Schutz für Ex-Übungsplatz Nationales Naturerbe in Achmer

Von Björn Dieckmann

Seltene Pflanzen und Tierarten sind auf dem ehemaligen Flugplatz und Truppenübungsplatz zu finden. Im rechten Bild eine Übersicht über das Gelände; rechts oben die Fläche Achmer Sand. Archiv-Foto: Hauke PetersenSeltene Pflanzen und Tierarten sind auf dem ehemaligen Flugplatz und Truppenübungsplatz zu finden. Im rechten Bild eine Übersicht über das Gelände; rechts oben die Fläche Achmer Sand. Archiv-Foto: Hauke Petersen

Achmer. Der ehemalige Truppenübungsplatz in Achmer ist als „Nationales Naturerbe“ ausgewiesen worden – inklusive des Abschnitts Achmer Sand, der bisher noch nicht unter FFH-Naturschutz steht. Damit dürfte es noch schwieriger werden, dort Industriebetriebe anzusiedeln, meint zumindest Matthias Schreiber vom Umweltforum Osnabrück.

Ein direktes Verbot zur Ansiedlung von Unternehmen – zuletzt hatte die Recyclingfirma Kohl hier Erweiterungspläne verfolgt – ziehe der Status des „Nationalen Naturerbes“ zwar nicht nach sich, erklärt Schreiber. Aber, so der Eper: „Der Bund macht damit deutlich, welche Wertschätzung er diesen Flächen entgegenbringt. Es dürfte schwierig werden zu argumentieren, warum dort Industrie Vorrang vor Naturschutz haben sollte“, ist Schreiber überzeugt .

Nichtsdestotrotz drängt der Experte weiter darauf, das FFH-Gebiet „Achmer Sand“ (FFH = Fauna, Flora und Habitat) zu erweitern, da die jetzige Grenzziehung willkürlich erfolgt sei. Dies wird gegenwärtig vom niedersächsischen Umweltministerium überprüft. Die Stadt Bramsche ist aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Schreiber fürchtet, man werde darin „wohl darlegen wollen, dass dort nichts Schutzwürdiges ist“. Und auch, dass der Segelflugplatz an der Westerkappelner Straße auch weiterhin nicht in den FFH-Schutz einbezogen werden soll, ärgert Schreiber. „Das ist fachlich überhaupt nicht haltbar. Da geht der Murks nahtlos weiter“, richtet er deutliche Worte an das niedersächsische Umweltministerium, das die Grenzziehung der FFH-Gebiete im Land derzeit überprüft.

Mehr als 1000 Hektar

Unabhängig von dieser Diskussion wird es durch den Status als „Nationales Naturerbe“ künftig weitere Gelder für den Naturschutz auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz geben, der sich auf mehr als 1000 Hektar über den Bramscher Ortsteil Achmer sowie die Gemeinden Lotte und Westerkappeln erstreckt. Das Gelände, das unter dem Namen „Wersener Heide“ geführt wird, gehört damit zu 62 Gebieten in ganz Deutschland, die als „Nationales Naturerbe“ deklariert und damit allein dem Naturschutz gewidmet sind. Dazu zählt auch der ehemalige Feldflughafen Wittenfelde an der Grenze von Lappenstuhl zu Vörden. Bei allen Liegenschaften handelt es sich um ehemalige Militärflächen, die dem Bund gehören. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erklärte dazu in einer Pressemitteilung: „Wir nutzen mit dieser Übertragung eine historische Chance: Viele Flächen, die einst Sperrgebiet waren, brauchen wir nicht mehr für militärische Zwecke. Wir haben das Glück, dass wir diese Flächen heute der Natur zurückgeben können. Wir wollen dieses Erbe der Natur für künftige Generationen bewahren.“ Laut der Pressemitteilung gelten für die ausgewiesenen Flächen „höchste Naturschutz-Anforderungen“: „Moore und Auen werden generell naturnah entwickelt. Heidelandschaften sollen erhalten werden, weil sie Lebensraum für seltene Pflanzen und eine große Zahl bedrohter Tierarten sind. Wälder, die einen großen Teil der Flächen ausmachen, werden grundsätzlich der natürlichen Entwicklung überlassen, also zu Wildnis.“ Damit leiste der Bund einen wichtigen Beitrag zu dem Ziel, fünf Prozent der Wälder in Deutschland der Natur zu überlassen. Für die Betreuung dieser Gebiete seien jährlich insgesamt vier Millionen Euro vorgesehen.

Mit der Pflege der „Wersener Heide“ wird künftig nicht mehr wie bisher die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten betraut sein. Der Bund gibt die Zuständigkeit ab.

Zuständigkeit wechselt

An wen, steht noch nicht fest: „Infrage kommen das Land Niedersachsen, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder Naturschutzorganisationen“, erklärt Matthias Schreiber. Auch das Umweltforum Osnabrück habe sich beworben, seit dem Frühjahr allerdings in der Angelegenheit nichts mehr gehört.