Aktionswoche Schuldnerberatung Bramsche: Wie Schulden krank machen können

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Durch Krankheit kann die finanzielle Situation schnell aus dem Ruder laufen. Schulden verstärken dann noch die physischen und psychischen Leiden, weiß Kirchenkreis-Sozialarbeiterin Natalia Gerdes vom Diakonischen Werk Bramsche. Foto: Imago/Paul von StroheimDurch Krankheit kann die finanzielle Situation schnell aus dem Ruder laufen. Schulden verstärken dann noch die physischen und psychischen Leiden, weiß Kirchenkreis-Sozialarbeiterin Natalia Gerdes vom Diakonischen Werk Bramsche. Foto: Imago/Paul von Stroheim

Bramsche. Derzeit läuft bundesweit eine „Aktionswoche Schuldnerberatung“. Aktiv ist in diesen Tagen auch die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks Bramsche - allerdings intern.

„Diese Woche gibt uns Anlass, unsere eigene Arbeit zu reflektieren“, sagt Natalia Gerdes, Sozialarbeiterin beim Kirchenkreis Bramsche und ausgebildete Schuldner- und Insolvenzberaterin. Es laufe derzeit, so Gerdes, eine Umfrage unter ehemaligen Klienten. „Wir wollen wissen, wie die Menschen heute leben, die wir vor fünf Jahren betreut haben. Dadurch erhoffen wir uns auch Rückschlüsse auf unser Wirken“, erklärt sie weiter. Die früheren Klienten seien bereits angeschrieben worden. „Nun hoffen wir, dass möglichst viele mitmachen“, bittet Gerdes um Unterstützung.

Beratungsansätze verknüpfen

Seit 12 Jahren ist die Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk tätig. Ein besonderes Augenmerk hat sie nach eigenen Angaben von Beginn an auf die Schuldner- und Insolvenzberatung gelegt. „Ich war immer überzeugt: Menschen eine Hilfestellung zu geben, sie sie bei ganz unterschiedlich gelagerten Problemen zu beraten, ist schwierig, wenn im Hintergrund Schulden sind, ein Inkassobüro mit Pfändung droht oder aus Kostengründen keine Krankenversicherung vorhanden ist. Denn das überlagert viele andere Schwierigkeiten“. Ihr Ziel, so Gerdes, sei deshalb gewesen, „der Sache auf den Grund gehen zu können“, sprich die unterschiedlichen Beratungsansätze miteinander verknüpfen zu können. „Wir haben deshalb die Schuldner- und Insolvenzberatung konsequent ausgebaut. Heute sind 12 Mitarbeiter in diesem Bereich tätig, auch in unseren Außenstellen im Kirchenkreis“, führt Gerdes aus.

Krankheit als Ursache für Schulden

„Schulden machen krank – Krankheit macht Schulden“ lautet das Motto der aktuellen Aktionswoche Schuldnerberatung. Ein Slogan, den Natalia Gerdes voll und ganz nachvollziehen kann. „Schulden kommen nicht von Schuld und oft eben nicht daher, dass jemand sein Geld sinnlos verplempert“, betont sie. Eine Verschuldung fange oft harmlos an, durch einen Arbeitsausfall, einen Unfall oder durch eine Sucht – „bundesweit ist jeder Zehnte wegen einer Erkrankung verschuldet“. Aus anfänglich kleineren Geldproblemen könnten dann aber recht schnell massive finanzielle Schwierigkeiten resultieren. „Das kann einen Menschen völlig aus der Bahn werfen. Plötzlich kommt weniger oder kein Geld mehr herein, während die finanziellen Verpflichtungen bestehen bleiben“, sagt Gerdes. Im gleichen Zuge „verstärken diese Schulden oft die schon vorhandenen Krankheiten“, berichtet sie aus ihrer beruflichen Erfahrung.

Physische und psychische Leiden

„Schulden lassen die Betroffenen nicht schlafen, nicht zur Ruhe kommen. Sie leiden physisch und psychisch“, erklärt die Beraterin weiter . „Schuldnerberatungen müssten noch viel mehr als bisher mit Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten zusammenarbeiten. Aber dafür fehlen oft die Mittel“, so Gerdes. Schwierig für ihre Klienten sei es zudem, dass viele sich ausgegrenzt fühlten. „Das ist ein Problem, dass Schulden nach wie vor ein Tabu-Thema sind“, meint Gerdes. Dabei sei die Gesellschaft gefordert, ein größeres Gespür zu entwickeln: „Ich habe Klienten, die Anfang 20 sind. Die haben 120 Gläubiger und 75000 Euro Schulden – das zeigt doch, dass etwas schief läuft. So etwas dürfte eigentlich gar nicht möglich sein“, ist die Beraterin überzeugt.

Helfe in einem solchen Fall wohl nur noch eine Privatinsolvenz, sei eine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubigern das vorrangige Ziel der Beratung. „Dem Klienten damit wieder eine Perspektive zu eröffnen, nimmt den Leidensdruck. Geheilt zu werden, dauert aber oft länger, als krank zu werden“, so Gerdes.


Das Diakonische Werk bietet professionelle allgemeine Sozialberatung, Schuldner- und Insolvenzberatung, Mediation und konzeptionelle Projektarbeit an. Das Team der Hauptamtlichen besteht derzeit aus fünf sozialpädagogischen und vier verwaltungstechnischen Kräften. Die Leitung hat Natalia Gerdes inne.

Das Diakonische Werk ist seit 2005 vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie als geeignete Stelle für Schuldner- und Insolvenzberatung anerkannt. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Osnabrück wird die soziale Schuldner- und Insolvenzberatung überschuldeten Privatpersonen angeboten.

Kontakt: Tel. 05461/1597, Infos: www.diakonisches-werk-bramsche.de

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