Netzwerk stellt Angebote vor Zeitreise ins alte Rom für begabte junge Bramscher

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Wie die alten Römer(innen): die Jungen und Mädchen des Begabtenförderprojektes mit Lehrer Sebastian Bröcker. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeWie die alten Römer(innen): die Jungen und Mädchen des Begabtenförderprojektes mit Lehrer Sebastian Bröcker. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Lucia Prima und Lucia Secunda heißen eigentlich Paula und Hanna. Zu ihren lateinischen Namen gekommen sind sie im Rahmen eines Projekts des Begabten-Verbunds Bramsche, kurz BVB. Mit der „Kinder-Zeitmaschine“ und Greselius-Lehrer Sebastian Bröcker unternehmen sie eine Reise ins alte Rom.

„Es wird - mit Recht - viel für die schwächeren Schüler getan. Aber auch stärkere, die mehr Futter für den Kopf brauchen, müssen individuell gefördert werden“, sagt Bröcker, der das Projekt mit der Ueffelner Grundschulleiterin Heike Riddering angestoßen hat. Vertreter von Grundschulen und weiterführenden Schulen gründeten auf der Grundlage dieser Erkenntnis ein Netzwerk, das besondere Angebote für begabte Mädchen und Jungen erarbeitet . „Idealerweise müssten wir auch die Kitas mit ins Boot holen“, malt der Gymnasiallehrer seine Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Projektes aus. Im Niedersächsischen Schulgesetz ist diese spezielle Begabtenförderung bereits festgeschrieben. Es gibt dafür auch ein gewisses Stundenkontingent, das allerdings bei weitem nicht ausreiche, so Bröcker weiter.

Am 3. Juni Mathe-Krimi-Abend

Ende 2015 bildete sich vor diesem Hintergrund eine Arbeitsgruppe, der neben dem Gymnasium die IGS und die weitaus überwiegende Zahl der Grundschulen angehören. „Wir wissen, dass wir für den Anfang noch kleine Brötchen backen müssen“, stapelt Bröcker tief. Vier Angebote sind es immerhin, die Ende April an den Start gegangen sind: Neben der Kinder-Zeitmaschine gibt es ebenfalls im Gymnasium Schach in der Schule und für die Sportbegeisterten ein Indian-Dodgeball-Turnier. Am 3. Juni findet in der IGS ein Mathe-Krimi-Abend statt.

Von den Lehrern angesprochen

Jede Grundschule kann zwei bis drei Viertklässler zu den BVB-Angeboten schicken, nur beim Sport sind es ein paar mehr. „Die Klassenlehrerin hat mir davon erzählt. Geschichte macht mir nämlich viel Spaß“, erzählt Julia, die eigentlich Sevda heißt. „Ich war neugierig. Ich spiele auch zu Hause mal Rom nach und gehe ins Varusschlacht-Museum.“ , ergänzt Marcus Minor alias David. „Als der Lehrer mir davon erzählt hat, hab ich gedacht, das könnte ganz cool werden“, fügt Mannius (Max) von der Honigmoor-Schule in Epe hinzu. „Das klang ganz vielversprechend“, findet auch Servius (Henri).

„Die Grundschullehrer wissen am besten um die Interessen und Fähigkeiten ihrer Schüler“, erklärt Bröcker das Auswahlverfahren. Bewusst werden so unterschiedliche Bereiche wie Geschichte und Mathematik angeboten. Es sollen ja nicht immer dieselben Schüler dabei sein. „Wir sind uns durchaus bewusst, dass es unter Umständen Probleme geben könnte“, spricht der Pädagoge eventuelle Schwierigkeiten mit besonders ehrgeizigen Eltern oder eine mögliche ungute Konkurrenzsituation unter den Schülern an. Bis jetzt gab es noch kein entsprechendes Feedback von den Grundschulen, aus den Augen verlieren wollen die Lehrer diese Thematik allerdings nicht.

Eine Toga aus Bettlaken

Bei den Schüler ist davon während der zusätzlichen Geschichtsstunde am Nachmittag nichts zu spüren. Es herrscht eine lockere Stimmung, Bröcker, in dessen Zuständigkeitsbereich am Gymnasium die Begabtenförderung fällt, hat den Mädchen und Jungen bereits zu Anfang des Projektes bewiesen, dass Geschichtsunterricht keineswegs trocken sein muss. Da lernten die Grundschüler nämlich, wie man stilecht eine Toga wickelt. Auch wenn sie eigentlich nur aus einem weißen Bettlaken besteht.