BN-Serie „Bramsche erleben“ Evinghausen – nur fast eine Insel der Glückseligen

Meine Nachrichten

Um das Thema Bramsche Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Eine fröhliche Runde, die sich später noch erweiterte, tat sich um Redakteur Björn Dieckmann (vorne links) zusammen. Ein besonderes Anliegen war es den Evinghäusern, die Gastwirte Herbert und Sabine Schulenborg (hinten von links) mit auf dem Bild zu haben. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, so Ortsvorsteherin Monika Bruning. Foto: Marcus AlwesEine fröhliche Runde, die sich später noch erweiterte, tat sich um Redakteur Björn Dieckmann (vorne links) zusammen. Ein besonderes Anliegen war es den Evinghäusern, die Gastwirte Herbert und Sabine Schulenborg (hinten von links) mit auf dem Bild zu haben. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, so Ortsvorsteherin Monika Bruning. Foto: Marcus Alwes

Evinghausen. Wer in Evinghausen lebt, der will dort gar nicht weg oder er kommt früher oder später wieder – trotz mancher Schwierigkeiten, die das Dorf durchaus belasten. Das wurde bei der Tuchmacherrunde unserer Redaktion in der Gaststätte Schulenborg deutlich.

„Die Natur hier ist einfach herrlich: Man kann drei Stunden wandern, ohne auch nur eine einzige größere Straße überqueren zu müssen“, meinte Peter Gronemann. Und zeigte damit auf, was die Evinghäuser an ihrem Ort lieben – aber auch Auswärtige: „Wenn sich bei uns an der Waldorfschule mal Bewerber vorstellen“, so berichtete der dort tätige Lehrer, „schwärmen sie immer von der tollen Umgebung.“ Die Schule selbst sei allerdings auch prägend für Evinghausen: „Dadurch ist der Ort bekannt. Und welches Dorf kann schon von sich behaupten, dass es täglich fast auf das Vierfache anwächst und abends wieder schrumpft?“, scherzte Gronemann im Hinblick darauf, dass zur Waldorfschule täglich insgesamt rund 850 Schüler und Lehrkräfte von nah und fern anfahren.

Evinghausen wächst und schrumpft – täglich

Wenn sie ab dem späten Nachmittag wieder weg sind, ist Evinghausen der kleinste Ortsteil Bramsches. Doch die gerade einmal 259 Einwohner, „die halten zusammen“, meint Ortsvorsteherin Monika Bruning und verweist auf Aktionen wie die jährlichen Müllsammelaktionen, Gemeindeausflüge – oder die Stammtische montagsabends bei „Tante Emma“: „Da ist hier immer richtig was los“, erzählt Ortsvorsteherin Monika Bruning. Und manchmal, so ergänzt Martin Reutepöhler, komme dabei auch eine bundesweite Besetzung zusammen: „Wenn zu den Feiertagen die jungen Leute da sind, die anderswo studieren oder arbeiten.“

Große Heimatverbundenheit

Nicht wenige von ihnen kehren auch in ihre Heimat wieder zurück – und manche kommen auch erst gar nicht weit: „Mein Sohn hatte irgendwann den Wunsch, zuhause auszuziehen“, erinnert sich Peter Gronemann. „Jetzt wohnt er 300 Meter entfernt“, schmunzelt er. Und Martin Reutepöhler merkt an, „dass Häuser oder Wohnungen hier nicht leerstehen, Nachfrage ist immer da“. Ein Baugebiet auszuweisen, wie es in fast allen anderen Ortsteilen Bramsches der Fall ist, komme in Evinghausen allerdings nicht in Frage: „Hier ist alles Landschaftsschutzgebiet, das ist gar nicht möglich“, klärt Siegfried Maßmann auf. Wohnraum sei lediglich auf den Höfen geschaffen worden. Mehr geht nicht. Und eigentlich ist es ja auch gut so, wie es ist: „Jeder kennt jeden, jeder hilft jedem. So darf es gerne bleiben“, ist Rolf Bruning überzeugt.

Motorradfahrer: Zu schnell, zu laut

Evinghausen – eine Insel der Glückseligen also? Leider nein. Gleich am ersten frühlingshaften Wochenende haben sich die Evinghäuser wieder dem überbordenden Motorradverkehr und dem Lärm ausgesetzt gefühlt. „130 Motorräder in einer Stunde“ hätten zwei Evinghäuser am Sonntag gezählt, weiß Martin Reutepöhler zu berichten. Und Willi Grafe zeigt Daten, die von der Verkehrswacht im vergangenen Jahr mit einem Messgerät ermittelt worden sind: Demnach haben „Biker“ regelmäßig auf Teilabschnitten der Landesstraße 87 auf mehr als 200 Stundenkilometer beschleunigt. „Hier müsste die Polizei noch viel mehr kontrollieren – auch mal in zivil. Wenn die mit ihren offiziellen Fahrzeugen kommen, wird das in der Motorradfahrer-Szene doch sofort über Smartphones verbreitet“, meinte Rolf Bruning. (Weiterlesen: L 87 bleibt vorerst frei für Motorräder )

Als Radfahrer könne man sich auf die L 87 kaum noch trauen, so Inge Maßmann. Gerade in den Bereichen, wo im vergangenen Jahr Schutzplanken installiert wurden, gebe es nun überhaupt keine Ausweichmöglichkeiten mehr, sieht auch Rolf Bruning eine zusätzliche Gefahr. Es werde Zeit, dass der zugesagte Radweg endlich gebaut wird, da sind sich die Evinghäuser einig – wie sie sich in so vielem einig sind, hier im kleinsten Ortsteil Bramsches.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN