Treffen im Kirchenkreis Bramsche Oltmer sieht Bürgermeister bei Integration als Moderatoren

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Der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer (stehend) referierte während des Treffens der Bürgermeister und der Landtagsabgeordneten im Wohnzimmer von Superintendent Hans Hentschel über Zuwanderung und Flüchtlinge. Vorne im Bild: (v.l.) Timo Natemeyer aus Bad Essen, Hildegard Schwertmann-Nicolay aus der Samtgemeinde Neuenkirchen und Ansgar Brockmann aus Neuenkirchen-Vörden. Foto: Marcus AlwesDer Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer (stehend) referierte während des Treffens der Bürgermeister und der Landtagsabgeordneten im Wohnzimmer von Superintendent Hans Hentschel über Zuwanderung und Flüchtlinge. Vorne im Bild: (v.l.) Timo Natemeyer aus Bad Essen, Hildegard Schwertmann-Nicolay aus der Samtgemeinde Neuenkirchen und Ansgar Brockmann aus Neuenkirchen-Vörden. Foto: Marcus Alwes

Bramsche. Kaffee und Kuchen standen auf den Tischen. Und der Experte und Wissenschaftler in der Mitte des Raumes redete nicht lange um den heißen Brei herum. „Es gibt ein grundsätzliches Problem in Deutschland. Wir haben insgesamt relativ wenig Kenntnisse im Migrationsbereich“, sagte Jochen Oltmer.

Die Materie sei „unendlich kompliziert“. Deshalb falle es Gesellschaft und Politik momentan auch schwer, so der Osnabrücker Universitäts-Professor und Fachmann , die Herausforderungen von Zuwanderung und Flüchtlingsintegration nicht nur irgendwie, sondern überzeugend zu meistern. „Wir stochern verdammt im Nebel“, stellte Oltmer mit Blick auf das aktuelle Deutschland fest. Beispielsweise gebe es zu wenig belastbare Daten und Zahlen über die inzwischen angekommene Zahl von Migranten.

Oltmer – der Mann aus dem zuletzt bundesweit so gefragten Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (IMIS) – sprach vor den Bürgermeistern und Landtagsabgeordneten des evangelischen Kirchenkreises Bramsche. Superintendent Hans Hentschel hatte dazu extra sein Wohn- und Esszimmer zur Verfügung gestellt. Zusammen mit der Osnabrücker Landesuperintendentin Birgit Klostermeier begrüßte er die elf Gäste offiziell. „Ich frage einfach mal: Gibt es ein Kontingent an Christlichkeit in der Flüchtlingsfrage“, sagte Hentschel, „und wenn ich Christlichkeit sage, dann meine ich Menschlichkeit.“

Ein Gedanke, den Oltmer später aufgriff, als er gerade an die Bürgermeister und andere Kommunalpolitiker appellierte, „vor Ort eine Moderatorenrolle wahrzunehmen“. Und dabei Einheimischen und Zuwanderern gleichermaßen wichtige Dinge und Zusammenhänge zu erklären. „So früh wie möglich. Das vermeidet Schwierigkeiten“, so Oltmer. Dazu gehöre dann auch, darauf hinzuweisen, dass die jüngsten Märsche von Flüchtlingen in Richtung der westeuropäischen Wohlstandsgesellschaften in Art und Umfang bislang eher eine Ausnahme seien. „Kaum jemand weiß“, so Oltmer, „es sind die ärmsten Staaten weltweit, die die meisten Flüchtlinge aufnehmen. 86 Prozent aller Flüchtlinge international kommen in Entwicklungsländern an.“ Deutschland sei also im Vergleich dazu weniger stark betroffen.

In der konkreten Arbeit vor Ort rief der Wissenschaftler dazu auf, den Flüchtlingen „nicht nur die deutsche Sprache über die Teilnahme an Sprachkursen zu vermitteln, sondern ihnen auch das aktive Sprechen zu lehren.“ Der direkte Kontakt im Alltag mit der einheimischen Bevölkerung sei von großer Wichtigkeit. „Je stärker wir also dezentrale Strukturen schaffen, desto mehr Kontakte entstehen zwangsläufig“, so Oltmer. Dann werde Integration auch gelingen.


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