Bis zu 55 Beschäftigte sollen bleiben Heyform: Espelkamp statt Engter – aber mit mehr Personal

Der Automobilzulieferer wird nicht in Engter bleiben, sondern Vertrieb, Entwicklung, Verwaltung und einen Rest der Fertigung ins Ostwestfälische verlegen. Foto: Marcus AlwesDer Automobilzulieferer wird nicht in Engter bleiben, sondern Vertrieb, Entwicklung, Verwaltung und einen Rest der Fertigung ins Ostwestfälische verlegen. Foto: Marcus Alwes

Engter. Der Automobilzulieferer Heyform wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nun doch seine Zelte in Engter in Gänze abbrechen. Vertrieb, Entwicklung, Verwaltung und – durchaus überraschend – ein Rest der Produktion sollen zur Jahreswende 2016/17 komplett nach Espelkamp verlagert werden. Diese Absicht hat das Geschäftsführer-Duo Klaus-Magnus Junginger und Holger Pens gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

Mit einem anderen Automobilzulieferer in Ostwestfalen sei eine entsprechende Absichtserklärung („Letter Of Intent“) unterzeichnet worden, erklärten die beiden Heyform-Lenker. Dabei handelt es sich um das Unternehmen Johnson Controls, das vor allem naturfaser-basierte Autositze und Lehnenabdeckungen produziert . Johnson Controls lässt seinen Standort in Espelkamp fallen und veräußert einen Teil an Heyform.

Sitzrückenverkleidungen für Daimler, Porsche und PSA

Ursprünglich hatte die Heyform Bramsche GmbH geplant, ihre vollständige Fertigung aus Kosten- und Wettbewerbsgründen in einem halben Jahr nach Timisoara in Rumänien zu verlegen. Nur Vertrieb, Entwicklung und Verwaltung sollten demnach mit insgesamt 25 Beschäftigten bei Engter bleiben. Mehr als 200 Mitarbeiter der Produktion an der Heywinkelstraße hätten dagegen ihren Arbeitsplatz verloren. Letztgenannte Zahl wird sich nun reduzieren, denn der Heyform-Wechsel nach Espelkamp ist auch mit einem Teilerhalt der Fertigung dort verbunden. „Wir werden also 30 weiteren Personen ein Angebot machen, mit uns nach Espelkamp zu gehen“, kündigt Geschäftsführer Pens an. Produziert werden dort dann Sitzrückenverkleidungen für die Kunden Daimler, Porsche und PSA Peugeot/Citroen.

Aushang für Belegschaft

Pens und Junginger hoffen, aus dem Letter of Intent schon bald endgültige Verträge machen zu können . Die Belegschaft in Engter jedenfalls ist inzwischen durch einen Aushang des Betriebsrates und eine schriftliche Bekanntmachung der Geschäftsführung über die neue Entwicklung informiert worden. In der kommenden Woche solle eine weitere Informationsveranstaltung folgen, so Pens. Der Heyform-Betriebsratsvorsitzende Dietmar Schminkel begrüßte die Ankündigung, dass nicht nur 25, sondern wohl 55 Beschäftigte die Chance erhalten, in der Region ihren Job zu behalten – auch wenn sie demnächst einen 45-km-Fahrtweg bis nach Espelkamp in Kauf nehmen müssten. „Seitdem wir den Aushang bei uns am Schwarzen Brett veröffentlicht haben, keimt bei einigen Kollegen natürlich Hoffnung. Das ist spürbar“, beschreibt Schminkel die vergangenen Stunden.

„Es keimt Hoffnung“

Der Betriebsratsvorsitzende bekräftigte jedoch, dass trotzdem parallel die Gespräche über die konkrete Ausgestaltung und das Volumen der angekündigten Transfergesellschaft und eines Sozialplans bei Heyform weiter mit Nachdruck vorangetrieben werden sollen. Denn immerhin stünde noch der Arbeitsplatzverlust für 170 oder mehr Beschäftigte im Raum. „Und für diese Kollegen müssen wir neue Jobs finden, und wir müssen für sie Weiterbildungsangebote schaffen“, so Schminkel. Betriebsrat und Gewerkschaft seien sich hier einig.


Heyform am Standort Bramsche-Engter:

Die von Klaus-Magnus Junginger und Holger Pens seit dem Frühjahr 2016 geführte Heyform Bramsche GmbH (vor allem Fertigung von Kofferraum- und Innenraumverkleidungen sowie Funktionsteilen wie Dämmungen und Dämpfungen) ist ebenso eine Nachfolgegesellschaft der früheren Julius Heywinkel GmbH wie das benachbarte Unternehmen Heytex, das sich um die Herstellung beschichteter technischer Textilien und Gewebe kümmert. Beide Gesellschaften agieren jedoch seit geraumer Zeit unternehmerisch völlig getrennt voneinander. Heytex hat inzwischen aber die Gebäude und Hallen von Heyform erworben, die ab Januar 2017 leerstehen werden. Heytex als Produzent technischer Textilien habe am Standort in Engter Platzbedarf. Man wolle hier investieren und expandieren, kündigt Geschäftsführer Heribert Decher an.

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