Luttmer-Bensmann im Interview Neuer KAB-Bundeschef: Bramsche bleibt Lebensmittelpunkt

Andreas Luttmer-Bensmann an seinem Schreibtisch in Osnabrück als „Noch-Diözesansekretär“ der kirchlichen Arbeitnehmerorganisation. In Kürze wechselt er nach Köln in die Bundesgeschäftsstelle.Foto: Marcus AlwesAndreas Luttmer-Bensmann an seinem Schreibtisch in Osnabrück als „Noch-Diözesansekretär“ der kirchlichen Arbeitnehmerorganisation. In Kürze wechselt er nach Köln in die Bundesgeschäftsstelle.Foto: Marcus Alwes

Bramsche. Andreas Luttmer-Bensmann ist seit wenigen Tagen neuer Bundesvorsitzender der insgesamt 110000 Mitglieder starken Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Eine Organisation mit 2300 Ortsvereinen von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen.

Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 52-Jährige über seine Wahl, das neue Amt, sein künftiges Leben in Köln und Bramsche sowie die gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten des kirchlichen Verbandes. Aber auch über die Führung des Universum e.V. in der Tuchmacherstadt.

Herr Luttmer-Bensmann, warum wollten Sie unbedingt KAB-Bundesvorsitzender werden? Ist Ihnen die Arbeit als Diözesansekretär in Osnabrück nicht mehr genug?

(lacht) … Osnabrück ist auf jeden Fall genug. Das ist eine tolle Arbeit hier. Die mache ich jetzt schon seit fast 15 Jahren. Aber ich arbeite auch schon seit zehn Jahren auf der Bundesebene mit und leite dabei einen der zentralen Arbeitskreise für die Programmentwicklung. Und irgendwann stand die Frage im Raum: Wie geht es weiter im Bundesverband – und muss ich mich dieser Verantwortung, die ich da habe, nicht auch mal stellen? Nach ziemlich langer Überlegung habe ich Ja gesagt.

Mit wem haben Sie sich konkret abgesprochen, um dann den Hut in den Ring zu werfen – immerhin mussten Sie sich auf dem Kongress in Ludwigshafen einer Wahl stellen?

Ich habe natürlich zunächst mit der Familie gesprochen. Mit meiner Frau und unseren drei Kindern. Können wir uns das vorstellen? Geht das? Uns ist es aber nicht völlig fremd, weil meine Frau schon einmal Führungsmitglied in einem Bundesverband war. Danach habe ich mit Kollegen auf der Bundesebene, die ich gut kenne, Absprachen gesucht. Es ging um die Frage: Passt das, und stützt ihr das auch?

Kampagnen wie „Sonntag muss Sonntag bleiben“. Themen wie Mindestlohn, soziale Arbeitswelt oder die TTIP-Kritik. Die KAB hat ihre Meinung und Positionen formuliert. Aber dringen Sie damit in Zeiten greller Schlagzeilen, einfacher Schwarz-Weiß-Parolen und immer mehr boulevardesker Themen eigentlich noch mit differenzierten Lösungen durch?

Das ist wirklich eine sehr schwierige Frage. Die Schlagzeilen machen in unserer Gesellschaft auf jeden Fall andere. Die, die entweder Krawall organisieren. Oder die, die große Personen auf die Bühne werfen. Das haben wir als KAB nicht. Ich glaube aber, dass wir den Boden bereiten für Diskussionen . Und dass wir durchaus im kirchlichen Umfeld – und da sind wir im Moment noch weitgehend zu Hause – eine Stimme sind. Eine Stimme, die kritische Fragen stellt. Fragen, die wichtig sind, um sich mit Werten in dieser Gesellschaft überhaupt noch auseinanderzusetzen. Denn wenn wir uns nur noch über die Schlagzeilen und nicht mehr über die Werte definieren würden, dann bräuchten wir politische Diskussionen eigentlich gar nicht mehr ernsthaft zu führen. In Gesprächen mit der Politik merken wir jedenfalls, dass man unseren Positionen und Lösungsvorschlägen zuhört. Da werden wir schon ernst genommen.

Sie sind privat in Bramsche im dort nicht unbedeutenden Verein Universum e.V. kulturell und sozial engagiert. Sie sind dessen Erster Vorsitzender. Müssen Sie dieses Amt nun aus Zeitgründen abgeben?

Ich werde beim Universum e.V. erst einmal Vorsitzender bleiben und schauen, inwieweit das mit meiner Arbeit als KAB-Bundesvorsitzender kompatibel ist. Das wird auch mit der inzwischen voll etablierten Universum-Geschäftsführerin Jessica Mack noch einmal abgestimmt werden. Und mit Jan Terhalle habe ich einen Stellvertreter, der auch vor Ort kompetent eine ganze Menge an Dingen regeln und organisieren kann. Aber mittelfristig steht natürlich die Frage im Raum, ob das für mich zu leisten ist.

Wo wird Ihr persönliches Zentrum sein? In Köln, wo der Schreibtisch des KAB-Bundesvorsitzenden steht. Oder in Bramsche?

Ich werde meinen Lebensmittelpunkt nicht verlegen. Wir werden als Familie weiterhin in Bramsche wohnen. Denn unsere Kinder gehen noch in Osnabrück zur Schule. Und meine Frau arbeitet in der Fachklinik Nettetal. Von daher werde ich auch künftig Zeit in Bramsche verbringen.


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