Fragen und Antworten Bramsche: Ausbau von Möbel Hardeck – was darf, was nicht?

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Zu dem geplanten Ausbau des Möbelhauses Hardeck gibt es noch einige Fragen. So ist derzeit noch nicht bekannt, ob das Brückencafé bestehen bleibt, wenn Haus 1 (links) und Haus 2 miteinander verbunden werden. Foto: Björn DieckmannZu dem geplanten Ausbau des Möbelhauses Hardeck gibt es noch einige Fragen. So ist derzeit noch nicht bekannt, ob das Brückencafé bestehen bleibt, wenn Haus 1 (links) und Haus 2 miteinander verbunden werden. Foto: Björn Dieckmann

Bramsche. Das Möbelhaus Hardeck will in Bramsche die Alte Engterstraße überbauen und dadurch mehr Verkaufsfläche schaffen. Aber dürfen die Nachfolger der Familie Staas das überhaupt so ohne Weiteres? Das ist nur eine von vielen Fragen rund um das Vorhaben. Wir geben Antworten.

Ist die Entscheidung schon gefallen, ob Hardeck bauen darf?

Jein. Das Unternehmen muss natürlich einen Bauantrag einreichen, dem stattgegeben werden muss. Darüber hinaus profitiert Hardeck allerdings von einem Bebauungsplan, der bereits 2009 – also noch zu Staas-Zeiten – vom Bramscher Stadrat beschlossen wurde und genau die Umbauten zulässt, wie sie nun Hardeck vorhat: Die Verbindung von Haus 1 und 2 durch Überbauung der Engter Straße. Die Familie Staas stellte schon 2005 erste entsprechende Planungen vor, die Verkaufsfläche zu erweitern. Nach langen politischen Diskussionen wurde der Bebauungsplan zwar beschlossen. Staas verzichtete aber auf den Umbau und modernisierte stattdessen in den bestehenden Gebäuden.

Und warum verzichtete Staas damals?

Querelen gab es insbesondere um vorgeschriebene Beschränkungen des Sortiments. Sprich: Staas hätte auf den Erweiterungsflächen nicht ohne Weiteres verkaufen dürfen, was sie verkaufen wollten. Strenge Vorgaben gab es für Waren, die nicht dem Kernsortiment (Möbel, Matratzen und Zubehör, Teppiche und Bodenbeläge, Lampen und Leuchten) eines Möbelhauses entsprechen. So wurden maximal zulässige Verkaufsflächen festgelegt für sogenannte „nicht-zentrenrelevante Randsortimente“ (Großelektro [Weiße Ware], Bad- und Sanitärausstattung, Raumausstattung, Gardinen, Sonnenschutz, Tapeten und Zubehör, Gartenaccessoires) und für „zentrenrelevante Randsortimente“ (Glas, Porzellan, Keramik, Hausrat, Geschenkartikel, Bilder/Rahmen/Kunstgegenstände, Schreibwaren, Bücher, Zeitschriften, Bekleidung, Lederwaren, Schuhe, Sportartikel, Spielwaren). Gar nicht zulässig ist demnach der Verkauf in folgenden Bereichen: Foto, Optik, Uhren und Schmuck, Lebensmittel und Getränke (soweit nicht Verzehr vor Ort), Drogerieartikel, Kosmetik, Parfümeriewaren, Arzneimittel, Tiere, Tiernahrung, Zooartikel. Durch die strengen Vorgaben sollen insbesondere die Geschäfte in der Innenstadt geschützt werden, aber auch Unternehmen im Umland.

Muss sich Hardeck auch an diese Beschränkungen halten?

Ja. Die Vorgaben wurden in den städtischen Bebauungsplan aufgenommen, der noch heute gültig ist. Was Hardeck auf der nach dem Umbau erweiterten Verkaufsfläche anbieten will, ist im einzelnen noch nicht bekannt. Der Möbelhändler mit Stammsitz in Bochum setzt aber in all seinen Standorten sehr stark auf ein großes Angebot an Küchen. Möglich, dass dieser Schwerpunkt noch verstärkt werden soll. Dabei würde es sich dann also um eine ohne Weiteres zulässige Erweiterung des Kernsortiments handeln.

Was passiert mit dem Brückencafé?

Das ist derzeit noch nicht im Detail bekannt. Firmenchef Karl-Ernst Hardeck war bei Übernahme des Möbelhauses zwar ganz begeistert vom Brückencafé und bezeichnete es damals als wichtigen Standortfaktor. Ob es nun aber in der bestenden Form in die neuen Planungen passt, ebenfalls neu gebaut oder aufgegeben wird, bleibt abzuwarten. Es ist allerdings davon auszugehen, dass es weiterhin ein gastronomisches Angebot bei Hardeck geben wird.

Ist jemand gegen das Projekt?

Protest könnte von den Anwohnern der Hermann-Tempel-Straße kommen. Diese fürchten – so ist es auch schon in Kommentaren auf der BN-Facebookseite zu lesen –, dass der Fahrzeugverkehr vor ihrer Haustür erheblich zunehmen wird, wenn der Abschnitt der Alten Engterstraße in Richtung Möbelhaus gesperrt wird. Diskutiert wurde dieser Punkt auch schon vor der Verabschiedung des Bebauungsplans 2009. Nach einer Probe-Sperrung der Alten Engterstraße kam das Bauamt der Stadtverwaltung zu dem Schluss, dass der Zuwachs der Verkehrsmengen in der Hermann-Tempel-Straße „angesichts des rückgängigen Lkw-Verkehrs und des geringen Geschwindigkeitsniveaus noch tolerabel“. Als Ausweichstrecke habe die Straße eine „geringe Attraktivität“.

Wie geht es jetzt weiter?

Wann der Umbau begonnen werden kann, ist noch ungewiss. Im Frühjahr 2016 will Hardeck Architektenpläne vorstellen. Politisch entschieden werden braucht nur noch die Sperrung der Alten Engter Straße. Die entsprechende „Absicht zur Teileinziehung“ wurde bereits durch Beschluss von Ortsrat und Verwaltungsausschuss erklärt. Drei Monate lang haben Bürger nun Gelegenheit, dagegen Einwendungen vorzubringen. Wenn diese Bedenken als unbegründet eingestuft werden, entscheiden abschließend der Ortsrat Bramsche und der Verwaltungsausschuss des Stadtrats endgültig über die Teileinziehung der Alten Engterstraße zwischen dem Kreisel am „Struwen Eck“ und der Hermann-Tempel-Straße. Die entsprechende Fläche muss Hardeck dann kaufen, um dort bauen zu können. Erwartet wird, dass in das Gesamtprojekt mindestens zehn Millionen Euro investiert werden.


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