Tagung am 29. August 2015 Igel in Engter: Erste Urkunde vor fast 600 Jahren

Von Hildegard Wekenborg-Placke


Engter. Im kommenden Jahr 2016 feiert der Hof Igel in Engter, die Keimzelle des heutigen Gartenbaubetriebes, sein 600-jähriges Bestehen. Aber es hieß doch erst 2008 „550 Jahre Hof Igel“. Das kann nicht sein? Doch, sagt der „Igel“-Chef und Historiker Dr. Karsten Igel. Neue Urkunden-Funde sind verantwortlich für die plötzliche Alterung des Anwesens.

Am 29. August werden interessierte Laien und Fachleute aus der ganzen Bundesrepublik zu einer Fachtagung unter dem Titel „Agrarwirtschaft und ländliche Gesellschaft im Hochstift Osnabrück“ in der idyllisch gelegenen Anlage am Eikrode erwartet, erzählt Igel, der neben seiner Funktion als Geschäftsführer der Igel Gartenkultur als Lehrbeauftragter an der Abteilung für westfälische Landesgeschichte der Universität Münster tätig ist. Bei den insgesamt acht geplanten Vorträgen wird es um das bäuerliche Leben und Wirtschaften bis ins 19. Jahrhundert gehen, um den „Mythos Artland“, das ländliche Bauen, über Plaggenwirtschaft oder die Haltung Justus Mösers zur Leibeigenschaft.

Urkunden online

Die ungewöhnliche Personalunion von Gartenbau-Chef und Historiker war es auch, die Igel auf die Unstimmigkeiten bei den Altersangaben in der Hofgeschichte stoßen ließ. Das Jahr 1458 galt lange Zeit als das der ersten urkundlichen Erwähnung des Hofes. Das änderte sich allerdings, als das westfälische Archivamt in großem Maße Urkundenmaterial online stellte. Eines dieser Dokumente besagte, dass bereits im Jahr 1416 die Familie von Varendorf den Hof Igel an die Familie van Bar verkaufte. Die Urkunde liegt im Schloss Darfeld in Rosendahl im Kreis Coesfeld. „Da guckt man nicht, wenn man Dokumente aus dem Osnabrücker Land sucht“, räumt Igel ein. Immerhin waren die Varendorfs im Osnabrücker wie im Tecklenburger Land ansässig.

„Wahrscheinlich wurde der Hof schon länger bewirtschaftet. Aber das ist schwer festzustellen“, fährt der Historiker fort. Sicher ist dagegen, dass der Hof nicht, wie vielfach üblich, ein Lehnsgut des Bischofs von Osnabrück, sondern ein Eigengut der von Varendorfs und später der von Bars war. 1628 verkaufte die Familie von Bar die Ländereien an den Rat der Stadt Osnabrück. Die Familie, die das Anwesen bewirtschaftete, zahlte eine Art Erbpacht, war aber auch persönlich gebunden. „Für die Bauern bestand eine gewisse Sicherheit durch die langfristige Anbindung an den Hof. Außerdem erwiesen sich die Osnabrücker offenbar als wesentlich angenehmere Grundherren als manche private “, sagt Igel.

Ein bisschen widerborstig

Ebenso lange, wie die Besitzverhältnisse nachzuweisen sind, ist der Name der jetzigen Besitzer belegt. Bis ins 15. Jahrhundert zurück ist von „Egelshof“ die Rede, wobei der Name, ein Spitzname, sicher auf einen gewissen Charakterzug zurückzuführen ist. „Igel“ nannte man Menschen, die sich durch eine gewisse Widerborstigkeit auszeichneten“, schmunzelt der aktuelle Namensträger. Einige Höhen und Tiefen in der Hofgeschichte sind verbrieft - ein Streit mit den Engteraner Bauern um die Wasserrechte, eine zwischenzeitliche Verpachtung, weil Kinder früh ihre Eltern verloren, aber selbst der Dreißigjährige Krieg wurde relativ unbeschadet überstanden. l.

Seit 1834 schließlich ist die Familie Igel „frei“, die Ablösung der Grundherrschaft ist verbrieft. Das Haus, das heute inmitten traumhafter Gartenanlagen steht, stammt in der Grundsubstanz bereits aus dem Jahr 1685. Das ergab eine dendrochronologische Untersuchung, die die Familie Igel im Zuge der Sanierung des Gebäudes im Jahr 2000 in Auftrag gab. Vom klassischen Bauernhof entwickelte sich der Hof Igel über den Gemüse- und Tabakanbau bis in die 70er-Jahre zur heutigen Gartenbaumschule, die dem Fachorgan „Deutsche Baumschule“ zufolge eine der größten Deutschlands ist. „Wir betreiben immer noch auf 35 Hektar Forstwirtschaft“, sagt Igel. Besonders freut er sich dabei

Große Ausstellung

über den NOZ-Blätterwald, wo Familien im vergangenen Jahr auf Igel’schen Besitz rund 4000 Bäume pflanzten.

Mit der Tagung möchte der Historiker Igel auf eine Ausstellung zur Regionalgeschichte hinführen, die als Langzeitprojekt mit den Themen „Bauernland“, Kirchenland“ (mit Emsland), „Burgenland“ und „Städteland“ über viermal jeweils zwei Jahre auf dem Hof in Engter zu sehen sein soll. Eine Geschichtsausstellung in der Baumschule? „Wir sind da zuversichtlich“, sagt er und schmunzelt: „Hier stolpern viele Leute rein, die sonst nicht ins Museum gehen würden“.


Die Anmeldefrist für die Tagung am 29. August 2015 läuft noch bis zum 15. August. Anmeldungen an karsten.igel@uni-muenster.de oder an Igel Gartenkultur GbR, Im Eikrode 10, 49565 Bramsche, Tel: 05468/1584. Weitere Informationen zur Geschichte des Osnabrücker Landes finden Sie unter www.osnabruecker-landesgeschichte.info .

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