Gastro-Krise Bramsche: Abschied von „Schwöppe“ – Penterknapp geschlossen

Von Marcus Alwes und Björn Dieckmann


Kalkriese/Pente. Eine Abschiedsparty noch, dann ist das Gasthaus Schwöppe in Kalkriese Geschichte. Geschlossen hat derweil auch das Kaffeehaus Penterknapp – ob endgültig oder nur vorübergehend, ist allerdings noch nicht bekannt.

Mit einer Abschiedsparty geht am kommenden Freitag, 15. Juli 2016, endgültig eine Ära in Kalkriese zu Ende. Die des Gasthauses Schwöppe, das für immer seine Pforten schließt.

„Natürlich kann am Freitagabend jeder kommen“, sagt Noch-Wirtin Margret Schütte, „manches Getränk wird frei sein, anderes gibt es zu kleinen Preisen.“ Die Vorstände der örtlichen Vereine, Kunden, Nachbarn und Freunde seien informiert. Der Abschied wird auf dem Hof gefeiert, Imbiss- und Bierwagen seien bestellt. Ebenso einige Musiker.

Fünf Jahrzehnte Gastwirtin

Rund fünf Jahrzehnte als Gastwirtin liegen dann hinter der heute 67-jährigen Margret Schütte. „Irgendwann ist es gut gewesen. Alle sagen zwar, dass es schade ist. Aber ein Nachfolger war nicht zu finden“, erklärt die Gastronomin. Ihre beiden eigenen Kinder haben andere Lebenspläne. Das gelte es zu respektieren.

Den allgemein spürbaren Rückgang an Gaststätten und Kneipen in vielen Orten der Region hat auch Schütte registriert. „Ein Gasthaus zu betreiben, ist sehr arbeitsaufwendig“, betont sie. Das wolle heute kaum noch jemand machen. „Des Öfteren habe ich nachts bis 2 Uhr Gäste bewirtet. Und am anderen Morgen gingen die nächsten Vorbereitungsarbeiten um 6 Uhr weiter“, sagt Schütte: „Und sich für alles Personal zu nehmen, ist für eine Gaststätte kaum noch bezahlbar.“

Letzte Besuche von Vereinen

Zu denen, die der Kalkrieserin zwar den Ruhestand gönnen, aber als Gruppe auch darüber traurig sind, gehören auch die Schützenvereinsbrüder aus Campemoor. Seit rund fünf Jahrzehnten steuern sie zum Beispiel immer dann das Gasthaus Schwöppe an, wenn sie frisch die Birken für ihr Schützenfest schlagen. So auch am zurückliegenden Wochenende. „Dann kehren wir hier ein und trinken noch ein leckeres Bierchen“, schmunzelt Rainer Duffe. Und der emsige Chef der Campemoorer Schützen weiß nur zu genau, es bleibt in der Regel nicht bei einem Getränk. Duffe lässt zusammen mit seinen Schützenbrüdern - diesmal wurden sie ganz pragmatisch in der Garage bei Schwöppe bewirtet - ein dreifaches „Horrido“ auf die Wirtin folgen.

Gebäude verkauft

Und es scheint, als könnten nicht nur die Campemoorer kaum glauben, dass das Gasthaus tatsächlich in wenigen Tagen ein Stück Bramscher Geschichte sein wird. Margret Schütte jedenfalls hat klare Vorstellungen von den nächsten Monaten und Jahren. Sie zieht demnächst in einen Bungalow um. „Und dann heiratet eine unserer beiden Töchter in Köln“, verrät sie. Auch ein Auslandsurlaub ist geplant. „Wir werden Bekannte auf Mallorca besuchen. Die haben da ein Anwesen“, sagt sie. Dann wird sie auch das Noch-Schwöppe-Gebäude, das sie verkauft hat, längst in andere Hände übergeben haben. „Ein Tiermediziner zieht hier mit seiner Familie ein“, verrät sie. Dieser werde die Räume des Hauses „rein privat nutzen“.

„Penterknapp“ geschlossen – Gründe noch unbekannt

Der Betrieb ruht derweil seit Ende Juni auch im Kaffeehaus, Hotel und Restaurant „Penterknapp“. Die Gründe sind allerdings noch unbekannt, die Betreiber-Familie Senger war bislang weder telefonisch noch per E-Mail zuerreichen. Bekannt ist, dass das Haus stark unter dem Ausbau der Bundesstraße 68 gelitten hat . Eine direkte Zufahrt von der Bundesstraße aus wie früher gibt es nicht mehr, dadurch reduzierte sich die Zahl der spontan Einkehrenden offenbar erheblich. Potenzielle Übernachtungsgäste gingen nach früheren Erläuterungen der Betreiber-Familie des Öfteren davon aus, dass sie im „Penterknapp“ quasi an einer Autobahn übernachten müssten – weil das Lokal mit Hotel eben immer noch in unmittelbarer Nähe zur Bundesstraße liegt.

In der Folge wurde das Grundstück mit einer Größe von fast 7000 Quadratmetern im Jahr 2013 zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben . Knapp ein Jahr später übernahm Stefan Senger als Pächter den Betrieb von seinen Eltern Sabine und Werner Senger , die das Ausflugslokal Ende der 1980er-Jahre übernommen hatten.

Lange Geschichte

Das Kaffeehaus auf dem gleichnamigen Hügel hat eine ebenso lange wie wechselvolle Geschichte. Ursprünglich als Rast für Kutscher und Pferde gedacht, wurde das Haus 1890 von der Familie Lohmeyer übernommen und in ein Gasthaus umgewandelt, 1907 nach einem Brand wiederaufgebaut, Teile des Gebäudes entstanden in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, mehrere Umbauten folgten, zuletzt kam 1998 ein Hotel- und Saalneubau dazu.

Ob der Penterknapp nun für immer geschlossen worden ist, nur vorübergehend oder ob womöglich ein neuer Betreiber übernimmt – das ist im Moment nicht einmal in Pente selbst bekannt.


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