BN-Interview zum Brexit Bramsche-Todmorden: Partnerschaft wichtiger denn je

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Bramsche. Bramsches englische Partnerstadt Todmorden hat mehrheitlich für das Ausscheiden aus der EU gestimmt. Auf die Kontakte zwischen den Bürgern beider Städte wird das aber vorerst keine negativen Auswirkungen haben, sagt Sabine Winkelmann vom Städtepartnerschaftsverein.

Frau Winkelmann, als Sprecherin der England-Sektion des Bramscher Städtepartnerschaftsvereins verfügen sie über zahlreiche Kontakte in der Partnerstadt Todmorden. Am 24. Juni haben sich die Briten mit knapper Mehrheit für „out“, also den viel zitierten Brexit entschieden. Wie hat Todmorden gewählt?

Todmorden hat sich mit deutlicher Mehrheit für den Brexit entschieden und lag damit genau im Trend von Yorkshire, wo auch mit überwältigende Mehrheit für den Austritt gestimmt wurde.

Haben Sie von Ihren englischen Freunden etwas über die Gründe gehört?

Bei unserem letzten Besuch habe ich mit einigen älteren Freunden aus Todmorden gesprochen, die einfach nur so Sympathie für den Austritt äußerten. Häufig ist dort ein Gefühl „Brüssel bestimmt über uns, in Brüssel sind nur Bürokraten und wir haben kein Recht mehr unsere eigenen Beschlüsse zu fassen“. Ein weiteres ganz großes Thema war die Einwanderung.

Es ist also schon in Todmorden wie im Landestrend: die Jungen für „in“, die Älteren für „Out“?

Ja, so hat es sich mir vermittelt.

„Feeling so sad“, hat eine ihrer englischen Bekannten den Brexit kommentiert. Ist das durchgehend die Meinung der Menschen, die sich in der Städtepartnerschaft engagieren?

Nicht unbedingt. Ich glaube, dass auch unter den aktiven „Town twinners“, wie wir sagen, das Abstimmungsverhalten gemischt ist. Da die meisten doch deutlich 65plus sind, dürfte auch hier das Abstimmungsverhalten klar in Richtung „Out“ gegangen sein. Das kann man allerdings nicht auf die Einstellung zur Städtepartnerschaft übertragen. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Die EU ist das Eine, man fühlt sich bevormundet, aber die Städtepartnerschaft zu Bramsche ist nach wie vor sehr positiv besetzt. Wir hatten in diesem Jahr unter den Besuchern auch etliche jüngere Leute, die sich alle hier sehr wohl gefühlt habe. Die allgemeine Stimmung und die persönlichen Kontakte scheinen mir wirklich zwei verschiedenen Ebenen zu sein. Die persönlichen Kontakte werden bleiben. Das ist wichtig und gut.

Könnten Sie sich Faktoren vorstellen, die nach dem Brexit die Partnerschaft negativ beeinflussen könnten?

Im Moment ist das alles noch unkompliziert. Sollte man aber wieder ein Visum beantragen müssen oder sollte sich der Wechselkurs negativ entwickeln, könnten die damit verbundenen finanziellen Belastungen die Entscheidung, an Fahrten teilzunehmen sicherlich beeinflussen. Wir können dann ja auch keine EU-Zuschüsse für den Austausch mehr beantragen.

Könnte der Brexit andererseits die Idee der Städtepartnerschaften nicht sogar stärken? Etwa nach dem Motto „Nie war sie so wertvoll wie heute?

Ja, ich glaube, dass solchen persönlichen Austauschmöglichkeiten, wie in Schule, Sport, Kultur wieder eine verstärkte Bedeutung zukommen wird. Der ursprüngliche Gedanke der Städtepartnerschaften, der Gedanke des persönlichen Kennenlernens, der privaten Kontakte , hat sehr viel Positives bewirkt.

Sind Ihnen Engländer bekannt, die nach Deutschland gekommen sind, und die jetzt beispielsweise berufliche Probleme fürchten?.

Nicht über die Städtepartnerschaft, aber ich kenne natürlich viele Briten, die seit vielen Jahren in Deutschland arbeiten. Für sie wird die berufliche Freizügigkeit, die für alle EU-Bürger gilt, natürlich dann nicht mehr gelten. Theoretisch hätte ein Engländer dann den gleichen Status wie jemand , der aus Pakistan oder Indien kommt.

Wie ist die Stimmung in der Partnerstadt. Gibt es auch Stimmen, die ein zweites Referendum vorstellen könnten, wie jetzt in einer Petition gefordert?

Eher nicht. Die privaten Gespräche sind zurzeit eher vom Fußball geprägt, dem Doppel-Brexit sozusagen. Aber ich habe durchaus Freunde, die jetzt Angst für der Zukunft haben, beruflich oder was die wirtschaftliche Entwicklung angeht . Gerade auf die jungen Menschen trifft das zu. Aber andererseits haben sich auch nur 30 Prozent der jüngeren Briten an der Abstimmung beteiligt. Da darf man dann eigentlich nicht klagen. Offenbar hat niemand geglaubt, dass es wirklich zum Austritt kommt, man wollte eher der Regierung einen Denkzettel erteilen. Ich selbst habe zwar ein enges Ergebnis erwartet, aber für den Verbleib. Und so war es auch bei meinen englischen Gesprächspartnern.