Bürgermeister erfreut Über 50 Bramscher bei erster Holocaust-Gedenkfeier


Bramsche. Mehr Teilnehmer als erwartet kamen am Mittwochnachmittag zur ersten öffentlichen Holocaust-Gedenkfeier, zu der die Stadt Bramsche eingeladen hatte. Über 50 Bramscher versammelten sich am Denkmal für die Zwangsarbeiter an der St. Johanniskirche.

Der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sei ein Tag, an dem der aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht werde. Deshalb sei der Platz am Denkmal in der Gartenstadt für Bramsche „der richtige Ort für das Gedenken“, sagte Pahlmann. Denn in den Baracken am heutigen Lutterplatz seien „Zwangsarbeiter unter elenden Bedingungen untergebracht“ worden. „An diesem Ort ist unschuldigen Menschen schreckliches Leid widerfahren - ganz besonders Kinder sind hier zu Opfern geworden“, meinte der Bürgermeister. Weiterlesen: Roman „Hölle von Bramsche“ wieder erhältlich .

Aktueller Bezug

So wichtig es sei, an „vergangenes Leid und vergangene Verbrechen zu erinnern“, so wichtig sei es ihm auch, die Aufmerksamkeit auf „die aktuellen Verhältnisse zu lenken“. Krieg, Flucht und Vertreibung prägen das Weltgeschehen, Der daraus resultierende Flüchtlingsandrang - in Bramsche mti der Erstaufnahmeeinrichtung in Hesepe besonders spürbar, sei eine Herausforderung, aber auch „eine Chance, den heutigen Opfern von Krieg und Vertreibung schon zu Lebzeiten einen Teil ihrer Würde zurückzugeben und sie mit Respekt zu behandeln“.

Pahlmann freute sich, dass viele Mitglieder des Bramscher Jugendparlamentes der Einladung zur Gedenkfeier gefolgt waren. „Erinnert Euch mit uns Älteren an die Opfer des Nationalsozialismus und helft mit, eine Brücke über Generationen hinweg zu schlagen hin zu den Menschen, die heute in unserer Mitte leben, weil sie in anderen Teilen der Welt zu Opfern geworden sind“, rief der Bürgermeister ihnen zu. Er schloss seine Ansprache mit einer Gedenkminute. Anschließend erläuterte die Künstlerin Gisela Spengler ihr Denkmal für die Zwangsarbeiter, das im letzten Jahr vervollständigt worden ist.

Nicht nur die Mitglieder des Jugendparlamentes wohnten der Gedenkfeier bei, sondern auch die Jugendlichen aus der Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge . Sie trafen sich im Anschluss im Haus der Awo noch zu einem weiteren Austausch mit den etwa gleichaltrigen Jupa-Mitgliedern. Er freue sich, dass die jungen Bramscher „durch den Austausch auf Augenhöhe, durch gemeinsame Gespräche und Unternehmungen aktiv dazu beitragen wollen, dass sich die jungen Flüchtlinge hier einleben können“, meinte Pahlmann.

Für den Vorstand der Bramscher Initiative für das Miteinander der Kulturen (Biku) erinnerte Annette Specht an die erste Gedenkveranstaltung vor einem Jahr im kleinen Kreis. Die darauf einsetzende Kritik, dass nicht alle zu dieser Feier eingeladen worden waren, sei „das größte Lob, das wir für diese Initiative kriegen konnten“. Deshalb freue sie sich über die große Resonanz.

Neuer Anlauf für Stolperstein

Zu den Teilnehmern der Veranstaltung gehörte auch der Bramscher Geschichtsforscher Dieter Przygode, der in der Vergangenheit immer wieder das Fehlen einer Gedenkfeier in Bramsche kritisiert hatte. Er freue sich über die große Resonanz und hoffe, dass „sich das in den nächsten Jahren verfestigt“. Wichtig sei auch, dass „junge Leute mit ins Boot geholt“ würden. Außerdem sei es vielleicht angebracht, noch einmal neu über eine Beteiligung an der Kunstaktion „Stolperstein“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig nachzudenken. Die Steine sollen an Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden und dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Jüdin Ruth ten Brink , die aus Bramsche in die Niederlande floh und dort Opfer des Terrors wurde, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. „Die formalen Kriterien, an denen ein erster Anlauf für einen Stolperstein scheiterte , werden heute nicht mehr so eng gesehen“, meinte Przygode. Unter anderem gebe es Ruth ten Brink gewidmete Gedenksteine auch in Barsinghausen und Osnabrück.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN