Chaotische Szenen bei Achmer Zug völlig überfüllt: Nordwestbahn weist Vorwürfe zurück


Bramsche. Der Nothalt eines völlig überfüllten Zuges hat in der Nacht zum Sonntag zu chaotischen Szenen am Bahnhof Bramsche-Achmer geführt. Die Nordwestbahn weist Vorwürfe zurück, sie habe nicht genügend Kapazitäten bereitgestellt.

Die letzte Gelegenheit, um von der Osnabrücker Maiwoche mit dem Zug nach Bramsche, Vechta oder Oldenburg zu kommen, nutzten am späten Samstagabend rund 500 Personen. Da dies zu technischen Schwierigkeiten führte, veranlasste die Nordwestbahn (NWB) einen Nothalt bei Bramsche-Achmer. Henry Kuhlmann, Leiter Kundenservice der NWB, erklärt: „Es gab einen massiven Druck auf die Türen, der zu diesen Problemen geführt hat“.

„Chaos wie selten„

Der Zug blieb rund 400 Meter nach der Haltestelle Bramsche-Achmer stehen. In der Zwischenzeit war auch ein Notruf bei der Rettungsleitstelle in Osnabrück eingegangen mit der Meldung, im Zug eskaliere die Situation durch die drangvolle Enge. Alarmiert wurden in der Folge Feuerwehren, Rettungsdienste und die Polizei mit dem Stichwort „Massenanfall an Verletzten“. Bei Eintreffen der Einsatzkräfte herrschte „ein Chaos, wie ich es selten erlebt habe“, schildert Bramsches Stadtbrandmeister Amin Schnieder. Nachdem ein Teil der Zugtüren offenbar aufgedrückt worden waren, „liefen viele Menschen in alle Richtungen durch das Gleisbett. Einige stolperten auch eine Böschung hinunter“, so Schnieder weiter. Die Feuerwehr sorgte dann für die Evakuierung des Zuges, die Fahrgäste wurden zur nächsten Straße in Achmer geleitet. (Weiterlesen: Großeinsatz in Achmer: Überfüllter Zug bleibt liegen )

„An der Grenze zur Massenpanik“

Laut Angaben der Polizei vom Sonntag habe es keine Massenpanik gegeben. Stadtbrandmeister und Einsatzleiter Schnieder ist mit dieser Aussage nicht ganz glücklich: „Es war mindestens an der Grenze dazu“, meint er: Besonders ältere Fahrgäste hätten nach seinem Eindruck in dem überfüllten Zug regelrecht Angst bekommen. Dazu seien auch manche alkoholisierte Personen gekommen, „denen es offenbar an einem vernünftigen Umgang mit der Situation gemangelt hat“, so Schnieder. Eine Frau sei auch im Gleisbett liegend aufgefunden worden: „Sie hyperventilierte und war mit dem Geschehen völlig überfordert“, berichtet Schnieder weiter. Es sei „ein Glück, dass letztlich nicht viel passiert ist“. Nur wenige geringfügig Verletzte mussten kurzfristig durch den Rettungsdienst versorgt werden.

NWB: Fahrgast-Aufkommen nicht absehbar

Viele Fahrgäste ließen sich später aus Achmer abholen, weitere wurden mit Bussen und dem wiederhergestellten Zug weitergefahren. „Wir haben, als die technischen Schwierigkeiten auftraten, sofort unseren Notfallmanager nach Achmer geschickt“, erklärt Henry Kuhlmann von der Nordwestbahn. Das Unternehmen bedauere den Vorfall, betont er. Abzusehen gewesen sei es jedoch nicht, widerspricht der Leiter Kundenservice Vorwürfen, die am Sonntag in sozialen Netzwerken erhoben wurden. (Weiterlesen: Überfüllter Zug in Achmer: Fahrgäste kritisieren Nordwestbahn )

„Wir haben natürlich ein mögliches erhöhtes Fahrgastaufkommen, bedingt durch die Maiwoche, im Blick gehabt“, versichert Kuhlmann. „Auf der Basis unserer Erfahrungen aus den vergangenen Jahren“ seien zwei Traktionen (Schienenfahrzeuge, Abteile) mit 140 Sitz- und rund 100 Stehplätzen für ausreichend erachtet worden. „Damit sind wir bisher immer gut ausgekommen“, so Kuhlmann. zur Verfügung gestanden. Der überwiegende Teil der Fahrgäste sei im Bahnhof Osnabrück-Altstadt eingestiegen. „Wir haben, nachdem dort 30 bis 50 Kunden nicht mehr zusteigen konnten, sofort alles Notwendige veranlasst“, unterstreicht Kuhlmann. Auch aus Sicht der NWB habe es aber keine Massenpanik im Zug gegeben.


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