Nigerianer jetzt in Bersenbrück Trainer Al Anozie fühlt sich an Bramscher Zeiten erinnert

In der Nachwuchsarbeit bindet Al Anozie (3.v.l.) auch Ex-Profi Emil Jula (r.) und Igor Balov ein. Die Landesligakicker trainieren die C-Jugend des TuS Bersenbrück. Foto: Rolf KamperIn der Nachwuchsarbeit bindet Al Anozie (3.v.l.) auch Ex-Profi Emil Jula (r.) und Igor Balov ein. Die Landesligakicker trainieren die C-Jugend des TuS Bersenbrück. Foto: Rolf Kamper

Bersenbrück. Der erste Schock ist überwunden: Nach sechs Monaten als Jugendkoordinator in der Fußballabteilung des TuS Bersenbrück sieht Lizenztrainer Al Anozie Licht am Ende des Tunnels. „Da war kein Chaos, da war gar nichts“, beschreibt der 46-Jährige seine ersten Eindrücke auf dem Vereinsgelände am Hastruper Weg.

In Anozie werden Erinnerungen wach – an Bramsche. Denn auf dem Wiederhall macht der gebürtige Nigerianer erste Erfahrungen mit der Ausbildung von Fußballtalenten. Eine Erfolgsgeschichte, deren zweites Kapitel in Bersenbrück geschrieben werden soll.

Der Satz „Wir haben den Nachwuchs eher stiefmütterlich behandelt“ aus dem Munde von Bersenbrücks Teammanager Peter Buschemöhle kommt seinerzeit der Wirklichkeit beim FCR Bramsche sehr nahe. Doch auch im Herbst 2015 lamentiert Anozie nicht lange, sondern packt an: „Wir sind inzwischen auf einem guten Weg“, sagt der Fußballlehrer, der seit seiner Amtsübernahme gefühlt mehr Stunden in Bersenbrück als zu Hause in Venne gewesen sein dürfte, heute nicht ohne Stolz.

In der Anfangszeit macht sich der „fußballverrückte“ Anozie , dessen eigene Karriere vor 20 Jahren wegen einer Verletzung abrupt auf einen Schlag zu Ende ist, wieder zunächst ein eigenes Bild von jeder TuS-Mannschaft ab den Minis. Der 46-Jährige erlebt auf und neben dem Platz Beliebigkeit in allen Altersjahrgängen: bemühte Übungsleiter, die als Einzelkämpfer die angesetzte Übungszeit ohne ein Konzept irgendwie über die Bühne kriegen, und unterforderte Kinder, die ohne konkrete Ziele keinen rechten Spaß mit dem runden Leder haben und den Verein wechseln, sobald sie merken, dass woanders Leistung gefragt ist und belohnt wird. Alles Punkte, die der neue Koordinator ändern möchte.

Anozie legt neben einer effektiven Infrastruktur viel Wert auf die interne Kommunikation. „Ich will regelmäßig wissen, was in den einzelnen Jahrgängen gut läuft und wo es Probleme gibt“, erwartet der 46-Jährige, dass Jugendtrainer oder Spielführer ihn auf dem Laufenden halten. In Gesprächsrunden findet ein reger Gedankenaustausch statt. Neben interner Weiterbildung in moderner Trainingsgestaltung vermittelt er auf Vereinskosten Übungsleitern Lehrgänge in Barsinghausen, um das Rüstzeug für eine gute spielerische und taktische Ausbildung zu erwerben und den gestiegenen Ansprüchen gerecht zu werden.

In Bramsche hat Anozies Grundlagenarbeit gefruchtet; ausgebildete Jugendtrainer „fördern und fordern“ die FCR-Talente selbstständig. Die Früchte der Arbeit können sich sehen lassen: Der FCR-Talentschuppen mischt auf Bezirks- und Landesebene mit und beweist, dass nicht nur Jugendspielgemeinschaften wie in Wallenhorst oder Ostfriesland konkurrenzfähig sind.

Anozies „Erben“ sind sogar so weit, dass der Übergang in den Seniorenbereich des FCR Bramsche behutsam und doch konsequent im Gange ist. „Der Nachwuchs braucht Zeit und Geduld“, sagt Trainer Michael Peplau, der trotz Rückschlägen dem Motto „Der Jugend gehört die Zukunft“ treu bleibt. Der von langer Hand vereinsintern geplante Umbruch geht im Sommer weiter: Mit Heino und Lothar van den Berg stehen zwei Trainer beim Kreisligisten FCR als Peplaus Nachfolger in den Startlöchern, die von Anfang an den couragierten Einsatz von Anozie mit Interesse begleitet und unterstützt haben.

Al Anozie ist schon ein bisschen stolz darauf, dass in Bersenbrück zum zweiten Mal der Jugendfußball in der öffentlichen Wahrnehmung als Zukunftsaufgabe die erforderliche Aufmerksamkeit erfährt. Der TuS-Jugendkoordinator beteiligt sich nicht an Spekulationen, wann entwicklungsfähige Talente im Seniorenbereich des aktuellen Landesligisten dafür sorgen, den zurzeit verschwindenden Anteil der Eigengewächse spürbar zu erhöhen. „Ich sage nur so viel, dass es bei aller Euphorie und allem Einsatz Jahre dauert, damit der geplante Umbruch Wirkung zeigt“: Der 46-Jährige weiß, wovon er spricht.


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