Vom Ackerland zur Naturidylle Stiftung Hof Hasemann in Bramsche lebt vom Naturschutz

Von Sandra Dorn


Bramsche. Mit der Schaffung eines Natur-Idylls Geld verdienen – das geht. Die Brüder Wilhelm und Hermann Hasemann wollen mittels ökologischen Ausgleichsflächen ihren viele Jahrhunderte alten Hof in Bramsche-Achmer für die nächsten Generationen erhalten. Vor 15 Jahren haben sie dafür die Stiftung Hof Hasemann gegründet.

Das Zauberwort lautet „Kompensation“ (Ausgleich). Statt Getreide anzubauen und Schweine zu züchten, haben Hasemanns auf ihrem an die 90 Hektar großen Stiftungsareal Teiche, Wiesen, Wäldchen und sogar Heideflächen angelegt. Die ökologischen Werteinheiten aus ihrem Ausgleichsflächenpool haben sie vermarktet – vor allem an Kommunen wie Bramsche und Wallenhorst, die für Ersatz sorgen müssen, wenn sie etwa bei der Ausweisung von Wohn- oder Gewerbegebieten Natur zerstören. Die Erlöse aus der Vermarktung bilden das Kapital der gemeinnützigen Stiftung bürgerlichen Rechts.

Vielfalt für immer

„Die Stiftung ist auf Ewigkeit angelegt“, sagt Hermann Hasemann. „Die Flächen werden immer so bleiben, es sei denn, es gibt einen Paradigmenwechsel.“ Nilgänse flattern auf, als der Stiftungsgeschäftsführer seinen Wagen an einen Teich lenkt, der vor einigen Jahren auf einem alten Acker angelegt wurde. Auf den ersten Blick sieht das Stiftungsareal, das Spaziergänger auf einem sechs Kilometer langen Rundwanderweg erkunden können, unspektakulär aus. Wiesen, Wald, Gewässer. Doch wer sich nur ein bisschen für Tiere und Pflanzen interessiert, bemerkt die große Vielfalt. Auf sandigem Untergrund wachsen Sonnentau und Glockenheide, eine Weihe kreist über einer frisch gemähten Wiese, Goldammern zwitschern, Reiherenten tauchen in einem kleinen See, dahinter grasen Charolais-Rinder – und davor zieht Heinrich Schmidt mit einem Traktor seine Bahnen über das Gras und mäht.

Erhalt einer Kulturlandschaft

Darf der das? Geht es hier nicht um Naturschutz? „Wir betreiben produktionsintegrierte Kompensation“, erläutert Hasemann. Heißt: Es geht auch um den Erhalt einer Kulturlandschaft, die die Menschen in vielen Jahrhunderten der Landbewirtschaftung geschaffen haben. Und zu der gehört nun mal Weideviehhaltung ebenso wie die Produktion von Heu zum Füttern. Intensives Düngen indes ist verboten. Und bei den Gräsern wird der Stiftung von der Unteren Naturschutzbehörde genau vorgeschrieben, welche Pflanzenmischung eingesät werden muss – standortgerecht soll sie sein. Doch nicht alles, was dort wächst, gehört auf die Wiese. Hasemann blickt über die Wiese und runzelt beim Anblick gelb blühender Blumen die Stirn. „Das Jakobskreuzkraut muss rausgeholt werden. Das ist toxisch.“

Pächter ist heimisch geworden

Heinrich Schmidt hält kurz an und steigt vom Traktor. Die weißen Charolais-Rinder gehören ihm. „Wir haben vor 15 Jahren mit der Ammenkuhhaltung angefangen“, sagt er. „So was wie hier haben wir immer schon gesucht.“ Er ist Pächter der Wiese, doch auch er muss sich an die strikten Naturschutzbedingungen halten, darf beispielsweise erst ab Mitte Juni mähen – und Gülle ausbringen ist tabu.

Erfolgreiches Geschäftsmodell

„Die Stiftung hier ist für uns alle sehr vergnüglich, weil sie funktioniert“, sagt Hermann Hasemann, der dank der positiven Erfahrungen eine Flächenagentur gegründet hat. Regelmäßig reist er als Berater durch die Republik und stellt das Modell vor. „Wir waren deutschlandweit die ersten, die die Idee einer Stiftung auf Basis eines ökologischen Flächenpools umgesetzt haben“, berichtet er stolz und erklärt direkt, warum das Geschäft aufging: „Für viele hat Kompensation einen hohen Lästigkeitswert.“ Schließlich koste die Schaffung von Ausgleichsflächen, die im Naturschutzgesetz vorgeschrieben ist, Geld – und gepflegt werden müssen sie auch. All das pauschal anzubieten, das ist das Modell, aus dem die Stiftung ihr Kapital gezogen hat.

Angefangen mit einem Bauchladen

„Wir hatten hier am Anfang im Prinzip einen Bauchladen“, sagt er. Die Lage des Hasemannschen Hofs biete am Fuße des Wiehengebirges eine große landschaftliche Vielfalt: Dünen, leichte und schwere Ackerböden sowie Wald – und Moor. Der überwiegende Teil des Naturschutzgebiets „Grasmoor“ ist ebenfalls Bestandteil der Hasemannschen Flächen, steht allerdings unter der Hoheit des Landes Niedersachsen. Und am Bühner Bach, ein Zulauf zur Hase, hat die Stiftung eine Flutmulde angelegt, die Fischen als Laichgewässer dient. Mittlerweile sind sämtliche Ökopunkte vermarktet. Wer kompensieren muss – egal ob Landwirt, Firma oder Behörde – muss nun anderswo Flächen suchen.

Risiko eingegangen

Dass das Geschäft so gut aufgehen würde, war vorher nicht klar. „Das war hoch spannend“, so Hasemann. Auf der alten Flurbezeichnung „Nasser Hemen“ schuf die Stiftung den ersten, 1,8 Hektar großen Teich. Die Quellen, die ihn speisen, waren verrohrt und mussten erst freigelegt werden. Und auch jetzt ist das Stiftungsgelände kein Selbstläufer. Die Ufer der Teiche und auch das Moor müssen regelmäßig „entkusselt“, also von jungen Gehölzen wie Birkentrieben befreit werden, damit sie nicht verlanden. „Das Moor drohte zu verlanden“, erinnert sich Hasemann.

Lernen und Experimentieren

„Das ist alles Learning by doing“, sagt er. Wissenschaftlich unterstützt werde die Stiftung von der Hochschule Osnabrück und der Universität Münster. Hermann Hasemanns jüngstes Projekt ist die Schaffung einer Heide- und Wacholderlandschaft. Dazu hat er zwei Hektar Wald roden lassen. Der Boden ist sandig – die früheren Dünen stammen noch aus der Zeit nach der Eiszeit. Zwischen lila blühender Glockenheide wächst dort bereits Sonnentau. „Das sind die Pioniere“, erklärt Hasemann. Nun heißt es warten, bis sich weitere Heide-Arten etablieren. „Ich werde das nicht zwar mehr erleben“, sagt der Mittsechziger, „aber das Projekt ist ja auf Ewigkeit angelegt.“