Wichtiger als der Tannenbaum? Vielfalt an Weihnachtskrippen in Bramsche

Von Ilona Uphaus


Bramsche/Neuenkirchen-Vörden/Rieste. Eine Krippe gehört für viele Menschen zum Weihnachtsfest dazu – für einige ist sie wichtiger als der Tannenbaum. Vor allem in den Kirchen sind von Weihnachten bis in den Januar hinein viele verschiedene Exemplare zu sehen, die von Gemeindemitgliedern liebevoll aufgebaut werden. Einige Krippen stellen wir hier kurz vor.

Bramsche

Die evangelische St. Martin-Kirche im Mittelpunkt der Altstadt beherbergt gleich zwei Krippen: eine schlicht gehaltene mit sieben Keramikfiguren und eine bunte Variante mit Filzfiguren, 2006 von Mitgliedern der Gemeinde gefertigt. In der katholischen St. Martinus-Kirche findet der Besucher eine große Krippenlandschaft mit rund 100 Jahre alten Gipsfiguren (s. Bericht unten). Die katholische Heilig-Geistkirche am Westfalenring 5 zeigt eine Landschaft mit jüngeren Olivenholzfiguren aus den Christlichen Kulturwerkstätten Bethlehem. In der katholischen Gemeinde St. Johannes Evangelist Malgarten, Am Kloster 7, sind kolorierte Holzfiguren sehr detailliert gestaltet.

Bei der evangelischen St. Johannis-Gemeinde Gartenstadt hat Christoph Wolke mit Unterstützung von Grit Beimdiek am Taufbecken Figuren aus hellem Olivenholz aufgestellt, die etwa 50 Jahre alt sein dürften. Die Christuskirchengemeinde in Hesepe zeigt eine Krippenszene mit gefilzten Figuren, die rund zehn Jahre alt sind, während der Krippenstall so alt wie die 50-jährige Gemeinde ist. Der St. Marien-Gemeinde in Ueffeln wurden vor rund 15 Jahren drei große Holzfiguren Maria, Josef und Jesus geschenkt. Das Besondere: Maria und Josef gehen in der Adventszeit auf Herbergssuche, wandern im Koffer zu den Familien und ziehen erst am Heiligabend in die Kirche ein. Spannend sind die Eintragungen im mitreisenden Tagebuch.

In der evangelischen St. Johannis-Kirche in Engter baut Küsterin Daniela Plettau eine Krippe mit 16 rund 30 Zentimeter großen Holzfiguren auf. Die evangelische Friedenskirchengemeinde Achmer besitzt eine Krippe, die rund 50 Jahre alt ist. Die etwa 15 Zentimeter großen Holzfiguren wurden seinerzeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen hergestellt, wie Küsterin Ingrid Meyer berichtet. Im Eingangsraum der Kirche steht zusätzlich ein großes Krippenbild aus schwarzem Tonkarton und buntem Transparentpapier. Und zum Heiligabend wird aus Birkenstämmen ein großer angedeuteter Stall aufgestellt – für das Krippenspiel.

Neuenkirchen-Vörden

In der evangelischen Apostelkirche in Neuenkirchen gibt es von dem Künstler Ferdi Starmann (s. Bericht unten) gefertigte unkolorierte Figuren aus Lindenholz. Die katholische St. Bonifatius-Kirche in Neuenkirchen zeigt in der Nische neben dem Altarraum eine Krippenlandschaft mit von Schönstatt-Schwestern angeschafften Figuren aus den 50er-Jahren, die selbst genähte Kleider tragen. Der Hintergrund wurde vor drei Jahren von Ferdi Starmann neu gestaltet und zeigt unter anderem die Bethlehem-Kirche.

In der evangelischen St. Christophorus-Kirche in Vörden finden sich Krippenfiguren, die als Projekt des Frauenkreises 1983 von der inzwischen verstorbenen Grete Pösse aus dem Ton der Penter Ziegelei gefertigt und auch dort gebrannt wurden. Den Krippenstall baute Gerhard Brand. Die Krippe ist schlicht gehalten, „aber das macht gerade das Besondere aus“, findet Kirchenvorsteher Herbert Staas. Rund zehn Mitglieder der Kolpingfamilie Vörden bauen in der katholischen St. Paulus-Kirche etwa drei Stunden lang eine zwei Mal 3,5 Meter große Krippenlandschaft mit Figuren zwischen 50 und 60 Zentimetern Höhe auf. Die Figuren sind schon älter und wurden nach und nach angeschafft, berichtet Berthold Röwekamp.

Rieste

Die evangelische Emmaus-Gemeinde besitzt eine Krippe, die von dem damaligen 1995 gegründeten Basarkreis angeschafft wurden. Die Bastelgruppe nutzte die ersten Erlöse aus dem Weihnachtsmarktbasar für die Anschaffung der rund 20 Zentimeter großen Holzfiguren und den großen Stall, der im holländischen Denekamp eingekauft wurde und nicht in den Kofferraum gepasst habe, wie sich Irmgard Trigloff erinnert.

Die katholische Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer präsentiert auf Lage eine um 1910 entstandene Krippe aus Kevelaer mit rund 25 Figuren, die rund 50 Zentimeter hoch sind. Besonderheit: die Ohren des Esels sind aus Leder. Ganz neu: Die Krippenlandschaft befindet sich in diesem Jahr nicht mehr unter der Orgelempore, sondern wurde von Miriam Krämer und einem zehnköpfigen Helfer-Team vorne am Katharinenaltar ganz neu arrangiert.

Die Informationen stammen zum Teil aus dem 2011 erschienenen Buch „Weihnachtskrippen im Osnabrücker Land“ von Gerhard Lohmeier, dem Vorsitzenden des Vereins für Krippenfreunde Osnabrücker Land/Emsland. Das Buch stellte uns Pfarrer Tobias Kotte zur Verfügung.


Das Wort Krippe bedeutet ursprünglich „Futtertrog“, worin der neugeborene Jesus gelegt worden sein soll. Die älteste bildliche Darstellung der Geburt Christi aus dem 4. Jahrhundert fand man in den Katakomben Roms. In der Sixtinischen Kapelle steht auch eine der ältesten Weihnachtskrippen mit Alabasterfiguren aus dem Jahr 1289. Weihnachtskrippen als plastische Darstellung der Weihnachtsgeschichte hielten ab Mitte des 16. Jahrhunderts Einzug in Europa, zuerst als Mittel religiöser Unterweisung durch die Jesuiten. Im 18. Jahrhundert der Aufklärung und Säkularisation gab es teilweise das Verbot von Krippen in Kirchen und öffentlichen Räumen. Daher hielten Krippen Einzug in Privathäuser. Eine der weltweit größten Krippensammlungen gibt es im Bayrischen Nationalmuseum in München. Eine der ältesten Krippen im Osnabrücker Land steht im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück. Diese Figuren aus Wachs wurden 1912 von der Kirchengemeinde Lage-Rieste im Zuge von Renovierungsmaßnahmen verkauft. Ochse und Esel sind in der frühchristlichen Literatur die Sinnbilder für die beiden Teile der Kirche, die Juden und die Heiden.

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