Adventskalender-Serie BN öffnen Türen: In der LAB-Kleiderkammer

Bramsche. „Die Bramscher Nachrichten öffnen Türen“ – unter diesem Motto stellen wir bis Heiligabend Orte und Räumlichkeiten aus Bramsche und Umgebung vor, die sonst nicht unbedingt zugänglich sind. An jedem Erscheinungstag einen, einem Adventskalender gleich. Heute sind wir in der Kleiderkammer in der Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber in Hesepe.

„Ich bin hier die Kellerassel“, grinst Maria Klein. „Und ich bin die von der Kirche“, fügt Nora Steinbrügge ebenfalls schmunzelnd hinzu. Beide zusammen sind sie diejenigen, die die Kleiderkammer in der Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber in Hesepe betreuen: Maria Klein als Mitarbeiterin der Landesaufnahmebehörde (LAB), Nora Steinbrügge ist angestellt bei der Diakonie.

Humorvoll geht es zu im Keller von Haus 26 in der Aufnahmestelle. „Man bekommt hier so seine Bezeichnungen, die wird man nicht mehr los“, erzählt Maria Klein, die auch eilends hinzufügt, dass „ich hier doch eigentlich die Kellerkönigin bin“. Lacht, und geht auf einen kleinen syrischen Jungen zu, der gerade zur Tür hereingekommen ist: „Na, mein Engel, was möchtest Du?“ fragt Klein ihn – wohlwissend, dass sie nicht ganz versteht. „Wir unterhalten uns hier eher mit Händen und Füßen“, sagt Klein. Aber nachdem ihr junger Kunde sich eine kleine Tasche rausgesucht hat, in die er seine paar Habseligkeiten verstauen möchte, muss er doch die deutschen Wörter, die er bereits gelernt hat, aufsagen: „Goldig, der Kleine. Der kommt hier öfter vorbei“, berichtet Steinbrügge. „Er hat sich seine Neugier und Offenheit bewahrt“, fügt sie an und erzählt, dass er mit seinem Vater aus Syrien geflohen sei, nachdem die Mutter verstorben war. „Der Vater hat daran schwer zu arbeiten, er ist sehr traurig“, so Steinbrügge.

Wer möchte, bekommt also in der Kleiderkammer nicht nur Kleidung, sondern auch Aufmunterung, Sympathie, Empathie, einfach ein paar nette Worte. Maria Klein und ihr Team nehmen sich die Zeit dafür. Einige Asylbewerber sind in der Kleiderkammer beschäftigt und erhalten eine geringe Entlohnung, über die Diakonie sind Ehrenamtliche hier engagiert. Dass sich die Mitarbeiter für ihre Kunden ein wenig Zeit nehmen können, war nicht immer so: „Als wir hier 6000 Leute in der Unterkunft hatten, ging es hier ganz anders zu“, erinnert sich Klein an die Sommermonate, als die Belegungszahlen in der LAB unaufhörlich stiegen. „Damals mussten wir immer ein Kontingent an Leuten hier in die Kleiderkammer warten und dann erstmal wieder die Tür verrammeln. Anders wäre das gar nicht gegangen“.

Heute ist es ein Kommen und Gehen. Und: „Wir haben jetzt auch etwas mehr Platz. In einem zweiten Raum liegen jetzt auch noch Sachen aus“, zeigt Steinbrügge. In einem weiteren Raum stehen Plastik-Kisten und einige Kartons. „Hier tauschen wir die leergeräumten Kisten gegen die neuen Sachen aus, die wir von der Sammelstelle an der ‚Brücke‘ erhalten“, erklärt Steinbrügge. Alles ist säuberlich beschriftet, „so können die Mitarbeiter auf den ersten Blick erkennen, ob es für Männer, Frauen oder Kinder ist, ob Schuhe, Pullover oder Hosen. Das ist auch dringend nötig, um hier effektiv arbeiten zu können“.

Denn trotz allen Humors, aller warmherzigen Worte für die Kunden, aller auch mal flapsigen Sprüche untereinander: Das, was hier geleistet wird, ist Arbeit. Harte Arbeit sogar. Aber zu merken ist: Die von der Kirche, die Kellerkönigin und das Team, sie arbeiten hier gerne.


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