Bramscher Wirtschaft im Porträt Thomas Feik: Metallbauer und Heavy Metal-Fan

Von Christoph Lützenkirchen

Den Roten Faden spannt Thomas Feik in der Produktionshalle seines Unternehmens. Foto: Christoph LützenkirchenDen Roten Faden spannt Thomas Feik in der Produktionshalle seines Unternehmens. Foto: Christoph Lützenkirchen

Lappenstuhl. Die größte Überraschung kommt ganz zum Schluss: Thomas Feik ist seit 1978 treuer Fan des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Warum um Himmelswillen ein Club, der hunderte Kilometer südlich residiert – noch dazu mitten in Schwaben? „Ich wollte damals nicht, was alle wollten“, sagt der 49-jährige Chef des Bramscher Unternehmens Feik Maschinenbau.

Thomas Feik ist Vereinsmitglied des VfB und hatte bis Ende letzten Jahres eine Dauerkarte für die Heimspiele. „Das waren Superplätze“, schwärmt er „direkt auf Höhe der Mittellinie.“

Thomas Feik ist ein Mann mit Überzeugungen. Er kann sich aber auch für Neues begeistern und tritt unkonventionell auf, mit Ohrstecker und silbernen Ringen. Mit Ende 40 hat er das Heavy-Metal-Festival in Wacken für sich entdeckt: mehrere Tage brachial laute Musik inklusive langmähniger Headbanger. Die Karten für 2016 sind schon reserviert. Gleichzeitig mag Feik Kreuzfahrten; im laufenden Jahr will er zusammen mit seiner zweiten Frau per Schiff nach Amerika. Man könnte den gebürtigen Lappenstuhler für einen Exzentriker halten, aber weit gefehlt. Feik ist durch und durch bodenständig. Er leitet einen Betrieb mit fast 30 Mitarbeitern. Das Unternehmen wächst, Feik investiert und modernisiert regelmäßig. Exzentrisch nicht, individualistisch wohl. So ließe sich der gelernte Dreher besser charakterisieren und das trifft im Kern auch auf seine Firma zu.

Schon mit zwölf in der Werkstatt

Schon in seiner Kindheit kam Thomas Feik mit dem Werkstoff Metall in Berührung. „Ich war etwa zwölf oder dreizehn, als ich meinem Vater regelmäßig in der Werkstatt geholfen habe. Er fuhr mit einem Anhänger voller Material an unserem Bolzplatz vorbei und hupte. Das war für mich das Signal, nach Hause zu gehen und mit abzuladen“, erinnert er sich. Bald durfte er selbstständig die Metallsäge bedienen und Teile anfertigen. Eine Zeit lang reinigte er an jedem Wochenende alle Maschinen in der Werkstatt. „So konnte ich mir immer ein paar Mark dazu verdienen“, sagt Feik. Er war 18 Jahre alt, als er 1983 seine Lehre zum Dreher bei der Firma Herzog in Osnabrück Lustringen antrat. Auch während der Lehre fasste er an jedem Samstagvormittag in der Werkstatt des Vaters mit an. Ein Jahr lang blieb er nach Abschluss der Ausbildung als Geselle im Lehrbetrieb. Er absolvierte seinen Wehrdienst als Waffenmechaniker bei der Bundeswehr. Im April 1989 schließlich stieg er als Dreher im väterlichen Betrieb ein. „Es war damals vollkommen offen, ob ich das Unternehmen später übernehmen würde“, sagt Thomas Feik: „Ich habe anfangs nur Reparaturen gemacht. Das bedeutete, dass ich permanent mit Einzelteilen beschäftigt war.“ Es sei nicht leicht gewesen mit dem Vater als Chef, erinnert sich der 49-jährige. Er habe in diesen Jahren im Wesentlichen seinen Job gemacht und mit der Geschäftsführung nichts zu tun gehabt.

Letzter Drehermeister in Niedersachsen

Thomas Feik war Ende 20, als sein Vater 1995 auf ihn zukam, um über die Nachfolge im Unternehmen zu sprechen. „Er war Mitte 50“, erzählt Feik: „Er wollte frühzeitig alles in die richtigen Bahnen lenken.“ Vater und Sohn wurden sich einig und Thomas Feik absolvierte für sechs Monate die Landesfachschule Metall in Lüneburg. Als Letzter seiner Zunft in Niedersachsen wurde er Drehermeister. Anschließend kehrte er ins Unternehmen zurück, arbeitete von nun an aber fast ausschließlich im Büro. „Meinen zweiten Meistertitel als Maschinenbaumeister habe ich nebenberuflich erworben“, sagt er. Der designierte Juniorchef stieg sukzessive in die Geschäftsführung ein. Er entlastete den Vater, nahm an Verhandlungen mit Banken und Sitzungen mit dem Steuerberater teil. Zudem führte der Vater ihn nach und nach bei den Kunden ein.

Von außen betrachtet, schien alles auf eine mustergültig vorbereitete Übergabe des Unternehmens innerhalb der Familie hinauszulaufen. Und doch kam es im Jahr 2000 zu einem heftigen Streit zwischen Vater und Sohn um die Geschäftsführung. Die Differenzen waren so tief greifend, dass klar war: Einer von beiden würde gehen. Von einem Tag auf den anderen verließ Feiks Vater die von ihm gegründete Firma. Er gab seinem Sohn eine Frist von sechs Monaten. Sollte es ihm in dieser Zeit gelingen, das Unternehmen erfolgreich auf Kurs zu halten, würde er sich vollständig zurückziehen. Thomas Feik erinnert sich: „In diesem halben Jahr brach der Kontakt zu beiden Eltern vollständig ab. Es war nicht leicht, aber wir waren erfolgreich und konnten mit KME sogar einen attraktiven Kunden neu für uns gewinnen.“ Sein Vater hielt Wort. Weitere vier Jahre später übergab er auch seine verbliebenen Besitzanteile an Thomas Feik und seine Schwester Martina Feik-Krause, die seit 1999 in der Buchhaltung des Familienunternehmens tätig ist. Der Firmengründer machte sein Hobby zum neuen Beruf, richtete sich in Lappenstuhl eine kleine Werkstatt ein und stellt dort Ersatzteile für NSU-Oldtimer her.

„Nachdem alles geklärt war, hat sich das Verhältnis zu meinen Eltern wieder normalisiert“, sagt Feik. Dennoch kostete ihn die holprige Übernahme privat einen hohen Preis. Er arbeitete täglich mehr als zwölf Stunden; musste sich viele Dinge, die zuvor noch in der Verantwortung des Vaters lagen, kurzfristig aneignen. Das führte unweigerlich zu einer erheblichen Belastung seiner familiären Situation. Am Ende ließen der zu diesem Zeitpunkt zweifache Vater und seine Frau sich scheiden. „Wir kommen aber gut miteinander aus“, sagt Feik: „Ich sehe meine Söhne Marcel (20 Jahre alt) und Nico (15) regelmäßig.“ Mittlerweile ist er in zweiter Ehe verheiratet und wohnt mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter Dana (3) in Melle.

Stolz auf das Unternehmen

„Ich freue mich immer auf die Arbeit. Ich weiß nie, was mich in der Firma erwartet“, sagt Thomas Feik. Man glaubt es ihm. Der 49-jährige ist stolz auf sein Unternehmen, das sich trotz wachsendem Wettbewerbsdruck mit der Qualität seiner Leistungen am Markt behauptet. „Unsere Stärke ist unser individueller Service“, sagt der Chef. Für seine Kunden ist er rund um die Uhr telefonisch erreichbar. Im Normalfall gehören die Wochenenden aber der Familie. Samstagsarbeit gibt es nur noch in Ausnahmefällen. Für den Ausgleich zum Job sorgen bei Feik neben Frau und Kindern zwei Hunde, mit denen er viel unterwegs ist. Nach zwei Kreuzbandrissen treibt er selbst nicht mehr viel aktiven Sport, auch wenn er sich gerne an die zehn Jahre erinnert, die er beim TuS Engter in der ersten Herrenmannschaft mitspielte. Zeit nimmt er sich zudem für zwei Ehrenämter: Seit zehn Jahren ist er Lehrlingswart und Prüfungsvorsitzender der Metallinnung Bersenbrück. I m Landesverband Metall Niedersachsen und Bremen hat er vor sechs Jahren das Amt des Rechnungsprüfers übernommen. Seit sechs Jahren leitet er außerdem die Fachgruppe Feinwerkmechanik. Auf die Frage nach seinen Wünschen für die Zukunft antwortet Thomas Feik: „Ich wäre froh, wenn eines meiner Kinder den Betrieb in zehn Jahren weiterführt. Dafür wünsche ich mir eine harmonische Übergabe.“ Wer seine Geschichte kennt, den dürfte das nicht wundern.


Die Firma Feik Maschinenbau wurde 1975 durch Manfred Feik gegründet. „Anfangs gab es nur eine Garage mit Drehbank und Fräse“, erinnert sich Thomas Feik: „Meine Mutter arbeitete im Büro mit.“ Zu den ersten Kunden des jungen Unternehmens zählten ein benachbarter Fahrzeugbauer, aber auch die Firma Coppenrath & Wiese. Zehn Jahre später wurde es in der Garage trotz einiger Anbauten zu eng. Manfred Feik verlegte den Firmensitz an den heutigen Standort an der Vördener Straße. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 27 Mitarbeiter, davon vier Auszubildende, ein Meister als Werkstattleiter, ein Ausbilder und zwei Bürokräfte. Der Altersquerschnitt liegt bei etwa 30 Jahren. Fast alle Mitarbeiter in der Produktion haben bei Feik auch ihre Ausbildung Feinwerkmechaniker oder Zerspanungsmechaniker absolviert. Seit 2012 kooperiert das Unternehmen dabei eng mit der Hauptschule Bramsche. Die rund 100 Kunden kommen überwiegend aus einem Umkreis von 50 Kilometern. „Unter anderem arbeiten wir für alle größeren Bramscher Unternehmen“, sagt Thomas Feik.

Ein wichtiger Kunde ist bis heute Coppenrath & Wiese. Die Firma Feik repariert die Maschinen des Kuchenbäckers. „Im Sommer arbeiten sechs bis acht Leute von uns bei Coppenrath“, erklärt Thomas Feik: „Sie übernehmen die Revision der Maschinen. Kaputte Teile stellen wir in Einzelfertigung neu her.“ Auch für die Unternehmen Nexans und Essex übernimmt Feik Maschinenbau die Revision. Im Wettbewerb behaupte sich seine Firma durch Tempo, Flexibilität und Genauigkeit, so Feik: „Wir arbeiten Just in Time, wenn es sein muss auch am Wochenende. Bei Metallteilen liegt unsere Präzision bei einem Hundertstel Millimeter.“ Für Neukonstruktionen im Sondermaschinenbau kooperiert Feik mit einem externen Dienstleister. Feik Maschinenbau erwirtschaftete zuletzt rund 2,2 Millionen Euro Umsatz. Zirka 40 Maschinen gehören zur Ausstattung des Unternehmens, darunter verschiedene Drehbänke, ein Bohrwerk, vier CNC-Fräsen, ein Fünf-Achs- Bearbeitungszentrum, drei CNC- Bänke mit angetriebenen Werkzeugen und zwei Zyklen- Drehbänke. „Wir können alle Metalle schweißen“, erklärt Feik: „Was viele nicht wissen: Wir haben Kabinen zum Sandstrahlen, die man auch privat mieten kann.“

Der Chef legt großen Wert auf ein gutes Betriebsklima. Bei Feik gibt es viele Fußballfans und eine Betriebself. Seit kurzem erhält jeder Mitarbeiter auf Kosten des Betriebes einmal in der Woche einen Korb mit Obst und Gemüse aus biologischem Landbau. „Dabei arbeiten wir mit der Gemüsegärtnerei Kalkriese zusammen“, sagt Thomas Feik.

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