Konzert mit „DuckTapeTicket“ Ungewöhnliches Trio begeistert in Bramsche

Spielten unverbraucht, neugierig und ohne Scheuklappen in der Kornmühle auf: Paul Bremen, Anna-Sophie Dreyer und Veit Steinmann (von links). Foto: Holger SchulzeSpielten unverbraucht, neugierig und ohne Scheuklappen in der Kornmühle auf: Paul Bremen, Anna-Sophie Dreyer und Veit Steinmann (von links). Foto: Holger Schulze

Bramsche. Ein ungewöhnliches Trio mit eigenwilligem Namen und einer zu beidem passenden Musik gastierte am Mittwochabend zum Kornmühlen-Konzert im Tuchmacher-Museum. Anna-Sophie Dreyer,Viola, Paul Bremen (Violine, Viola) sowie Veit Steinmann am Cello zelebrierten als „DuckTapeTicket“ vor ihrem Publikum ein Konzert, das den Duktus klassischer Streichinstrument sprengte und gelegentlich weit hinter sich ließ.

Hohe Improvisationskunst und innovative Klangwege werden den jungen Musiker zugeschrieben. Prämiert wurde dieses Können bereits durch den Future Sound Wettbewerb der Leverkusener Jazztage. Wer die Musiker bei einem früheren Konzert gehört hatte, durfte wieder mit einer Erweiterung seiner etablierten Hörgewohnheiten rechnen.

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Traditioneller Beginn

Zu Beginn der Vorstellung gab sich das Trio mit einer eigenen Komposition noch eher traditionell. Leicht angeschrägte, aber dennoch harmonieaffine Tonfolgen bereiteten das Publikums behutsam auf den weiteren Verlauf des Konzertes vor.

Viele verschiedene Stücke, eigene und von fremden Federn stammend, versprach Anna-Sophie Dreyer dem Publikum. Geradezu lieblich kam das zweite Stück daher. Mit Square Dance Sequenzen, angereichert durch virtuoses Pizzicato, zeigte sich das Trio von seiner verspielteren Seite.

„News from Aleppo, ein Stück, von dem wir hofften, dass es immer weniger aktuell werden würde, was allerdings grade nicht der Fall ist“, dieses erneute Eigenkomposition startete in düsterer Finsternis, um sich in einem sich aufbäumenden Unisono der drei Instrumente zusammenzufinden und schließlich dem Cello den klagenden Part zu überlassen. Abgelöst vom schrill werdenden Weinen der Violine endete es schließlich gespenstisch düster.

Quietscheente Namenspate

Auch den zweiten Konzertteil setzte „DuckTapeTicket“ mit einem mitnehmenden Ideenreichtum fort. Der Name ist „dem Prinzip der gelben Quietscheente, unserem vierten Bandmitglied, entnommen: gut gelaunt, neugierig und ohne Scheuklappen. Und er hat außerdem einen guten Rhythmus“, erklärte Paul Bremen im Pausengespräch.

Anna-Sophie Dreyer, Paul Bremen und Veit Steinmann sind zwar examinierte Jazzmusiker, doch auch mit den Stilrichtungen, Rock, Bluegrass, Folk und Klassik vertraut. Die Besonderheiten ihres Zusammenspiel artikuliert sich nicht allein über die Beherrschung ihrer Instrumente, wobei Paul Bremen sich obendrein noch gekonnt dem Spagat zwischen Violine und Viola aussetzte.

Futuristische Akzente

Charakteristisch für „DuckTapeTicket“ ist eine Musikmischung aus eingängigen Phrasen mit schrillen, kratzbürstigen, auch zuweilen zerhackten Elementen der eigenen Kreativität. Die drei Musiker zeigten dem Publikum, dass ein Cello auch Rauschen kann und eine Geige das Geräusch eines ungeölten Türscharniers beherrscht. Doch all dies mit Augenmaß und einem ausgewogenen Wechsel zwischen junger zeitgenössischer Musik, experimentellen Tönen und traditionellen Klängen. „DuckTapeTicket“ setzt unverbraucht futuristische Akzente ohne die Wurzeln im musikalischen Mutterboden vollkommen zu kappen.

„Ich haben den Eindruck, die werden immer besser“, dieser Satz war in der Pause aus dem Publikum zu vernehmen. Am Mittwochabend wurde diese Wahrnehmung von beiden Konzertabschnitten eindrucksvoll bestätigt. Herzlicher Beifall und das Verlangen nach Zugaben belegten die lobende Einschätzung zum Konzertende nochmals.


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