Der Tag nach dem Job-Schock Rasche Einigung über Sozialplan bei Heyform in Engter?

Eine Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft samt Verwaltung soll in diesem Gebäudekomplex verbleiben. Foto: Marcus AlwesEine Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft samt Verwaltung soll in diesem Gebäudekomplex verbleiben. Foto: Marcus Alwes

Engter. Der Zeitplan ist ehrgeizig. Bis zum 31. Dezember 2016 möchte die Heyform Bramsche GmbH die angekündigte Verlagerung ihrer Produktion nach Rumänien verwirklicht haben. Das hat Geschäftsführer Klaus-Magnus Junginger im Gespräch mit unserer Redaktion als Ziel ausgegeben.

Geht es nach den Plänen der Unternehmensführung, bleibt Engter jedoch weiterhin der offizielle Hauptsitz des Automobilzulieferers. Und zwar als Standort einer neuen, zu gründenden Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft, die samt der Heyform-Firmenverwaltung in den bisherigen Räumen in Engter untergebracht wird. „Stand heute sollen es etwa 20 bis 30 Mitarbeiter sein, die dann hier angestellt sein werden“, verdeutlicht Junginger seine Überlegungen.

Rund 250 Beschäftigte hat Heyform aktuell noch.

200 verlieren ihren Job

200 Arbeitskräfte – oder sogar etwas mehr – würden dagegen ihren Job verlieren, denn die Heywinkelstraße in Engter wäre nicht mehr Produktionsstandort. Die Fertigung von Kofferraum- und Innenraumverkleidungen sowie Funktionsteilen wie Dämmungen und Dämpfungen würde künftig zum einen in Tschechien (hier besteht seit dem Frühjahr 2015 bereits ein Werk) und zum anderen in Rumänien erfolgen .

Schon in den kommenden Tagen dürften bei Heyform in Bramsche deshalb die Interessenausgleich- und Sozialplanverhandlungen beginnen. Der Unternehmensführung sitzt dann der Betriebsrat gegenüber. „Ich will diesen Gesprächen nicht vorgreifen“, sagt Junginger, „wir brauchen aber eine schnelle Einigung.“

Der Betriebsratsvorsitzende Dietmar Schminkel ( „Wir brauchen einen vernünftigen Sozialplan“ ) hätte sicherlich nichts gegen ein rasches Abkommen, wenn am Ende aus Sicht der Arbeitnehmer das Ergebnis stimmt. Gegenüber unserer Redaktion kündigte er an, auch den Gedanken einer Transfergesellschaft in die Verhandlungen einbringen zu wollen. „Wir haben bisher nur ein Gespräch geführt“, sagt Schminkel über den Dialog mit Junginger seit der Bekanntgabe der Grundsatzentscheidung, Engter als Produktionsstandort aufzugeben.

Der Arbeitnehmervertreter ist seit 25 Jahren Betriebsratsmitglied. In den vergangenen Jahren hat er somit sämtliche Höhen und Tiefen bei Heyform mitgemacht. Er kennt das Unternehmen aus dem Effeff. „Gerüchte über Verkäufe oder Verlagerungen gab es seit eineinhalb Jahren immer mal wieder“, erinnert sich Schminkel, „die gingen natürlich auch im Betrieb rund. Doch es blieb bei Gerüchten.“ Zu Beginn dieser Woche kam es allerdings anders. Am Dienstagmittag bestellte die Unternehmensführung Schminkel, dessen Sommerurlaub eigentlich gerade begonnen hatte, per Anruf im Betrieb in Engter ein. Die einschneidenden Umstrukturierungen wurden der Belegschaft verkündet.

Junginger: Kostendruck ist wesentliches Argument

Vor allem einen anhaltenden Kostendruck auf das Unternehmen Heyform – übrigens nicht zu verwechseln mit der unabhängigen Nachbarfirma Heytex – hatte Junginger zuletzt als wesentliches Argument für die Verlagerung der Produktion nach Rumänien ins Feld geführt. Ein Konzept, durch das die GmbH insgesamt und auch der künftig verbleibende Rest-Standort Bramsche Kraft tanken und gesunden sollen.

Spannend bleibt aber auch die Frage, wer denn künftig die bisherigen Fertigungshallen von Heyform in Engter mieten oder erwerben wird. „Wir bemühen uns um eine alternative Nutzung“, sagt Junginger, „es gibt verschiedene Gespräche“. Ausgang offen.


Heyform Bramsche GmbH

Im Jahre 1913 rief Julius Heywinkel eine Segeltuchweberei in Osnabrück ins Leben. Der kinderlose Fabrikant verkaufte das Unternehmen später an den Automobilhersteller Karmann, der schließlich sein Kunststoffgeschäft in die damals gegründete Julius Heywinkel GmbH einbrachte.

Nach der Veräußerung durch Karmann wurde die GmbH letztlich in den Automobilzulieferer Heyform und den Textilbereich Heytex aufgeteilt. Es entwickelten sich seit dem Jahr 2013 zwei völlig unabhängig voneinander agierende Firmen. Beide sind allerdings immer noch räumlich Nachbarn und beide in Hallen und Gebäuden an der Heywinkelstraße in Engter an der L 78 beheimatet.

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