eine Familiensache

Von Christoph Lützenkirchen

Familiensache: René und Annefriede Holtze mit den Kindern Inken und Björn vor der Tischlerei, in der sie gemeinsam arbeiten. Foto: Christoph LützenkirchenFamiliensache: René und Annefriede Holtze mit den Kindern Inken und Björn vor der Tischlerei, in der sie gemeinsam arbeiten. Foto: Christoph Lützenkirchen

Bramsche. In unserer BN-Serie „Der Rote Faden - Bramscher Wirtschaft im Porträt stellen wir Unternehmer aus der Region vor. Heute geht es um die Tischler Annefriede und René Holtze.

An erster Stelle steht die Familie. Der Erfolg des Betriebs ist wichtig, gearbeitet wird viel. Doch wenn es darauf ankommt, geht die Familie vor. Das wird im Gespräch mit Annefriede und René Holtze deutlich. Für die Familie werden Opfer gebracht; im Fall der Holtzes ziemlich große Opfer. Sonst wären die beiden 49-jährigen Tischler heute nicht in Bramsche, sondern vermutlich noch in Hodenhagen südlich von Walsrode.

Ortswechsel

In der Heimat von René Holtze hatte sich das Paar seit 1994 eine Existenz aufgebaut. Aus bescheidenen Anfängen war eine Tischlerei mit acht Mitarbeitern entstanden. „Wir waren so gut etabliert, dass aus zehn Angeboten acht Aufträge wurden“, erzählt Holtze: „Das Geschäft war ein Selbstläufer.“ Trotzdem gaben die beiden Tischler im Jahr 2000 ihren Betrieb in Hodenhagen auf, um sich in Bramsche niederzulassen. Im Ortsteil Schleptrup lebte die Mutter von Annefriede Holtze auf dem Hof ihrer Eltern bei ihrem Bruder mit Familie. „Sie wollte unbedingt dort bleiben“, erinnert sich die Tischlerin. Und da man „alte Bäume nicht verpflanzen“ sollte wollte sich die junge Familie um die Mutter kümmern. René Holtze und seine Familie leben mit der Schwiegermutter im Dreigenerationenhaushalt unter einem Dach. „Sie hat uns immer den Rücken frei gehalten“, sagt der 49-jährige. In den Jahren 1993 und 1995 waren die Kinder Inken und Björn zur Welt gekommen. Der Entschluss zur Selbstständigkeit hing unmittelbar damit zusammen. Schon nach kurzer Zeit hatte Annefriede Holtze festgestellt, dass sie sich als Hausfrau und Mutter nicht ausgelastet fühlte. Mit der Selbstständigkeit konnten die beiden Familie und Arbeit harmonisch miteinander verbinden.

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Rollen klar verteilt

„Er ist der Chef“, sagt Annefriede Holtze ohne zu zögern. Die Rollen sind klar verteilt. Allerdings ist die 49-jährige ebenso klar nicht ‚nur‘ die Frau des Chefs. In Sachen Holz ist sie bestens qualifiziert. Nach dem Abitur in Bielefeld absolvierte sie eine Tischlerlehre. Ihr eigentliches Ziel war zunächst aber nicht dieser Beruf, sie wollte Musikinstrumente restaurieren. Während der Schulzeit hatte sie viel musiziert, nun wollte sie etwas Handwerkliches machen. „Den Restaurator als Ausbildungsberuf gab es aber noch nicht“, sagt Holtze. Nach Abschluss der Tischlerlehre stieg sie deshalb direkt in eine zweite Berufsausbildung zum Instrumentenbauer ein. Das war in Heidelberg. Im Moment bleibt der Tischlerin nicht genügend Zeit für den Bau von Instrumenten. Annefriede Holtze hofft deshalb darauf, diese Leidenschaft zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen zu können.

Traumberuf

Schon in der sechsten Klasse habe er davon geträumt, später einmal Tischler zu werden, erzählt René Holtze. Er war 16 Jahre alt, als er den Traum verwirklichte und eine Tischlerlehre begann. Es folgten Arbeitsphasen in verschiedenen Betrieben, seinen Zivildienst absolvierte er in einer Tischlerei mit ehemaligen sucht- und psychisch kranken Menschen. „Ich wollte möglichst viel, von möglichst unterschiedlichen Kollegen lernen“, sagt er. Für seine Frau verließ er schließlich die Heimat und siedelte nach Heidelberg um. Auch dort war er in verschiedenen Betrieben tätig. Außerdem absolvierte er in zweieinhalb Jahren Abendschule die Weiterbildung zum Meister des Tischlerhandwerks. Gemeinsam zogen Holtzes 1993 von Heidelberg in René Holtzes Heimat Hodenhagen. Er arbeitete eine Zeit lang als Meister in einer Bau-, und Möbeltischlerei mit 60 Mitarbeitern. Ein Jahr später machte das Paar den Schritt in die Selbstständigkeit.

Neustart

In Hodenhagen lief für Holtzes alles perfekt, und doch entschied sich das Paar für den Wechsel nach Bramsche. Der Neustart war nicht leicht. Ein Marktforscher hatte davon abgeraten, sich in Schleptrup als Tischler niederzulassen. „Es gab damals 17 Tischlereien im Einzugsbereich“, erinnert sich Annefriede Holtze. Das Paar begann mit einem Montagefahrzeug und kombinierten Maschinen. Doch das Glück war mit der jungen Familie: Sie lernten die Witwe Ellen Vullbrock kennen. Nach dem Tod ihres Mannes musste sie die gleichnamige Tischlerei auflösen. Holtzes konnten Kleinmaschinen erwerben, außerdem vermittelte ihnen Frau Vullbrock erste Kunden. Das war ein wichtiger Schritt in den neuen Markt. Schnell wuchs der Kundenkreis, es hatte sich offenbar herumgesprochen, dass man von der Tischlerei Holtze zuverlässige Leistungen erhielt. „Wir konnten in vielen Bereichen Problemlöser werden“, beschreibt René Holtze die Entwicklung. 2001 beschäftigte das junge Unternehmen neben den beiden Chefs schon einen Tischler und einen Tischlerhelfer.

Weiterbildung

Seinem Motto, möglichst viel von vielen Leuten hinzuzulernen, ist René Holtze auch als Tischlermeister treu geblieben. Im Laufe der Jahre erwarb er diverse Zusatzqualifikationen, um die Attraktivität seines Betriebes zu steigern. Ein wichtiger Schwerpunkt wurde der Bereich der Sicherheitstechnik. Die Tischlerei ist als sogenanntes „Errichterunternehmen von mechanischen Sicherungseinrichtungen“ beim Landeskriminalamt gelistet. Außerdem informiert Holtze zusammen mit der Polizei auf Wochenmärkten und Immobilienmessen zu dem Thema. Er beschäftigte sich mit der Instandsetzung von Fenstern mithilfe des Systems ‚Window Care‘. Als zusätzliches Standbein arbeitet die Tischlerei seit 2006 für einen Großkunden aus Hamburg. „Da waren unsere Kontakte aus der Zeit in Hodenhagen hilfreich“, sagt René Holtze. Das Bramscher Unternehmen hat für den Kunden ein spezielles Computerterminal entwickelt und über 20 Stück davon gebaut. Der Service und die Wartung dieser Terminals und 40 weiterer gehört seitdem zum Leistungsumfang der Tischlerei. Annefriede Holtze arbeitet von Fall zu Fall als Tischlerin im Familienbetrieb mit. Die Verwaltung des Unternehmens liegt ganz bei ihr. „Zur Zeit haben wir für neue Aufträge eine längere Vorlaufzeit“, sagt sie: „Unsere Kunden respektieren das.“ Mehr Mitarbeiter wollen sie und ihr Mann momentan nicht einstellen. So sind sie selbst regelmäßig mit auf den Baustellen, nehmen Maß und montieren später die fertigen Produkte.

Leidenschaften

Seit über 20 Jahren leben und arbeiten Annefriede und René Holtze miteinander. Sie wirken dabei hochzufrieden, harmonisch und noch immer unternehmungslustig. „Wir sind beide leidenschaftliche Tischler“, sagt Annefriede und René erklärt: „Wir mögen es, gemeinsam zu arbeiten.“ Als Ausgleich zum Alltag treiben sie viel Sport, sie besuchen Konzerte („von Klassik bis Wacken“) und sind mit Freunden unterwegs. Das Paar hat Freunde in Südafrika, die schon häufiger besucht wurden. Ihr Sohn hat die zehnte Klasse an einer südafrikanischen Schule absolviert, auch sein Freiwilliges Soziales Jahr verbrachte er in dem Land. Die Tochter ging nach dem Abi als Aupair nach Spanien. Holtzes nutzten das als Urlaubsmöglichkeiten. Allerdings seien mehr als vierzehn Tage am Stück sind nicht drin, sagt der Tischlermeister. Sein Handy schaltet er im Urlaub nur einmal am Tag ein, um zu hören, ob zu Hause alles in Ordnung ist. Es gelingt nicht immer, den Betrieb zu schließen. Im Ernstfall werden Notdiensteinsätze für die Kunden organisiert.

Gute Entwicklung

Mit der Entwicklung ihrer Tischlerei in Bramsche sind die Holtzes rundum zufrieden. Privatleben und Arbeit laufen bei Ihnen parallel, sodass sie übereinstimmend erklären: „Wir machen uns keine Gedanken darüber, wie viele Stunden wir in der Woche arbeiten.“ Zwar arbeiten beide Kinder neben Beruf und Studium im Betrieb mit; doch ob einer von ihnen das Unternehmen später einmal übernehmen möchte, spielt in den Überlegungen von Annefriede und René Holtze vorerst keine Rolle. „Der Betrieb war unser Traum“, sagt der Tischlermeister: „Die Kinder dürfen ihre eigenen Träume leben“.


In der Tischlerei Holtze sind vier Personen in Vollzeit tätig. Neben Tischlermeister René Holtze sind das seine Frau Annefriede, ein Tischlergeselle und ein Auszubildender. Nebenberuflich übernehmen die Tochter des Handwerkerehepaares, Inken Holtze, und der Sohn, Björn Holtze, Aufgaben im Unternehmen. Außerdem beschäftigt das Unternehmen zwei weitere Aushilfen. Die Leistungen der Tischlerei umfassen die Bereiche Sicherheitstechnik, Reparaturen jeglicher Art, Möbelbau, Insektenschutz und Innenausbau. Zum Bereich Innenausbau gehören unter anderem Fußböden, Decken, Zimmertüren, Fenster, Außentüren und Rollläden. Seit 2015 verfügt der Betrieb über ein hochmodernes, computergesteuertes CNC- Bearbeitungszentrum. „Damit können wir auf einer Maschine komplette Möbel herstellen“, erklärt Annefriede Holtze. Sie hat sich in die zugehörige Software eingearbeitet. Der Möbelbau soll in Zukunft ein neuer Schwerpunkt im Leistungsspektrum werden. Mithilfe der Maschine sei es möglich, individuelle Möbel zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten, so Holtze. Die Kunden des Unternehmens kommen aus einem Umkreis von durchschnittlich 30 Kilometern. Es sind zu 95 Prozent Privatkunden.

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