Realschule oder IGS Streit in Bramsche: Wer darf die Trompeten nutzen?


Bramsche. Zwischen Realschule und an ihrer Seite der CDU im Rat und der Verwaltung fliegen die Fetzen. Gegenstand der Querelen sind Musikinstrumente, Unterrichtsmaterialien und die Eigentumsverhältnisse daran nach dem Übergang des Gebäudes an der Malgartener Straße von der Stadt an den Landkreis.

Wem gehören denn nun die Trompeten? Die Sitzung des Kulturausschusses des Rates war schon fast vorbei, als CDU-Ratsfrau Imke Märkl sich noch einmal zu Wort meldete. Sie wolle ja keine neue schulpolitische Debatte entfachen. Aber was sei denn nun mit dem Inventar der Realschule, nachdem das Gebäude endgültig an den Landkreis übergegangen sei? Könne es sein, dass die Realschüler keinen Zugriff mehr hätten auf die Instrumente, die eigens für die Bläserklasse angeschafft worden seien? Könne es wiederum sein, dass die Realschule keinen Zugriff mehr habe auf dringend benötigte Materialien für die Naturwissenschaften und die Fünft- und Sechsklässler, die im kommenden Schuljahr im Hauptschulgebäude an der Heinrichstraße beschult werden, sich dort mit Materialien begnügen müssten, die dem Realschulniveau nicht entsprächen? „Gehört das alles jetzt komplett der IGS?“, wollte Märkl wissen und schloss: „Wenn die Realschule ihr bewegliches Vermögen nicht mehr nutzen kann, ist kein vernünftiges Arbeiten mehr möglich“.

Protestbrief des Schulvorstandes

Hintergrund der Frage ist nach Informationen der Bramscher Nachrichten ein Brandbrief des Schulvorstandes der Realschule, in dem die oben genannten Fragen gestellt und die Haltung der Stadt als Schulträger heftig kritisiert wird. Tatsache ist, dass sich kurz vor Schuljahresende die Realschule und IGS mit etlichen Widrigkeiten herumschlagen müssen. Wegen der überfälligen Sanierung der Naturwissenschaftsräume ging vor einigen Wochen das große Sortieren los. Was ist überholt und wandert in den Container? Was könnte noch verwendet werden? Was muss definitiv bleiben? Offenbar ist jetzt an der Realschule die Sorge groß, am Ende mit leeren Händen dazustehen. „ Alle machen sich Gedanken über die Hauptschule. Wer macht sich eigentlich Gedanken über uns?“, fragte Lehrervertreterin Marianne Eggemann im Ausschuss und fügte bitter hinzu: „Wenn man unsere Existenzberechtigung hätte verkaufen können, hätte man das wahrscheinlich auch noch getan“.

Realschulleiter: Für uns geht hier alles den Bach runter

Mit der Sanierung der Naturwissenschaften geht für uns hier alles den Bach runter “, stieß Schulleiter Norbert Szczepanek wenig später in das gleiche Horn. Ja, das Gebäude sei mitsamt Inventar an den Landkreis verkauft. Ja, die Realschule dürfe das bewegliche Gut nutzen, aber „was ist, wenn Reparaturen und Wartung anstehen“, fragte er. Neu angeschafft werde nur, was für die Klassen 5 und 6 relevant sei, aber ein Großteil des Bestandes sei nun mal entsorgt worden. Selbst was aus „eigenen Mitteln“ angespart worden sei wie die Instrumente, „ist mit einem Federstrich rübergegangen“. Interventionen beim Landkreis seien erfolglos gewesen. Vonseiten der Stadt habe es nicht einmal eine Antwort gegeben.

Erster Stadtrat Ulrich Willems, der den Vertrag mit dem Landkreis ausgehandelt hat, reagierte bereits in der Ausschusssitzung verständnislos. „ Wenn an der Heinrichstraße etwas gebraucht wird, muss und wird es eben angeschafft“, versuchte er Zweifel von Andreas Quebbemann (CDU) auszuräumen. Es gebe detaillierte Inventarlisten. Vom Förderverein angeschaffte Dinge seien vom Verkauf ausdrücklich ausgenommen. Was allerdings über das Budget der „eigenverantwortlichen Schule“ angeschafft werde, sei Eigentum des Trägers, das zwar vorerst genutzt, aber nach dem Verkauf nicht mitgenommen werden könne. „Über die Nutzung während der Sanierungsphase wird man sich doch wohl einigen können“, fügte er hinzu.

Überaltertes Material entsorgt

Aussortiert hätten darüber hinaus die Fachleiter der Realschule selbst. Überaltertes Material müsse eben entsorgt und neu beschafft werden. Und, so Willems: „Wenn man etwas braucht, muss man es auch sagen. In den letzten Jahren ist da herzlich wenig gekommen“. Der Stadt jetzt vorzuwerfen, sie sorge nicht für angemessene Arbeitsbedingungen sei „hanebüchen und schlicht falsch“. Der Etat 2015 sei eigens aufgestockt worden, um die völlig veralteten Aufbewahrungsmöglichkeiten für Chemikalien zu ersetzen. „Das war aus Sicherheitsgründen einfach unabdingbar.“

Vom Landkreis als neuem Eigentümer heißt es zu den Thematik inzwischen: „ Die Musikinstrumente der Bläserklasse sind – wie auch die übrige Einrichtung – zum 1. Januar 2016 in das Eigentum des Landkreises übergegangen.[...] Entsprechend der Nutzungsvereinbarung zwischen Landkreis Osnabrück und Stadt Bramsche sind die Instrumente, wie die anderen Lehr- und Lernmittel im Übrigen auch, weiterhin durch die Realschule nutzbar, solange die Realschule auch das Schulgebäude nutzt. Die Realschule hat somit weiterhin Zugang zu den Instrumenten für die Bläserklasse.“

Und IGS-Leiter Thomas Behning „Wir haben keine Bläserklasse. Natürlich können die Realschüler die Instrumente weiter nutzen. Das ist überhaupt kein Problem.“


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