Interview mit dem Vorsitzenden Bramscher Bürgerstiftung stört Niedrigzinsphase

Lothar Lewandowsky ist seit ihrer Gründung im Jahr 2005 Vorsitzender der Bramscher Bürgerstiftung. Foto: Heiner BeinkeLothar Lewandowsky ist seit ihrer Gründung im Jahr 2005 Vorsitzender der Bramscher Bürgerstiftung. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Im nächsten Jahr wird Lothar Lewandowsky den Vorsitz bei der Bramscher Bürgerstiftung niederlegen, den er seit der Gründung im Jahr 2005 innehat. Im Interview äußert sich der ehemalige Bürgermeister über die Gründe, das bevorstehende Bürgerpicknick und die Probleme, die alle Stiftungen mit der Niedrigzinsphase haben.

Herr Lewandowsky, im nächsten Jahr wollen sie den Vorsitz der Bürgerstiftung abgegeben, den sie seit der Gründung 2005 inne gehabt haben. Warum?

Das gibt unsere Satzung nicht anders her. Ich bin drei Mal wieder gewählt worden, mehr lässt unsere Satzung nicht zu. Bis dahin wird es für die Nachfolge einen vernünftigen Vorschlag geben, aber das entscheidet letztlich der Stiftungsrat. Ich hätte aber sowieso nicht mehr lange machen wollen. Ich bin 82, werde in diesem Jahr noch 83. Im nächsten Jahr bin ich dann kein Stiftungsvorstandsmitglied mehr, aber das schließt bestimmt nicht aus, dass ich noch weiter mithelfe.

Jetzt steht aber erst einmal das Bürgerpicknick auf dem Münsterplatz an, der in diesem Jahr eine Baustelle ist. Kann alles normal ablaufen?

Das kann deswegen normal ablaufen, weil die Baustelle ja nur auf einem Streifen des Münsterplatzes eingerichtet ist. Der Rest bleibt für uns übrig. Es wird alles ein wenig enger gestellt als sonst und wahrscheinlich müssen wir einen Teil der Großen Straße noch mit dazu nehmen für die 120 bis 150 Teilnehmer, die wir immer so haben.

Was erwartet die Besucher am Samstag?

Wir haben diesmal auf Hüpfburg und Kinderbelustigung verzichtet, nicht zuletzt wegen der beengten Platzverhältnisse, aber auch weil das in den Vorjahren nicht so stark angenommen worden ist. Der Schwerpunkt liegt ganz einfach darauf, gemütlich zusammen zu sitzen, mit Leuten zu sprechen, Kontakte zu knüpfen.

Welchen Stellenwert hat das Bürgerpicknick für die Stiftung?

Einen sehr großen. Das ist die Veranstaltung, die wir vom ersten Jahr an in Eigenregie durchführen, um Geld einzuwerben für unsere Stiftungszwecke. Das hat von Anfang an recht gut funktioniert und ist von Jahr zu Jahr ein bisschen besser angenommen worden. Es steigert den Bekanntheitsgrad der Bürgerstiftung. Der Haupteffekt ist natürlich, dass die Bramscher Geschäftsleute uns zu einem großen Teil sponsern, in dem sie die Lebensmittel spenden. Wir verkaufen Buttons für zehn Euro und der Erlös aus diesem Buttonverkauf geht zu 100 Prozent an kulturelle, soziale und sportliche Zwecke, wie es unsere Satzung vorschreibt.

Gibt es in diesem Jahr ein konkretes Projekt, das unterstützt werden soll?

Ja, wir fördern speziell in diesem Jahr das Mediatorenprogramm des Gymnasiums Bramsche . Die bilden wieder neue Schüler-Mediatoren aus, das läuft ja schon seit einigen Jahren und wird von einigen Lehrern in vorbildlicher Weise durchgeführt. Das lassen wir uns immer wieder mal schildern, wie das abläuft und das hat wirklich einen sehr hohen Wirkungsgrad bei den Schülern. Das fördern wir mit 1500 Euro, das ist in etwa das , was beim Bürgerpicknick reinkommt. Wenn es ein bisschen weniger wäre, dann stocken wir das aus dem vorhandenen Budget auf. Aber ich gehe davon aus, dass wir sogar ein bisschen mehr einnehmen werden.

Stiftungen haben ein großes Problem mit der Niedrigzinsphase, weil sie ja nur mit dem Ertrag aus dem Stiftungskapital arbeiten dürfen. Wie geht die Bürgerstiftung damit um?

Es ist grundsätzlich so, Stiftungskapital dürfen wir nicht angreifen, das ist im Stiftungsrecht so festgeschrieben. Bei dem jetzigen Zinsniveau kann man von nennenswerten Erträgen nicht sprechen. Jetzt muss man natürlich immer überlegen: Wie viele Anträge liegen vor, wie viel Geld haben wir zur Verfügung, was geben wir jetzt direkt von dem eingeworbenen Geld aus Spenden und Veranstaltungen für unsere Stiftungszwecke aus. Das ist immer so, dass wir uns bemühen, so zwischen 15 und 25000 Euro jährlich an freien Mitteln zur Verfügung zu haben, um Anträge bedienen zu können. Wenn mehr Geld reinkommt - worum wir uns ja immer bemühen - dann müssen wir spätestens nach drei Jahren das in das Stiftungskapital hineingeben. In den letzten Jahren haben wir das Geld immer aufgebraucht für unsere Stiftungszwecke. Es zeichnet sich ab, dass in absehbarer Zeit doch ein bisschen mehr Überschuss da sein könnte. Dann werden wir das Stiftungskapital aufstocken.

Gibt es auch Spender, die sagen, ihr Geld soll ins Kapital einfließen?

Das kann man grundsätzlich machen. Man kann sowieso zweckgebunden stiften. Dann sind wir praktisch nur die Vermittler. Wir hatten auch einen Spender, der ausdrücklich das Stiftungskapital erhöhen wollte. Das ist auch schon geschehen.

Aber das hilft derzeit nicht viel weiter, oder?

Der Vorstand und unser Stiftungsrat, das ist unser Kontrollgremium, beraten alljährlich. Wir sind übereinstimmend der Meinung, das bringt uns im Moment nichts. Wir geben das Geld lieber direkt weiter für förderungswürdige Zwecke.

Die Bürgerstiftung ist in Bramsche inzwischen etabliert. Gibt es Wünsche für die Zukunft?

Wir haben zunehmend Spender aus dem Bereich private und geschäftliche Jubiläen . Wo es dann heißt, bitte keine Geschenke, sondern eine Spende für die Bürgerstiftung. Wenn jemand die Stiftung bei einer Erbschaft bedenken würde, das würde uns schon gewaltig voranbringen. Es müssen ja nicht gleich Millionen sein, wie bei den ganz großen Stiftungen, aber so eine kleine oder mittlere Erbschaft, das haben wir bisher noch nicht gehabt. So etwas im Bereich der ganz normalen Durchschnittserbschaft von ganz normalen Durchschnittsbürgern, das wäre eine gute Sache.


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