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Inserat in Immobilienportal Warum wird Heseper Pipeline im Web angeboten?

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Vom Tanklager in Hesepe führt die stillgelegte Pipeline nach Hodenhagen. Sie durchzieht auch Epe, Schleptrup, Engter und Kalkriese. Archiv-Foto: Björn DieckmannVom Tanklager in Hesepe führt die stillgelegte Pipeline nach Hodenhagen. Sie durchzieht auch Epe, Schleptrup, Engter und Kalkriese. Archiv-Foto: Björn Dieckmann

Bramsche. Wohnungen werden, wenn nicht in der Zeitung, im Internet zum Kauf oder zur Miete angeboten. Bei Häusern und Gewerbe-Immobilien ist es ähnlich. Aber eine Pipeline, die von Bramsche aus nach Hodenhagen führt? Was hat es mit diesem kurios anmutenden Inserat auf sich?

Im Portal „Immonet“ ist das Inserat zu finden, bei dem mancher Nutzer sicherlich erst einmal stutzen wird: Eine „ehemalige Nato-Produktenfernleitung Bramsche–Hodenhagen“ wird dort zum Kauf angeboten. 147 Kilometer lang, Kaufpreis 1 Euro. Anbieter ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Die besagte Produktenfernleitung ist Teil des „Central Europen Pipeline System“ (CEPS): ein Versorgungsleitungssystem für Kraftstoffe, das sich über Deutschland, Frankreich und die Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg erstreckt. Insgesamt rund 5500 Kilometer lang, davon 1800 Kilometer in Deutschland.

Kerosin zum Tanklager

Teil des CEPS ist wiederum das Tanklager in Hesepe. Angeliefert wird dort Kerosin, das mittels Zusatzstoffen für die Verwendung in Militär-Flugzeugen aufbereitet wird. Die Weiterleitung des Treibstoffs erfolgt nunmehr allerdings nicht mehr über das Pipeline-System, die Militär-Stützpunkte im Nordwesten werden über Straße oder Schiene angesteuert. Deshalb wurde auch die Fernleitung nach Hodenhagen Ende vergangenen Jahres stillgelegt.

Nun soll sie also veräußert werden. Aber wer kauft sich schon eine Pipeline? Zumindest der „normale“ Bürger wird kaum infrage kommen. Denn etwas teurer als der zunächst genannte eine Euro wird es wohl doch werden: „Die enthaltene Kaufpreisangabe ist lediglich als Platzhalter und nicht als verbindliche Angabe anzusehen“, erfährt der Nutzer, der bei Aufruf des Inserats ein wenig nach unten scrollt. Um verbindliche Kaufpreisangebote wird gebeten – und diese werden wohl kaum von jemandem kommen, dem spontan in den Sinn kommt, dass er doch eigentlich immer schon mal eine Pipeline sein Eigen nennen wollte: „Nach den bisherigen Erfahrungen aus dem Verkauf entsprechender Anlagen sind diese beispielsweise für Energieversorger zur Erweiterung ihres Versorgungsnetzes von Interesse“, teilt ein Sprecher des Bundesamtes für Immobilienaufgaben auf Anfrage mit.

Die Pipelines eigneten sich neben der ursprünglichen Aufgabe, dem Transport von Treibstoffen, nach Umrüstung auch zum Transport von Erdgas. „Darüber hinaus können sie auch als Leerrohre zum Beispiel zur Verlegung von Stromleitungen genutzt werden“, heißt es. Ein Rückbau der in rund einem Meter Tiefe liegenden Rohre erfolge „grundsätzlich nur in wenigen, vertraglich vereinbarten Einzelfällen“.

Lokale Auswirkungen

Was also aus der ehemaligen Nato-Produktenfernleitung Bramsche–Hodenhagen wird, steht noch nicht fest. Eines aber ist sicher: Mancher Bramscher wird das weitere Schicksal der Pipeline, die in Hesepe beginnend auch Epe, Schleptrup, Engter und Kalkriese durchzieht, ganz gewiss verfolgen: Dabei handelt es sich um die künftigen Betreiber des Windparks Ahrensfeld . Diese nämlich wollen sieben Windräder errichten, eines davon recht nahe an der Fernleitung. Bauwerke allerdings dürfen nach aktuellem Stand, da sich die Pipeline noch im Eigentum der Bundeswehr befindet, nicht in einem Schutzstreifen von jeweils fünf Metern beiderseits der Rohrmitte errichtet werden.


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