Bramscher Wirtschaft im Porträt Gartenbau Igel ein Begriff über Bramsche hinaus

Von Christoph Lützenkirchen

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Drei Generationen Igel auf einem Bild: Johann, Wilma, Volker, Karsten und Ella Igel mit Mutter Michaela Jansen. Foto: Christoph LützenkirchenDrei Generationen Igel auf einem Bild: Johann, Wilma, Volker, Karsten und Ella Igel mit Mutter Michaela Jansen. Foto: Christoph Lützenkirchen

Schleptrup. Im Rahmen unserer Reihe „Bramscher Wirtschaft im Portrait“ stellen wir heute den Gartenbaubetrieb Igel in Schleptrup vor. Der ist mittlerweile ein Begriff in der Region und ein Betrieb mit vielen Besonderheiten.

Spezialität des Hauses: Überraschungen! Aus einem stattlichen Bauernhof hat die Bramscher Familie Igel innerhalb der letzten 20 Jahre ein Garteneinkaufsparadies geformt. Der einzige gelernte Gärtner in der Familie ist Sohn Karsten. Der ist überdies Historiker, hat einen Doktortitel und initiiert faszinierende Ausstellungen zur regionalen Geschichte. Für den roten Faden stellen sich vier Familienmitglieder als Betriebsleiter ins Bild – inklusive Seniorchef Volker Igel. Trotz seiner 79 Jahre arbeitet der gelernte Agraringenieur täglich voll im Betrieb mit.

Gartenkultur

Einkaufen im Park, das ist die Kurzform für das, was Besucher von Igel Gartenkultur im Bramscher Ortsteil Schleptrup erleben können. „Als unser Sohn 1996 entschied, dass er den Betrieb weiterführen will, haben wir begonnen, unser Gelände entsprechend zu gestalten“, erinnert sich die 69-jährige Seniorchefin Wilma Igel. Die Planung dafür hat die Familie selbst gemacht. Das sei eigentlich alles so „aus dem Bauch heraus“ entstanden, sagt Wilma Igel. Die Wege, die Beete, die Verkaufshäuser, die Freiflächen, man habe es eben so angelegt, wie man es selbst schön fand. Aus dem Bauch heraus bedeutet aber nicht, dass die Igels kein klares Ziel vor Augen hatten. Sie wollten sich von Beginn an von den gängigen Gartencentern abheben. Der Kunde sollte ein intensives Einkaufserlebnis haben. Dafür holten sich die Bramscher Gartenbauunternehmer Anregungen bei Kollegen. „Besonders in Süddeutschland fanden wir damals Vorbilder für die Gestaltung unseres Geländes“, erzählt Volker Igel.

Sonnige Sitzplätze

Entstanden ist ein „Verkaufs“-Gelände, das großzügig zum Verweilen einlädt. Die Besucher finden hier einen fantasievoll gestalteten Teich, farbenfrohe Staudenpflanzungen, ein weitläufiges Wiesengelände und schattige, wie auch sonnige Sitzplätze. Bei schlechterem Wetter bieten die Orangerie, das Verkaufshaus und ein Foliengewächshaus Schutz. Die Übergänge in die Baumschule sind fließend. Vor 60 Jahren war das alles noch ein Bauernhof mit entsprechendem Viehbestand. „Schon mein Großvater hat aber mit Sonderkulturen angefangen“, erzählt Karsten Igel. Auf Teilen des Hofes wurde 1968 eine Baumschule angelegt. Die letzten Tiere verkaufte die Familie 1977.

Tabakverkauf

Das Hauptgeschäft lag zu diesem Zeitpunkt noch bei Tabak und Gemüse. Den Tabak lieferte Familie Igel nach Bremen. Das Gemüse ging auf den Großmarkt und an Konservenfabriken. Schon damals gab es aber einen florierenden Direktverkauf auf dem Hof. „Bis Anfang der 90er Jahre hatten wir sogar Erdbeeren“, sagt Karsten Igel: „Mitte der 90er entschieden wir uns dann für die Konzentration auf die Baumschule.“ Den Einstieg in die Branche hatte die Familie mit der Stecklingsvermehrung von Bodendeckern geschafft, auch Heidepflanzen gehörten zum ersten Sortiment. Heute werden in der Freilandbaumschule Rosen im Topf und bis zu sechs Meter hohe Bäume kultiviert.

„Die Vermehrung kaufen wir zu, wir ziehen die Pflanzen aber in eigener Regie groß und kennen uns mit der Kultur aus. Das ist uns wichtig“, erklärt Karsten Igel. Insgesamt 90 Hektar Land gehören zum Hof Igel; der Betrieb nutzt circa 55 Hektar, davon entfallen sechs Hektar auf die Baumschule. Mittlerweile macht die Familie 85 Prozent ihres Umsatzes mit Privatkunden, die restlichen 15 Prozent entfallen auf regionale Garten- und Landschaftsbauer. Früher lag das Verhältnis zwischen Privatkunden und dem Großhandel bei 50 zu 50.

Aufgabenteilung

Innerhalb der Familie gibt es eine klare Aufgabenteilung in der Führung des Unternehmens: Karsten Igel zeichnet für das Marketing verantwortlich. Sein Vater Volker kümmert sich um den Einkauf für die Baumschule. Das vielfältige Angebot an Möbeln und Accessoires für den Garten betreut Seniorchefin Wilma Igel. Dr. Michaela Jansen, Frau von Karsten Igel und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder Johann (3 Jahre) und Ella (1 Jahr), ist Archäologin. Für das Familienunternehmen engagiert sie sich im Bereich der Verwaltung.

Lehrauftrag

Parallel zu seiner Tätigkeit im Gartenbaubetrieb hat Karsten Igel einen Lehrauftrag an der Universität Münster übernommen. „Der geistige Ausgleich ist mir wichtig“, sagt der 45-jährige: „Außerdem kann ich die Lehrtätigkeit gut mit meinen verschiedenen Ausstellungsprojekten verbinden.“ Beide Familien wohnen auf dem Betriebsgelände. Das ist nicht immer einfach. An normalen Tagen verzeichnet die Baumschule durchschnittlich 500 Kunden. Bei gutem Wetter können es an verkaufsoffenen Sonntagen aber auch mal 5000 sein. Auch an den übrigen Sonntagen ist das Gelände der Baumschule für den Publikumsverkehr geöffnet. Deutlich sichtbar sind deshalb Schilder mit der Aufschrift „Privat“ an den Zugängen zum Garten der Familie Igel angebracht.

Das Bramscher Gartenunternehmen blickt auf eine schwungvolle Entwicklung während der vergangenen Jahrzehnte zurück. Den zukünftigen Erfolg will die Familie sicherstellen, indem sie ihr Profil weiter ausbaut. „Wir setzen auf ein breites Angebot und unsere Fachkompetenz bei Pflanzen und Gestaltung“, sagt Karsten Igel. Außerdem will er noch mehr Veranstaltungen initiieren. Die nachwachsenden Kunden hätten immer weniger Kompetenz im Umgang mit Pflanzen, hat er beobachtet. „Sie lernen erst, dass man im Garten mit Lebewesen arbeitet“, so Igel. Schmunzelnd berichtet sein Vater, dass er zurzeit manchmal am selben Tag von Kunden gefragt wird, ob man jetzt schon Pflanzen könne, oder jetzt noch Pflanzen dürfe.

Weiterbildung

Die Baumschule Igel macht ihren Kunden deshalb vielfältige Angebote zur Weiterbildung. Unter der Überschrift „Unsere Gartenschule“ bietet sie das ganze Jahr über kostenlose Seminare zu unterschiedlichsten Gartenthemen an. Da kann man sich zum Beispiel zeigen lassen, wie man Obstbäume, Rosen oder Beerenobst beschneidet. Außerdem gibt es Kurse zum richtigen Pflanzen, oder zur Bodenpflege. Die Resonanz auf das Angebot ist gut. Zu manchen Themen kommen bis zu 100 Kursteilnehmer. Aufgrund des großen Interesses werden einzelne Kurse sogar zweimal hintereinander angeboten. Die Termine veröffentlicht die Baumschule in einem eigenen Flyer, auf Wunsch kann man sich aber auch für den Newsletter registrieren und erhält Benachrichtigungen per Mail. „Unser Mail-Verteiler umfasst zurzeit etwa 5000 Abonnenten“, sagt Karsten Igel. Per Mail werden auch die Sonderveranstaltungen der Baumschule angekündigt. Da gibt es zum Beispiel eine „Lange Nacht der Rosen“ am 2. Juli und einen Adventsmarkt. Besonders stolz ist Karsten Igel auf die historische Ausstellung „BauernLandOsnabrück“, die pünktlich zum 600-jährigen Bestehen des Hofes von Mai bis Oktober im Park der Baumschule zu sehen ist. Sie bildet den Auftakt zu einer Serie von Ausstellungen zur Osnabrücker Landesgeschichte. Dem Historiker und Gärtner ist es gelungen, seine so unterschiedlichen Leidenschaften in einem Projekt zusammen zu bringen.


Das Gartenbauunternehmen der Familie Igel firmiert als „Igel Gartenkultur“. Für den Betrieb im Bramscher Ortsteil Schleptrup sind 24 Mitarbeiter tätig, dabei handelt es sich überwiegend um Teilzeitbeschäftigte. Aufgrund des stark saisonalen Geschäfts gibt es nur vier Angestellte in Vollzeit. Alle Mitarbeiter im Verkauf sind gelernte Gärtner, teilweise handelt es sich sogar um Gartenbauingenieure.

Auf vielen Hundert Quadratmetern Freifläche und 1200 Quadratmetern unter Glas bietet Igel Gartenkultur seinen Kunden eine große Bandbreite dauerhafter Gartenpflanzen. Unter anderem gibt es über 300 Rosensorten und mehr als 500 Staudenarten und -sorten. Außerdem verkauft der Betrieb aber auch Gemüsepflanzen, Beet- und Balkonpflanzen, Gartenwerkzeuge, Gartenbücher und zahlreiche Accessoires für den Garten, vom Pflanzkübel bis zum Pavillon. Neben dem Verkauf, der den größten Teil des Geschäfts ausmacht, berät Igel Gartenkultur zu Fragen der Gartengestaltung und führt Planungen sowie Pflanzungen aus.

Die Serie „Roter Faden – Bramscher Wirtschaft im Porträt“ stellt Firmen-Chefs und Geschäftsführer von Unternehmen in unserer Region vor. Im Mittelpunkt stehen dabei die Persönlichkeiten, die mit ihrem Engagement das Unternehmen voranbringen. Ihre berufliche Entwicklung wird ebenso nachgezeichnet wie das Wachsen des Betriebs. Das Besondere dabei: Jede/r Porträtierte schlägt unserem Mitarbeiter den nächsten Kandidaten für diese Serie vor. So zieht sich – nach und nach – ein „Roter Faden“ durch die örtliche Wirtschaft, mit dem wir die Vielfalt von Industrie, Handel und Gewerbe aufzeigen wollen.

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