Viele vegane Alternativen Franziska aus Engter: Kein Tier soll leiden

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Ein vegetarisches Gericht sowie das große Salatbuffet gehören in der Schulküche der Waldorfschule Evinghausen jeden Tag zum Standardangebot, was der Ernährungsweise von Franziska Rulhof sehr entgegenkommt. Foto: Holger SchulzeEin vegetarisches Gericht sowie das große Salatbuffet gehören in der Schulküche der Waldorfschule Evinghausen jeden Tag zum Standardangebot, was der Ernährungsweise von Franziska Rulhof sehr entgegenkommt. Foto: Holger Schulze

rulh Engter. „Hilfe, mein Kind isst kein Fleisch mehr“. Sich vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren, liegt absolut im Trend. Wenn aber das eigene Kind beschließt, (fast) ganz auf tierische Produkte zu verzichten, schrillen bei manchen Eltern die Alarmglocken: „Bekommt mein Kind auch alles, was es braucht?“ „Ist das nicht furchtbar kompliziert?“ „Kein Grund zur Sorge“, meint unsere ehemalige Praktikantin und Vegetarierin Franziska Rulhof.

„Vegetarier essen kein Fleisch und keinen Fisch. Soweit so gut. Kompliziert wird es bei den Veganern, die gar keine tierischen Produkte essen. Keine Milch, keinen Joghurt, keine Eier, keinen Honig und auch keine Gelatine, die zum Beispiel ein Bestandteil von Wackelpudding und Gummibärchen ist.

Vor ein paar Monaten habe ich beschlossen, Vegetarierin zu werden und außerdem weitestgehend auf tierische Produkte zu verzichten. Der Rest des Haushalts, bestehend aus meinem Vater Manfred Rulhof, meiner Mutter Angela Quast und meiner jüngeren Schwester Almut (14), essen weiterhin Fleisch und tierische Produkte.

Kein Tier soll leiden oder gar sterben

Vegetarierin und (so gut wie möglich) Veganerin bin ich geworden, weil mir wichtig ist, dass für meine Nahrung kein Tier leiden oder gar sterben muss. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Agrarflächen, die jetzt für die Futtermittelproduktion verwendet werden, besser zum Getreide- und Gemüseanbau genutzt werden sollten, um eine große Biodiversität sicherzustellen. Obwohl eine vegane oder vegetarische Ernährung keine Diät ist, wurde meine Entscheidung stark von Gesundheitsfragen beeinflusst.

Vor allem Milch und Milchprodukte scheinen mir keine für den Menschen geeigneten Nahrungsmittel zu sein. Das bestätigt auch die Zahl der Menschen, die an einer Laktoseintoleranz leiden: weltweit sind das rund 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. (Weiterlesen: Ist Milch gefährlich? Ein Hautarzt meint ja)

Verzicht? Nicht das Thema

Den meisten kommt, wenn sie an Vegetarier und Veganer denken, erst einmal das große abschreckende Wort „Verzicht“ in den Kopf. „Was kannst du denn jetzt überhaupt noch essen?“ ist die Frage, die mir immer gestellt wird, wenn ich jemandem erzähle, dass ich versuche, mich vegan zu ernähren. Tatsächlich gibt es, neben den vielen veganen Rezepten, auch eine große Menge Gerichte, die von Natur aus ohne tierische Produkte auskommen. Aus Kartoffeln, Reis und Nudeln als Beilage sowie jeglichen Arten von Gemüse und Pilzen kann man schon eine Vielzahl leckerer Mahlzeiten zubereiten.

Wenn man dann noch die breite Palette an veganen Ersatzprodukten wie Sojamilch, Cashew-Sahne oder Margarine hinzuzieht, gibt es kaum ein Gericht, welches man nicht auch in einer veganen Variante kochen kann. Bitterschokolade ist übrigens auch meistens vegan, genauso wie Brot, Reiswaffeln und viele Chips- und Müslisorten.

Freude an Experimenten

Die Sorgen meiner Mutter, ich könne mich als Veganerin nur noch von Salat und Knäckebrot ernähren, haben sich damit erübrigt. Auch Sätze wie „Aber ich kann beim Kochen nicht immer auf dich Rücksicht nehmen“ sind seltener geworden. Stattdessen, sagt sie, mache es ihr jetzt sogar regelrecht Freude, mit den veganen Ersatzprodukten herumzuexperimentieren. Ihr Sushi, das anstelle von Fisch mit Gurke und Avocado gefüllt ist und die vegane Kürbiscremesuppe nach einem Rezept aus dem Internet gehören zu meinen neugewonnen Leibgerichten und auch meiner Familie schmecken sie sehr gut.

Am Wochenende mache ich auch gerne vegane Pancakes aus Bananen und Buchweizenmehl, die meine sonst so kritische Schwester „besser als normale Pfannkuchen“ findet. Von Soja-Joghurt ist sie hingegen nicht so begeistert. „Der schmeckt nach Gras“ lautet ihr Urteil. Im Prinzip, sagt sie, fände sie vegane Ernährung aber gut und solange es lecker ist, würde sie es auch essen.

Von den Eltern unterstützt

„Man muss sich erst mal daran gewöhnen, dass ein Kind plötzlich nicht mehr Butter, sondern Margarine auf sein Schulbrot möchte“. meint mein Vater zu dem Thema. So wie meine ganze Familie unterstützt er meine Ernährungsweise und freut sich, dass ich ihn jetzt häufiger zum Einkaufen begleite.

Wenn wir vor den Regalen mit den veganen Produkten stehen, um beispielsweise Soja-Schoko-Pudding zu kaufen, entdecken wir oft auch neue Dinge, von denen wir nie erwartet hätten, dass es sie in der veganen Ausführung gibt. Eis zum Beispiel, oder Tiefkühlpizza. Und wir lernen auch neue Pflanzen kennen, mit denen wir vorher nie gekocht haben, die aber sehr lecker schmecken. Einer meiner neu kennengelernten Favoriten ist Quinoa, ein Korn aus Südamerika, das etwas nussiger schmeckt als Reis, aber genauso zubereitet und kombiniert wird. Es ist außerdem eine sehr gute Eiweißquelle für Veganer, denn Eiweißmangel ist immer die größte Sorge, die Nicht-Veganer im Bezug auf diese Ernährungsform und Gesundheit haben.

Problem Brotaufstrich

Das einzige Problem an der veganen Ernährungsweise ist für mich als Brotliebhaber die Frage nach dem Aufstrich. Um ehrlich zu sein, gibt es bisher noch keinen wirklich leckeren Ersatz, obwohl viele große Lebensmittelhersteller bei dem aktuellen veganen Trend mitmachen und sich an Käseersatzprodukten und vielem mehr ausprobieren. Vorerst müssen aber noch Alternativen genügen, zum Beispiel Streichcremes, die es mittlerweile in jedem Supermarkt gibt, sogar in Bio-Qualität. Meine Mutter macht sie auch gerne selbst mithilfe ihrer Küchenmaschine und ich bin nicht die Einzige bei uns, die diese Brotaufstriche köstlich findet.

Döner mit „Vleisch“

Nach Fleisch habe ich grundsätzlich kein Bedürfnis, und Fleischersatzprodukte wie Tofu, das aus Soja besteht, oder Seitan, das viele Vegetarier für den leckersten Fleischersatz halten, esse ich eher selten, obwohl sie gut schmecken und sehr nah an das Original herankommen. Aber wenn ich mit meiner Schwester in Osnabrück bin, gehen wir gerne zu dem türkischen Restaurant, das seit einigen Monaten veganen Döner mit „Vleisch“ (aus Seitan) und seit kurzem auch vegane Currywurst verkauft. Und dann isst auch sie die fleischfreie Variante, denn die ist mindestens genauso schmackhaft!“


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