Vortrag von Gerald Hüther „Kinder brauchen Lernorte wie CSA-Hof Pente“

Von Holger Schulze

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Entwickelte etliche Visionen auf den CSA Hof Pente: Gerald Hüther. Foto: Holger SchulzeEntwickelte etliche Visionen auf den CSA Hof Pente: Gerald Hüther. Foto: Holger Schulze

Pente. „Ich war früher Hirnforscher, heute bin ich ein Trüffelschwein. Weil ich anfange zu verstehen, dass die Art, wie wir zusammenleben, nicht so ganz optimal ist.“ Mit dieser ungewöhnlichen Selbstbeschreibung begann Prof. Dr. Gerald Hüther seinen Vortrag „Lernen und Schule neu denken“ am Dienstagnachmittag im vollbesetzten Vortragsraum des CSA Hofes in Pente.

Das Hirn nutze sich nicht ab und sei auch nicht an einem bestimmten Entwicklungspunkt fertig. Man könnte sich jederzeit ändern, wenn man wollte. Als Beweis führte Hüther Schlaganfallpatienten an, bei denen ganze Hirnpartien ausgeschaltet seien. Irgendwann wurden aber die Vernetzungsmöglichkeiten des Gehirns entdeckt, die durch Übung neu in anderen Regionen des Gehirns angelegt werden können. Grundsätzlich könnten auf der gesunden Gehirnhälfte die Möglichkeiten der beschädigten wieder weitgehend aktiviert werden.

Neben diesen bereits erstaunlichen Erkenntnissen wisse man heute aber auch deutlich mehr von den Bedingungen, die vorhanden sein müssen, damit das Gehirn auch im hohen Alter noch aktiv und funktionsfähig ist. „Gesund bleibt derjenige, der in einer Welt lebt, in der er alles versteht, seine Lebenszusammenhänge selbst mitgestalten kann und in ihnen eine Sinnhaftigkeit erlebt“, sagte Hüther.

Suche nach Orten der Gesundung

Mit diesen Feststellungen kam Gerald Hüther schließlich bei seinem Beruf als „Trüffelschwein“ an. Aufgrund der Erfahrungen als Hirnforscher sei er zu einem Sucher nach den noch sehr seltenen Orten der Gesundung geworden, „wo Menschen verstanden haben, dass die neue Welt, in der sie gesünder sind, nicht vom Himmel fällt, sondern von ihnen selbst gestaltet werden muss“.

Bezogen auf neuen Formen des Lernens und eine kindgerechte Ausrichtung des Schulsystems kam Gerald Hüther schließlich zu seiner Vision, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte. „Veränderungsprozesse in einer Schule sind kein Problem, wenn sich die Beteiligten einig sind, was sie wollen. Selbst Unterricht auf der Waldwiese ist leicht möglich, wenn keiner dabei ist, der einen anzeigt“ lautete hier eine seiner Thesen.

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Kinder brauchen Lernorte

Hüthers Anregungen sehr gerafft in einigen Sätzen: „Kinder brauchen Lernorte, wo sie eine gute Beziehung zu sich selbst und anderen erlernen können. Es darf keine Schule mehr geben, in der ein Kind die Lust am Lernen verliert. Da wir uns im Austausch mit anderen befinden, muss in der Schule unbedingt gelernt werden, wie gegenüber älteren Menschen mit großen Erfahrungshintergründen ein Austausch erlangen werden kann, damit Kinder befähigt sind, sich das Weltwissen und die Erfahrungen anzueignen“.

„Jederzeit könnten wir es anders machen und uns in irgendeiner kleinen Gemeinschaft mit dem Anderen einigen, aufzuhören, den Anderen zu benutzen. Dadurch kommen Sie in einen Gesundungsprozess. Doch momentan machen wir so weiter wie bisher, weil, das kennen wir ja so gut“, versah Gerald Hüther gegen Ende seines Vortrags seine Visionen mit den Einschränkungen durch der derzeitigen Ist-Zustand, den es aber zu überwinden gelte. Wie, das könne man am CSA Hof Pente sehen. „Hier ist ein idealer Lernort, sinnvoll, verstehbar, mit neuen ökonomischen Möglichkeiten und naturnah“.

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